"S/4 Hana macht Kunden noch sehr viele Probleme"

Schlechte Produktstabilität, Projektkosten sehr schwer vorhersagbar: Die Schweizer IG SAP feiert ihr Jubiläum mit scharfen Worten.
 
Die herstellerunabhängige IG SAP CH versteht sich als Ergänzung zur deutschsprachige SAP-Anwendergruppe DSAG. Das eigene Ziel sei es, rechtliche und kommerzielle Interessen der SAP-Anwender in der Schweiz zu bündeln und die Aktivitäten in Ergänzung und Abstimmung mit der DSAG durchzuführen. Sie äussert sich aber öfter deutlich kritischer gegenüber dem ERP-Giganten SAP, als die "offizielle" Kundenvertretung. Der Zustrom von neuen Mitgliedern, so die IG auch heute, erfolge eigentlich gegen den Willen der SAP. Denn von Kundenseite höre man oft, dass die SAP-Geschäftsleitung einzig die DSAG als Benutzervertretung empfehle.
 
Anlässlich ihres Neun-Jahr-Jubiläums lässt es sich die IG auch nicht nehmen, SAP im Zusammenhang mit der neuen Lösung S/4 Hana zu kritisieren. Diese werde massiv gepusht und anlässlich der ersten Neueinführungsprojekte betone SAP die Vollständigkeit der Lösung. Gleichzeitig lasse der Hersteller seine Marktmacht spielen und versuche mit Wartungsenden Druck auszuüben und seine Kunden zu einem Wechsel zu bewegen.
 
Das neue Produkt verursache aber, insbesondere für KMUs mit beschränkten Ressourcen, in der Regel noch "sehr viele Probleme." Ein Grund sei die "noch schlechte Produktestabilität". Zudem seien die Projektkosten für alle Beteiligten sehr schwer prognostizierbar und schwer kontrollierbar. Kunden bräuchten daher, fordert die IG, einen "sicheren Migrationspfad mit klar abschätzbaren Kosten und falls Mehrkosten entstehen auch den entsprechenden Mehrwert."
 
Umfrage
Im März hat die IG übrigens eine Umfrage zu Thema gestartet. Nach Halbzeit können man schon sagen, dass zwar viel Gutes über die neusten Produkte von SAP in der Presse stehe, dass diese aber bei den Kunden "etwas anders" ankommen würden. Einige der aufgezählten wunden Punkte: Steigende Kosten bei fehlendem Mehrwert, Sorge wegen der hohen Abhängigkeiten von SAP, nach wie vor vorhandene Inflexibilität der Lizenz- und Wartungskosten bei geschäftlichen Veränderungen, fehlende Weiterentwicklung von bestehenden Produkten sowie der Zwang zur Migration auf Nachfolgeprodukte mit Mehrkosten.
 
Die IG wurde 2008 unter dem Namen IG SAP Wartung von den 21 Teilnehmern eines CIO Circle gegründet. Der Name war Programm: Damals ging es vor allem um die Wartungskosten.
 
Die Schweizer Interessengemeinschaft von SAP-Kunden feiert nun den Beginn ihres zehnten Betriebsjahrs und ist auf mittlerweile 88 Firmenmitglieder gewachsen, wie sie uns heute schreibt. Allein im laufenden Jahr seien weitere sechs Mitglieder hinzugekommen. Insgesamt würden die IG-SAP-Mitglieder nun eine SAP-Lizenzsumme von 400 Millionen Franken, davon 80 Millionen Franken Wartungskosten, repräsentieren. (hjm)