Der Kanton Thurgau gibt sich eine neue IT-Strategie

Standardisierung und "Buy statt Make" lautet die Philosophie. Und ein missverständlicher Satz wird gestrichen.
 
Der Kanton Thurgau erhält eine neue IT-Strategie. Diese bildet das Dach über allen IT-Services der kantonalen Verwaltung und ersetzt ein Dokument aus dem Jahr 2004, schreibt der Regierungsrat des Kantons in einer Mitteilung.
 
Das fünfseitige Dokument ist sehr allgemein gefasst, aber grundsätzliche Stossrichtungen sind ersichtlich: Zentralisierung, Standardisierung und "Buy statt Make" sowie die Suche nach Synergien in der Zusammenarbeit mit andern Kantonen und dem Bund.
 
"Dies wurde im vorher gültigen Dokument nicht so explizit festgehalten", erklärt Leo Kuster, Leiter Amt für Informatik, auf Anfrage von inside-it.ch. Bislang sei viel individuell extern entwickelt worden. Nun setzt der Thurgau wo immer möglich und sinnvoll auf Standardprodukte, die auch ab Stange eingesetzt werden können und sollen.
 
Konkrete Antworten zu E-Government, Cloud, Automatisierung von Rechnungsprozessen und ähnliches gibt das Dokument keine. Dieses bildet nur die Essenz, die konkrete Operationalisierung ist laut Kuster Teil eines detaillierten Dokuments, das aber behördenintern bleiben wird.
 
Laut Strategie will der Kanton Thurgau explizit Synergien mit Bund und andern Kantonen nutzen. "Dies wurde auch bisher schon gelebt", sagt Kuster. Als Beispiel gilt die IK-Ost der Schweizerischen Informatik-Konferenz, der Arbeitsgruppe Informatikleiter der Ostschweizer Kantone.
 
"Sehr zurückhaltend in Sachen Cloud"
Umgekehrt können Thurgauer Gemeinden Dienstleistungen und die Profi-Lösungen der kantonalen Informatik nutzen. Viele nutzen die kantonale Infrastruktur für ein volles Outsourcing. "Umgekehrt können wir als Kanton von Skalierungseffekten profitieren. Das ist eine Win-Win-Situation."
 
Acht Ziele beinhaltet die IT-Strategie, alle sind allgemein formuliert. Man wolle beispielsweise, dass Wirtschaft und Bevölkerung ihre Behördenkontakte "vermehrt elektronisch abwickeln können". Was das konkret heissen könnte, ist Sache der Ämter, die den Anstoss zu E-Goverment-Projekten machen müssen. Das Amt für Informatik ist hierbei in der Umsetzerrolle.
 
Ebenfalls allgemein gehalten ist der Passus über die Einhaltung der Datensicherheit und des Datenschutzes. Beides soll "unterstützt" werden. Was heisst das in Sachen Cloud? Damit tun sich ja diverse Kantone sehr schwer, auch der Thurgau zählt zu diesen. "Im Kanton gilt das Amtsgeheimnis", sagt Kuster. "Ausserdem ist es bei unseren 800 vernetzten Servern schwer und kostspielig, einen einzelnen Teil auswärts zu geben". Einzelne IT-Lösungen laufen heute bei Vertrauenspartnern wie Abraxas. "Aber wir bleiben hier sehr zurückhaltend."
 
IT-Beschaffung primär im Thurgau?
Ein Satz auf der aktuellen Website des Amts für Informatik fällt auf: "Wenn immer möglich berücksichtigen wir Hard- und Softwarelieferanten aus dem Thurgau." Was heisst das für die Strategie? Kuster sagt, dieser Satz werde gestrichen, da er falsch interpretiert werden könne aus beschaffungsrechtlicher Sicht. "Wir brauchen die richtigen Partner. Diese müssen gut und schnell sein, nicht primär aus dem Thurgau", sagt er. Schon jetzt seien die Partner breit gestreut und viele stammten nicht aus dem Kanton.
 
Das Amt für Informatik beschäftig aktuell 80 Informatiker und acht Lernende. Der kantonale IT-Betrieb ist, im Unterschied zu andern Kantonen, heute schon stark zentralisiert. Entsprechend sind nur bei Steuerverwaltung oder der Polizei noch vereinzelte weitere Informatiker zu finden. "Das ist der richtige Weg, auch aus Kostengründen," sagt Kuster.
 
Das Dokument ist für die Verwaltung des Kantons Thurgau und die Gerichte verbindlich. (Marcel Gamma)