(Möglicherweise) Quantensichere Verschlüsselung wird Public Domain

Das US-Unternehmen Security Innovation hat alle seine Patente zum Verschlüsselungsverfahren NTRUEncrypt sowie den dazugehörigen Source Code unter der Creative Commons CC0 1.0-Lizenz veröffentlicht. Einzelpersonen und Unternehmen können die Software damit kostenlos für private und kommerzielle Zwecke verwenden und auch ändern. Der Source Code ist auf GitHub zugänglich.
 
NTRUEncrypt gilt als Kandidat beziehungsweise potentielle Grundlage für quantensichere Verschlüsselungssysteme. Diese werden in der IT-Security-Szene entwickelt, um sich für die Zeit zu rüsten, wenn es einmal funktionsfähige Quantencomputer gibt. Letzteren wird nachgesagt, dass sie alle heute gängigen Verschlüsselungsmethoden mühelos knacken und damit obsolet machen werden.
 
Laut Security Innovation soll die Veröffentlichung dabei helfen, dass die IT-Industrie rechtzeitig quantensichere Verschlüsselungssysteme entwickeln und einführen kann, bevor es zur Quantenapokalypse kommen kann. Das im Kern von NTRUEncrypt steckende mathematische Problem, laut Wikipedia eine Art Gitterproblem, habe schon in der Vergangenheit diverse Kryptographie-Spezialisten inspiriert. NTRUEncrypt war zwar bisher im Prinzip proprietär, Security Innovation hat aber schon seit einigen Jahren Open-Source-Projekten die Verwendung erlaubt, ohne dass sie eine Lizenz erwerben mussten.
 
Signatursoftware bleibt proprietär
Geld verdienen will Security Innovation dagegen mit seinen Patenten für pqNTRUsign, einem laut dem Unternehmen ebenfalls quantensicheren Verfahren zur Erstellung von digitalen Signaturen. Zur Vermarktung dieser Patente sucht Security Innovation nun einen "starken Partner", wie es in der Mitteilung von gestern heisst.
 
pqNTRUsign basiert auf dem gleichen Grundprinzip wie NTRUEncrypt. Wenn eine grosse, über die Open-Source-Szene hinausgehende Anwender-Community das Verschlüsselungsverfahren zur Grundlage eigener Anwendungen machen würde, würde damit wohl auch dessen Quantensicherheit bestätigt. Dies wiederum dürfte auch den Wert der Patente für das entsprechende Signaturverfahren beträchtlich steigern. (hjm)