Vereinheitlichter Schweizer Zahlungsverkehr rückt näher und näher

Der neue Einzahlungsschein mit QR-Code (Grafik: SIX)
Es ist das grösste Finanzinfrastrukturprojekt seit 30 Jahren: Die Banken und Postfinance vereinheitlichen ihre heute unterschiedlichen Zahlungssysteme bis Ende 2017. Endkunden dürften die Auswirkungen der Harmonisierung allerdings erst viel später spüren.
 
Von der Vereinheitlichung verspricht sich der Schweizer Finanzplatz viel: So sollen die Zahlungsprozesse durchgehend digitalisiert werden, regulatorische Anforderungen besser erfüllt werden können sowie der ganze Zahlungsprozess vereinfacht und effizienter gestaltet werden.
 
Die Vereinheitlichung sei ein "Herkulesprojekt", sagte Markus Beck am Donnerstag vor den Medien in Zürich. Beck leitet das Produktmanagement Zahlungsverkehr Firmenkunden bei Raiffeisen Schweiz und amtet als Verwaltungsrat der SIX Interbank Clearing (SIC), die die Zahlungsverkehrsplattform der Banken betreibt.
 
Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs läuft deshalb in Etappen ab. Zuerst sollen bis Ende Jahr die Finanzinstitute auf ein einheitliches Datenformat und damit eine Einheitssprache für alle Marktteilnehmer umsteigen. Dabei handelt es sich um die Norm ISO 20022, die auch in der EU zum Einsatz kommt und sich international verbreitet. Überweisungen erfolgen fortan nach diesem Standard.
 
Ab Anfang 2019 Rechnungen mit QR-Code
Dazu werden alle Bank- und Postkontonummern durch die internationalen Kontonummern IBAN ersetzt. Auch die beiden Lastschriftverfahren von der Postfinance und den Banken werden auf einen Nenner gebracht. Danach soll auch der E-Rechnungsprozess vereinfacht werden. Zuletzt sollen die heute sieben Einzahlungsscheine durch einen digital lesbaren QR-Code ersetzt werden.
 
Während Firmenkunden die Umstellung jetzt schon zu spüren bekommen, da sie selbst ihre Buchhaltungssysteme bis Mitte 2018 anpassen müssen, merken Endkunden zunächst kaum etwas davon.
 
Das dürfte sich mit den neuen QR-Rechnungen ändern. Diese können aber erst eingeführt werden, wenn die Unternehmen ihre Umstellung abgeschlossen haben. Daher dürften erst ab Anfang 2019 erste Rechnungen mit QR-Code bei den Konsumenten eintrudeln.
Der genaue Zeitplan für die Einführung der QR-Rechnungen wird Ende April 2017 bekannt gegeben.
 
Unternehmen sparen am Meisten
Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte im Auftrag des Schweizer Finanzplatzes profitieren von der Umstellung vor allem Unternehmen. Die 567'219 privaten Firmen sollen zusammen jährlich 197 Millionen Franken einsparen können.
 
Auf der anderen Seite müssen die Unternehmen einmalige Umstellungskosten von 450 bis 550 Millionen Franken schultern. In diesen Zahlen sind allfällige höhere Kosten für Software und Softwareupdates nicht enthalten.
 
Softwareanbieter dürften durch die Umstellung einen Anstieg der Abonnements für Softwareupdates und Wartungsverträge bei Zahlungsprogrammen und Cash-Management-Lösungen verbuchen, heisst es in der Deloitte-Studie. Die Auswirkungen könnten jedoch derzeit nicht fundiert quantifiziert werden.
 
Den Kunden zugute kommen soll der vermehrte Wettbewerb zwischen den Finanzinstituten durch die Vereinheitlichung. (sda / mag)