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Dienstag, 04.10.2005
Microsofts Nemesis: "OpenDocument"

"OpenDocument" entwickelt sich zu einer Bedrohung der Vormachtsstellung von Microsoft im Office-Bereich.
 
Welche Dateiformate sind auch in Zukunft lesbar? Und welche Dateiformate können leicht zwischen den verschiedensten Computern, Speichern und Medien transportiert werden? Vor allem bei Behörden und Grossfirmen, die ihre Dokumente (Briefe, E-Mails, Präsentationen, Kalkulationen) noch jahre- oder jahrzehntelang der Öffentlichkeit oder einem beschränkten Kreis zugänglich machen müssen, gewinnt diese Frage an Gewicht.
 
Eine Alternative zu den Microsoft-eigenen Formaten wie ".doc", ".xls" oder ".pps", die heute einen Quasi-Standard darstellen, will die Standardisierungs-Organisation OASIS (Organization for the Advancement of Structured Information Standards) mit "OpenDocument" entwickeln. OpenDocument basiert, wie die künftigen Microsoft-eigenen Formate auch, auf XML, wird aber von einer ziemlich breiten Allianz der Open-Source-Community mit Firmen wie IBM, Sun und Corel unterstützt. Die erste Version von "OpenDocument" wurde im Mai von OASIS verabschiedet und die beiden Schwestern "StarOffice" und "OpenOffice" unterstützen das Format bereits.
 
Der Entscheid des US Bundesstaats Massachusetts, ab 1.1.2007 nur noch Office-Software einzusetzen, die "OpenDocument" vollumfänglich unterstützt, hat dem Standard neulich zusätzlichen Schub verliehen. Microsoft will zwar ebenfalls XML als Basis für die künftigen Dateiformate verwenden, beharrt aber darauf, auch in Zukunft eigene Formate, deren genaue Definitionen nicht bekannt sind, zu verwenden.
 
Vor einer Revolution?
Manche glauben, "OpenDocument" werde die Welt der Bürosoftware revolutionieren. So sagte Sun-Mann Tim Bray an einer Konferenz in Slowenien, "OpenDocument" werde ähnlich grosse Auswirkungenen haben, wie sie die Seitenbeschreibungssprache HTML für die Explosion des Internets hatte.
 
Auch Bruno von Rotz und Stephen Walli vom unabhängigen Beratungsunternehmen Optaros glauben, dass das Dateiformat "OpenDocument" Microsofts Dominanz "ankratzen" könnte. Von Rotz: "OpenDocument hat aus unserer Sicht wirklich eine faire Chance, Microsoft's Dominanz anzukratzen. Aber damit wird Microsoft natürlich nicht sterben, denn die Leute nutzen MS Office nicht nur wegen der Abhängigkeit zum File-Format, sondern weil sie es gewöhnt sind, so zu arbeiten, wie es MS Office vorgibt. Aber mit einem gemeinsamen Standard, den auch Microsoft unterstützt, wird es sicher einfacher, eine Alternative zu nehmen. Und einige Kunden (10-15%) werden dies vielleicht auch tun, was Microsoft doch zumindest schadet. Natürlich werden auch nicht alle "rich features" (z.B. Macros, Powerpoint-Animationen, etc.) von Anfang an sauber standardisiert und unterstützt, dies wird einen Umstieg schwieriger machen."
 
Was tut Microsoft?
Interessant wird die Frage, ob der Druck der Kunden, die sich Gedanken über die Verwendung von öffentlichen Standards ("Open Standards") machen, Microsoft dazu bewegen könnte, von den proprietären Formaten abzurücken oder mindestens "OpenDocument" voll und ganz zu unterstützen.
 
Von Rotz' Antwort auf unsere diesbezügliche Frage ist interessant: "Microsoft könnte den Standard unterstützen oder so zu tun, als ob sie einen eigenen, offenen Standard kreieren. Im zweiten Falle wird es einen Standard-Krieg auslösen, was in der Öffentlichkeit nicht goutiert würde und auch den Konkurrenten viele Möglichkeiten gäbe, MS schlecht aussehen zu lassen.
Gescheiter wird es wohl sein, den Standard zu unterstützen, aber zu versuchen, wertvolle Zusatzfeatures in proprietärer Form zu verkaufen. Damit hätte der Kunde ein gutes Gewissen (ich kann ja den ODF-Standard nutzen), wird aber weiterhin proprietär arbeiten wollen. Ein weiterer Punkt ist, dass Microsoft versuchen kann, die Definition/Entwicklung des Standards zu verlangsamen."
 
Interessante Überlegungen zur Geschichte von Standards und zu OpenDocuments finden sich in einem langen Blog-Eintrag von Stephen Walli.
 
Er wird übrigens am 26. Oktober in Zürich auftreten als Sprecher auftreten. Thema der Veranstaltung von Optaros: "Understanding the Value of Open Source". (Christoph Hugenschmidt)
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