IT-Projekte der Armee: "Gewisse Verbesserungen"

In einem Bericht anerkennt die Finanzdelegation der Räte beim VBS Fortschritte in der IT-Beschaffung. Wesentliche Risiko-Faktoren sind aber systemimmanent.
 
In Sachen Informatik ist der Ruf des VBS auch bei der Finanzdelegation der eidgenössischen Räte (FinDel) angeschlagen. Das zeigt deren Bericht "an die Finanzkommissionen des Nationalrates und des Ständerates betreffend die Oberaufsicht über die Bundesfinanzen 2016".
 
Unter verschärfter Beobachtung steht das seit 1995 von SVP-Vertretern geführte Departement nicht bloss wegen der Bedeutung der Informatik für die Sicherheit des Landes und den gewaltigen Investitionen, sondern auch weil die Armee fast schon traditionell grosse Probleme mit Informatikprojekten hatte: bei der Führung von Projekten, dem Controlling und der Berichterstattung. Also eigentlich überall.
 
Das weiss auch die Finanzdelegation seit längerem und "begleitet" das VBS entsprechend. Die FinDel stellt in ihrem letzten Freitag publizierten Bericht nun fest, dass seit 2014 "bei der strategischen und operativen Führung gewisse Verbesserungen erzielt wurden." Eine Reorg wurde 2016 offenbar durchgeführt, was diese aber konkret umfasste, ist nicht im Bericht aufgeführt. Bemängelt wird speziell, dass die Armee eine Mittelfrist-Planung entweder nicht machen will oder nicht kann. Jedenfalls gibt es seit längerem keine.
 
Immerhin seien beim früher kritisierten Reporting Fortschritte zu verzeichnen. Die parlamentarische Oberaufsicht und das VBS selbst erhalten nun Angaben zum Projektstand inklusive Terminen, Finanzen und Ressourcen. Auch sei rasch klar, wo Probleme bei einem Projekt bestünden, lobt die FinDel.
 
Risiken von Debakeln sind VBS-immanent
Und was üblicherweise die Probleme verursacht, wird im Bericht klargestellt: Erstens die lange Projektdauer, zweitens würden "während der Entwicklung ständig neue Anforderungen aufgebürdet" und drittens bestehe die Gefahr, "sich in zu vielen Projekten zu verzetteln". So listet der Bericht Aussagen von VBS-Verantwortlichen auf. Zudem beklagen die Militärs nicht weiter konkretisierte "Ressourcen-Engpässe".
 
Glaubt man den Aussagen, so gehören Budgetüberschreitungen, Verzögerungen und Projektdebakel also praktisch zur DNA des Departementes.
 
Eine frühere und vollständige Definition der Bedürfnisse sieht die FinDel als Teil der Lösung. Ist dies überhaupt sinnvoll und möglich? Oder bräuchte es eine andere Organisation oder ein agileres Vorgehen? Fragen, welche der FinDel-Bericht nicht stellt oder beantwortet.
 
Ganz klar hingegen ist die Meinung in Sachen Projektleitung: Die Finanzdelegation fragt sich nämlich, "ob beim VBS bei der Projektführung dem Informatik-Fachwissen das nötige Gewicht beigemessen wird".
 
Wir kennen die Skills der Projektleiter beim VBS nicht. Wir möchten aber an dieser Stelle darauf hinweisen, wie der Beruf im offiziellen Werk "Berufe der ICT" definiert wird: "Sicherstellen der Leistungserbringung bezüglich Lieferobjekten, Terminen, Kosten und Risiken. Etablieren der Projektorganisation und Führen des Projektteams", heisst es da. Vertieftes, aktuelles Informatik-Fachwissen wird denn auch in der Praxis nicht zwingend vorausgesetzt, sondern primär Erfahrung, technisches Verständnis, kommunikative Skills und methodische Zertifizierungen.
 
Doch hatte bereits die EFK in ihrem Fitania-Prüfbericht festgehalten: "In diesen Dimensionen wäre eine technische Expertise auf Stufe Projekt notwendig."
 
Dem Programm "Fitania", welches für mindestens 3,3 Milliarden Franken die IT-Infrastruktur der Armee erneuern will, widmete sich die Finanzdelegation speziell.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hatte es schon letzten August unter die Lupe genommen. In Sachen Projektleitung stellte sie fest, "die Programm- und die Projektleiter verfügen nach Ansicht der EFK über die notwendigen Methoden-, Fachkenntnisse und Fähigkeiten."
 
Neue Armee-RZs: "Trend negativ"
Trotzdem entwickelt sich das aus mehreren Projekten bestehende Programm Fitania aus Sicht der Finanzdelegation nicht wunschgemäss: Im Teilprojekt zum Bau von Rechenzentren sei der Trend "negativ", weil die geologischen Schwierigkeiten unterschätzt wurden. Der Begriff "Verzögerung" kursiert bereits. Budgetüberschreitungen dürfen prophezeit werden. Das heutige Budget beträgt 900 Millionen Franken.
 
Im zweiten Projekt namens "Telekommunikation Armee", Budget 1,8 Milliarden, sei die Gesamtarchitektur immer noch nicht klar, kritisiert die FinDel. Sie befürchtet unkoordinierte Entwicklungen und Doppelspurigkeiten. Die sei das grösste Risiko für die neue Telekommunikationsplattform der Armee.
 
In eine - je nach Projektverlauf - ähnliche Kerbe haute 2016 auch die EFK, als sie dem VBS empfahl, Zweitmeinungen einzuholen und keine Abstriche bei Umfang und Tiefe von Tests zur Truppentauglichkeit zu machen.
 
Die Finanzdelegation kündigt an, die Informatikprojekte im VBS weiterhin eng zu begleiten. (Marcel Gamma)