Avaloq: "Wir haben kein Spar-Programm"

Wieder macht Avaloq Schlagzeilen: 150 Leute müssten gehen und es sei Sparen für den IPO angesagt, so Gerüchte. Was ist los? Inside-it.ch hat nachgefragt.
 
"Avaloq startet Spar-Übung 'Save The Day'", meldet 'inside-paradeplatz.ch' mit Verweis auf eine anonyme Quelle. Stellenabbau, Änderungskündigungen und Kostensenkungs-Programme bei Avaloq Sourcing für den geplanten IPO stehen im Raum.
 
Gibt es dieses Spar-Programm für die Schweizer BPO-Sparte namens Avaloq Sourcing, vormals B-Source? "Nein", sagt eine Avaloq-Sprecherin gegenüber inside-it.ch. Man müsse unterscheiden zwischen drei Ebenen, nämlich "Save The Day", dem Schweizer BPO-Business und den Arbeitsverträgen bei Avaloq.
 
Versuchen wir's. "Save the Day" sei eine von zehn strategischen Initiativen, so Avaloq, "um unsere langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern." Das heisst für Avaloq Sourcing Schweiz und Liechtenstein das Übliche: Günstiger produzieren, Effizienzsteigerung, Synergien in der Gruppe nutzen. Könnte in Stellenabbau enden, muss aber nicht.
 
Grundsätzlich hält man an bekannten Aussagen fest: Der von manchen als bedrohlich bezeichnete Verlust der Tessiner Bank BSI als BPO-Kunde, so Deputy CEO Jürg Hunziker letztes Jahr gegenüber inside-it.ch, führe nur zu "einer leichten Delle" im Umsatz. Doch sei der Umsatzverlust verkraftbar, weil erstens planbar, zweitens erst ab 2018 real und drittens mit den andern BPO-Kunden langfristige Verträge vorhanden seien.
 
Man sucht bei Avaloq nun neue BPO-Einnahmequellen. Mit dem geplanten Live-Gang von Raiffeisen per Anfang 2018 sieht man den BSI-Umsatzverlust als voraussichtlich kompensiert an. Dieses Projekt mit der gemeinsamen Tochterfirma Arizon zur Ablösung des Raiffeisen-Kernbankensystems beinhaltet auch, dass IT- und Business-Process-Outsourcing-Leistungen für die einzelnen Raiffeisen Banken erbracht werden sollen. Ergo sei dieser BPO-Umsatz positiv einzurechnen.
 
Der Schweizer BPO-Bereich, also Bioggio und Nyon sowie Arizon in St. Gallen, zähle aktuell 27 Kunden. Uns bekannt waren per letzten November noch 25. Miteingerechnet sind neu Raiffeisen/Arizon und die Arab Bank.
 
Und von einem Re-In-Sourcing von heutigen Avaloq-BPO-Kunden, wie 'inside-paradeplatz.ch' schreibt, wisse man nichts.
 
Man plane auch weiterhin, den BPO-Standort im tessinerischen Bioggio auszubauen. Dort soll ein zweites Gebäude entstehen, um wachsen zu können.
 
"Das wäre spekulativ"
Prognosen für 2018 will die Avaloq-Sprecherin aber keine machen. Da es aber bei Avaloq-Sourcing nicht nur Festangestellte gibt, sondern auch solche mit befristeten Verträgen und Externe, hat man personelle Flexibilität, falls die "Delle" dann eben doch nicht ausgeglichen werden kann. "Aber das kann man heute nicht sagen, das wäre spekulativ." Auch sonst setzt Avaloq ganz auf beruhigende Worte: "Und auch dies wäre nur ein Teil der denkbaren Instrumente, zu denen unter anderem auch die ganz normale Fluktuation gehört, falls solche Überlegungen in Zukunft einmal notwendig sein sollten."
 
Aber gibt es seit November bei Avaloq "Stellenabbau am Laufmeter", wie 'inside-paradeplatz.ch' schreibt? Mit total bis zu 150 betroffenen Avaloq-Mitarbeitern? "Nein. Dies entspricht überhaupt nicht der Realität. Wir wachsen weiterhin, auch auf die Anzahl FTE bezogen", so die Sprecherin. Man habe aktuell im Gegenteil rund 100 Stellen offen.
 
Mehr Flexibilität für den Arbeitgeber
Diese Aussage bezieht sich auf die Avaloq als Firmengruppe. Aber ist dort Feuer unter dem Dach? Hat Avaloq Anfang 2017 Änderungskündigungen bei allen Schweizer Mitarbeitern ausgesprochen? Nein, so Avaloq. Man habe nicht im juristischen Sinne Änderungskündigungen gemacht. Man habe bei den früheren B-Source-Mitarbeitern die Avaloq-Standardarbeitsverträge eingeführt.
 
Diese verlangen den Leuten nun mehr Flexibilität ab, also auch die potentielle Verlegung des Arbeitsortes. "Dies ist völlig normal. Die Mitarbeitenden im Software-Bereich hatten übrigens schon lange zuvor Verträge mit diesem Inhalt."
 
Nichtdestotrotz könnte Avaloq diesen Flexibilitätspassus bei einem Umbau nutzen. Schliesslich ist die BPO-Sparte kapitalintensiv und die Margen sind tief. Die Möglichkeit ist laut Avaloq aber eher theoretisch zu verstehen.
 
Schliesslich dementiert die Avaloq-Sprecherin die These, dass der neue Investor, Warburg Pincus, Avaloq für den IPO mit Einsparungen fit trimmen wolle. "Im Gegenteil, Warburg Pincus wird uns dabei helfen zu wachsen und unser Geschäft weiter zu skalieren, auch um in Zukunft an der Börse erfolgreich zu sein."
 
Wachstum, Skalieren, Vorhersehbarkeit durch mehr Recurring-Einnahmen gelten bei Avaloq bislang als Erfolgsrezept für den Börsengang. Merklich Sparen würde dieses Rezept doch ziemlich verändern. (Marcel Gamma)