Das Datenarchiv in der Arktis

Bild: Heather Thorkelson unter CC-Lizenz.
300 Meter tief in der Erde, in einem ehemaligen Minenschacht auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen können Daten "für die Ewigkeit" gespeichert werden. Oder zumindest für 500 bis 1000 Jahre. Das Rechenzentrum, "The Arctic World Archive" wurde vergangenen Monat vom norwegischen Unternehmen Piql in Zusammenarbeit mit dem Bergbaubetrieb SNSK eröffnet, wie unter anderem 'Data Center Dynamics' ('DCD') berichtet. Ganz in der Nähe des Arctic World Archives befindet sich übrigens auch der Saatgut-Tresor Global Seed Vault, in dem Samen langfristig eingelagert werden, um ihre Gene für die Nachwelt zu bewahren
 
Laut 'DCD' gehören die Regierungen von Norwegen, Mexiko und Brasilien zu den ersten Kunden des arktischen RZs. So soll etwa ein Backup der brasilianischen Verfassung in der Arktis gespeichert werden. Mexiko will historische Dokumente auf Spitzbergen sichern, die bis in die Inka-Periode zurückreichen.
 
Der Ort wurde ausgewählt, weil der Minenschacht, umgeben von Permafrost, eine konstant kühle Temperatur aufweist. Ausserdem gilt die Inselgruppe, die von 40 Ländern als entmilitarisiert erklärt wurde, durch ihre Abgeschiedenheit als besonders sicher.
 
Historische Dokumente auf 35-Millimeter-Film
Möchte ein Unternehmen oder eine Regierung etwas im Arctic World Archive ablegen, können die Daten auf die Piql-Server geladen werden. Von dort aus werden sie dann vom Unternehmen auf das analoge Speichermedium übertragen. Eine Kopie der Daten bleibt online verfügbar und ist durchsuchbar – solange das Internet noch funktioniert.
 
Dauerhaft gespeichert werden die Daten in Binärcode übersetzt aber analog und zwar auf optischem Film. Man könne sich die Speichermethode vorstellen, wie "QR-Codes auf Film", so das Unternehmen laut 'DCD'. Laut Piql hat der dafür verwendete 35-Millimeter-Film eine Lebensdauer von 500 bis
Rund 60 Prozent der Landfläche von Spitzbergen sind von Gletschern bedeckt. Bild: Google Maps
1000 Jahren. Es können auch Bilder oder Reintext auf den Film übertragen werden, um etwa Informationen zu hinterlegen, wie der Code wieder übersetzt werden kann, falls die ursprüngliche Technologie verloren gehen sollte.
 
Nachdem die Daten auf den Film übertragen worden sind, wird dieser in einem speziellen Behältnis, genannt PiqlBox, aufbewahrt. Da die Piql-Boxen nicht mit dem Internet verbunden sind, können Hackerangriffe ausgeschlossen werden. Möchte ein Kunde auf seine Daten zugreifen, muss er dafür einen Antrag stellen. Mitarbeiter des RZs holen daraufhin die entsprechende Box, laden die Daten hoch und verschicken sie entweder digital oder auf einem physischen Datenträger. (kjo)