Kalter IT-Krieg: Russland vs. USA

Das russische Aussenministerium ist nach eigener Darstellung regelmässig Ziel von Hackerangriffen aus den USA. "Die Angriffe auf die Webseite des Ministeriums kommen nach Einschätzung von Experten von IP-Adressen aus den USA", sagte die Aussenamtssprecherin Maria Sacharowa am Mittwoch der Agentur 'Tass' zufolge in Moskau. Konkret geht es um DDoS-Attacken, die in regelmässigen Abständen auf die Website des Aussenministeriums erfolgen würden: Rund 88 Prozent des Traffics komme von IP-Adressen aus den USA.
 
Auch andere russische Behörden seien davon betroffen. Im Februar habe es drei Angriffe gegeben, im März seien es noch mehr gewesen, hiess es weiter.
 
Bereits im November letzten Jahres hatte Russland von den USA Aufklärung über angebliche Hacker-Angriffe gefordert. Damals, kurz vor den Präsidentschaftswahlen, hiess es aus Expertenkreisen, dass die USA bereit zu Cyberangriffen wären, falls Russland das Wahlprozedere stören werde.
 
Diese Woche wurde in Spanien ein mutmasslicher russischer Hacker festgenommen, der für eine Manipulation der amerikanischen Wahlen verantwortlich gemacht wird. US-Geheimdienste vermuten zudem Russland hinter Attacken auf Computer der Demokratischen Partei im Zuge des Präsidentschaftswahlkampfs. Moskau weist die Vorwürfe als haltlos zurück. Man habe im Gegensatz zum Gegenpart Beweise, sagte Sacharowa gegenüber 'Tass'.
 
Die Beziehung zwischen den beiden Ländern ist auf einem Tiefpunkt. Ob bezüglich Syrien, der Ukraine oder Nordkorea, die Fronten sind verhärtet. Da ist es nicht sehr verwunderlich, dass auf dem Gebiet der schwer zuzuordnenden Cyberangriffe wechselseitige Anschuldigungen erhoben werden. Angesichts der Enthüllungen in den vergangenen Monaten dürften sie aber durchaus in realen Angriffen aus beiden Lagern fussen. (sda/ts)