Verbände fordern konsequente Umsetzung von Lehrplan 21

Wirtschaft und Wissenschaft befürchten, dass Informatik weiterhin ein Rand-Dasein fristet.
 
Organisationen aus dem Bildungsbereich und der Wirtschaft fordern im Rahmen der Initiative "Informatik macht Schule" die Erziehungsdirektoren der Deutschschweizer Kantone zu einer raschen und vorbehaltlosen Umsetzung des Lehrplans 21 auf. Wegen der wachsenden Wichtigkeit von IT-Kenntnissen müsse diesen auf allen Stufen der schulischen Bildung zentrale Bedeutung zugemessen werden, schreibt die Initiative in einer Mitteilung. Der Lehrplan 21, der das Fach "Medien und Informatik" auf Primar- und Sekundarstufe etablieren soll, sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
 
Der Aufruf sei deshalb notwendig, weil die Einführung des Lehrplans 21 noch nicht überall beschlossen sei und die Kantone selbst definieren könnten, wie umfangreich das Fach "Medien und Informatik" unterrichtet werden soll. Zudem sei nicht sichergestellt, dass neu ausgebildete oder auch bisherige Lehrpersonen tatsächlich in der Lage seien, das Fach kompetent zu unterrichten. Es seien vor allem kleinere Kantonen, die damit kämpften, Ausbildungsziele für Lehrpersonen zu definieren, sagt "Informatik macht Schule" auf Anfrage von inside-it.ch.
 
Ein halber Tag Informatik-Weiterbildung?
Die Initiative nennt zwei konkrete Gefahren: Zum einen gebe es Kantone, die "Medien und Informatik" nicht als eigenes Fach führen wollten. Zum anderen glaubten einige, dass Lehrpersonen nach einem halben Tag Informatik-Weiterbildung das Fach unterrichten könnten.
 
Die Forderungen (PDF) an die Erziehungsdirektionen umfassen: Einführung von "Medien und Informatik" bis spätestens 2020 als eigenständiges Fach. Mindestens eine Jahreslektion von der 5. bis zur 9. Klasse. Eine fundierte Ausbildung für angehende und amtierende Lehrpersonen. Qualitativ hochstehendes Unterrichtsmaterial dank eines Austausches zwischen Kantonen und pädagogischen Hochschulen. Bildungsangebote als Anschlusslösungen auf der Sekundarstufe II.
 
"Informatik macht Schule" wurde von Bildungspolitikern und Branchenvertretern im Sommer 2016 gegründet. Der aktuelle "Aufruf zum Handeln" wird vom Patronat der Initiative unterstützt. Dazu zählen neben den relevanten ICT-Verbänden unter anderem auch der kaufmännische Verband, der Schweizerische Gewerbeverband, Electrosuisse, Travail.Suisse sowie akademische Zusammenschlüsse. (ts)

Unser Kommentar:

Theoretisch haben alle 21 deutschsprachigen Kantone beschlossen, den Lehrplan 21 mit einem Modul "Medien und Informatik" einzuführen. Darin gehe es nicht um reine Anwendungskompetenzen, sondern um "richtige" Informatik, dies war das erklärte Ziel.
 
Das war damals, 2014. Heute droht die Verwässerung. Wenn eine breite Allianz überhaupt an dieses Ziel erinnern muss, dann müssen bei Gesellschaft, Wirtschaft und Eltern die Alarmlampen rot blinken.
 
Denn die Lehrer sind nicht dafür bekannt, das Fach "Informatik" mit Begeisterung voranzutreiben. Und das nötige Knowhow fehlt ihnen aus nachvollziehbaren Gründen: Bis anhin konnte man ein bisschen Word und ein bisschen Facebook zum "Informatik"-Unterricht umdeklarieren.
 
Wer aber will, dass Kinder in der Schweiz Lebensnotwendiges lernen, der muss sich auch für den Informatikunterricht engagieren und zwar jetzt. Darum ist diese breite Abstützung der Allianz erfreulich.
 
Damit aber wirklich etwas geschieht, müssen die Lehrer ausgebildet werden. Dabei sind vor allem auch die pädagogischen Hochschulen gefordert.
 
Aber die ICT-Branche kann sich nicht nur aufs Fordern, Wünschen und Jammern versteifen. Sie müssen interessierten Lehrer und Schulen unterstützen. Für diese sollte man rasch konformes Informatik-Lehrmaterial entwickeln lassen. Damit Lehrer didaktische Erfahrungen sammeln können und die Akzeptanz steigt.
 
Bislang hat sich ETH-Professor Juraj Hromkovic dabei engagiert und ein Verband, SwissICT, hat einige Lektionen erarbeiten lassen. Einzelne Firmen wie Ti&M haben sich mit Projektwochen und -tagen eingesetzt.
 
Das reicht aber keinesfalls. Es stehen alle ICT-Verbände und -Firmen in der Pflicht. Und dies bis der Lehrerverband diesen Handlungsaufruf ebenfalls unterschreibt. Erst dann darf man die Alarmlampen wieder auf "Gelb" umstellen. (Marcel Gamma)