Will Baidu das Android für autonome Autos werden?

Baidu, chinesischer Technologiegigant, plant, seine Technologie-Plattform für autonome Autos als Open Source zur Verfügung zu stellen, meldet das 'Wall Street Journal'. Man sei in Gesprächen mit chinesischen, US-amerikanischen und deutschen Fahrzeug-Herstellern, sagte Qi Lu, Baidu Group President gegenüber der Zeitung. Namen nannte Lu aber keine.
 
Die Plattform beinhaltet laut 'Techcrunch' eine Fahrzeug-Plattform sowie Hardware- und Softwareplattformen und Cloud-Daten-Services. Dazu gehören Funktionalitäten wie Routenplanung und Betriebssystem. Baidu investiert kräftig in Künstliche Intelligenz, zählt aber noch nicht zu den führenden Konzernen in dem Bereich.
 
Seit Ende 2015 ist man daran, insbesondere autonome Busse in China zu testen, wie sie ähnlich auch in Sitten im Testbetrieb fahren. Schon bald sollen sie in chinesischen Städten auf fixen Routen verkehren, aber offenbar ist der Zeitplan ambitioniert.
 
Lu sagt zwar, man liege im Plan ab 2018 autonome kommerzielle Autos herzustellen und Ende 2020 in die Massenproduktion zu gehen. Gleichzeitig begründet er die Offenlegung damit, sie solle dabei helfen, autonome Fahrzeuge schneller zu entwickeln.
 
Man könne den Schritt von Baidu mit der Google-Entscheidung vergleichen, Android Open Source zu stellen, sagt James Chao vom Marktforscher IHS Markit zur 'BBC'. "Das Android oder iOs für Auto-Software zu werden ist der heilige Gral. Und genau das strebt Baidu an."
 
Laut 'BBC' soll die Technologie ab Juli in Testumgebungen zur Verfügung stehen.
 
Bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge setzt Baidu auf die Kombination seiner Software mit Partnerprodukten und Hardware ab der Stange, so das 'Wall Street Journal'. Dazu passend hat Bosch laut 'Heise' soeben eine Kooperation mit Baidu im Bereich seiner Sensoren bekannt gegeben.
 
Diese Strategie unterscheidet sich von derjenigen von Waymo, dem heute selbständigen Unternehmen, das früher Google gehörte. Waymo hat eigene Hardware, beispielsweise Sensoren entwickelt. Und Nayva, Partner der Schweizer Post, ist gleich unter die Autobauer gegangen und lernt das Auto-Business von der Pike auf selbst.
 
Baidu ist insbesondere für seine Search-Engine bekannt, aber beschäftigt 1'300 Mitarbeiter im Bereich KI, darunter 300 im eigenen Forschungsbereich. "Damit ist dies eine der grössten Abteilungen ihrer Art der Tech-Branche", so 'Techcrunch.' (Marcel Gamma)