Autonome Autos: Neue Strassen- und Flug-Tests stehen an

Waymos selbstfahrender Chrysler Pacifica Minivan. Bild: Waymo
Uber, Waymo, General Motors, Amazon.... Wer was zwischen Arizona und London testen will.
 
Der Markt für autonome Autos soll in den nächsten Jahren geradezu explodieren. Kein Wunder konkurrieren und kooperieren die etablierten Autohersteller mit disruptiven Playern aus der Techwelt. Ein Überblick über Ankündigungen und Gerüchte der letzten Tage.
 
Google-Schwester Waymo: Roboterautos für den Konsumenten-Alltag
Die Google-Schwesterfirma Waymo lässt erstmals US-Konsumenten ihre selbstfahrenden Autos im Alltag nutzen. Im Grossraum von Phoenix in Arizona können sich Einwohner für ein Testprogramm bewerben. Die Idee dabei ist, Haushalten ein Roboterauto für die tägliche Nutzung zur Verfügung zu stellen.
 
Waymo-Chef John Krafcik machte in einem Blogeintrag am Dienstag keine Angaben dazu, wie viele Haushalte sich an dem Projekt beteiligen können. Die Firma baut aber ihre Roboterauto-Flotte aus umgebauten Chrysler-Minivans des Modells Pacifica drastisch aus: Von 100 auf 500 Fahrzeuge.
 
In den Waymo-Fahrzeugen sitzt zur Sicherheit ein Angestellter am Steuer, der notfalls eingreifen soll. Alle Fahrten sind für die Passagiere kostenlos.
 
General Motors: Tests mit tausenden selbstfahrenden Autos
General Motors plane gemeinsam mit dem Fahrdienst Lyft nächstes Jahr tausende autonomer elektrischer Autos zu testen. Dies berichtet 'Reuters' mit Verweis auf nicht näher spezifizierte Quellen.
 
Dies sei der grösste Test mit völlig autonomen Autos vor dem Jahr 2020. Mehrere Unternehmen haben Pläne angekündigt, dann grössere Flotten solcher Fahrzeuge in den Verkehr zu bringen.
 
Die meisten der speziell ausgestatteten Chevrolet Bolt Elektrofahrzeuge werden von Lyft genutzt. Der Uber-Konkurrent will die Vehikel in seine Ride-Sharing-Flotte integrieren und in mehrere US-Bundesstaaten einsetzen.
 
Der Autokonzern hat keine offizielle Ankündigung veröffentlicht. Man gebe keine spezifischen Details über zukünftige Produkte oder Rollout-Pläne bekannt. GM liess aber wissen: "Unsere Technologie für autonome Fahrzeuge wird in einem Ride-Sharing-Netzwerk früher zur Anwendung kommen, als sie denken mögen."
 
Amazon: Autonome Zustellung von Waren
Amazon habe bereits vor über einem Jahr ein auf autonomes Fahren fokussiertes Team gebildet, schrieb das 'Wall Street Journal' am Montag.
 
Derzeit gehe es nicht darum, eine Fahrzeugflotte zu bauen, berichtete das Blatt unter Berufung auf informierte Personen. Stattdessen gehe es darum, welche Rolle selbstfahrende Fahrzeuge bei der Zustellung von Waren spielen könnten.
 
Das Projekt stehe erst noch am Anfang, hiess es. Es würde aber zu Amazons Anstrengungen passen, immer mehr Waren in Eigenregie auszuliefern.
 
Erste Hinweise auf das Interesse von Amazon an Roboterwagen hatte es im Januar gegeben, als das Unternehmen ein Verfahren zur Abstimmung autonomer Fahrzeuge im Verkehr patentieren liess.
 
Apple: NASA-Ingenieure basteln an der Software
Nach jahrelanger Geheimhaltung wurden auch mehr Details zur Arbeit an Software für selbstfahrende Autos bei Apple bekannt. Laut dem Antrag des iPhone-Konzerns auf Testfahrten mit drei umgebauten Toyota
Der Kitty Hawk Flyer: Noch nicht wirklich ein Auto. Aber er fliegt! Bild: Kitty Hawk
Lexus-SUV, der dem 'Wall Street Journal' vorliegt, setzt Apple in die Wagen Ingenieure mit Erfahrung bei der US-Weltraumagentur NASA.
 
Sie hätten unter anderem an der Entwicklung eines autonomen Fahrzeugs zur Erforschung eines Jupiter-Mondes, Robotern und Algorithmen für die Erkennung von Objekten gearbeitet.
 
Über Apples Autopläne war bereits seit Jahren spekuliert worden, doch sie wurden erst mit der Roboterwagen-Erlaubnis für Kalifornien offiziell bestätigt. Unklar bleibt weiterhin, ob Apple – wie zunächst angenommen – ein eigenes Auto bauen will oder sich nur auf die Entwicklung von Software für autonome Fahrzeuge fokussiert.
 
England: Konsortium plant Tests auf der Autobahn
Auf Schnellstrassen zwischen London und Oxford soll 2019 eine Flotte von autonomen Vehikeln getestet werden, berichtet 'BBC'. Die Autos sollen miteinander kommunizieren und sich vor Gefahren warnen sowie fast vollständig autonom agieren – wobei auch hier noch ein Mensch an Bord ist.
 
Hinter den Tests steht ein Konsortium, das vom auf autonome Kontrollsysteme spezialisierten Softwareentwickler Oxbotica angeführt wird. Das Projekt wird von der britischen Regierung mit umgerechnet rund elf Millionen Franken unterstützt.
 
Dem Stau mit der eigenen Auto-Drohne entfliehen
Auch Abhilfe gegen von herkömmlichen und autonomen Autos verstopfte Strassen ist in Arbeit: Nach Informationen von 'Bloomberg Businessweek' investiert Google-Gründer Larry Page privat in die Entwicklung fliegender Autos: Mehr als 100 Millionen Dollar soll der 43-Jährige seit 2010 für diesen Zweck ausgegeben haben.
 
Page bestätigte, dass er die Entwicklung kleiner persönlicher Fluggeräte finanziere. Das von ihm unterstützte kalifornische Startup-Unternehmen Kitty Hawk veröffentlichte am Montag ein Video, in dem "The Flyer" bei einem Testflug über einem See zu sehen ist.
 
Der "Kitty Hawk Flyer" erinnert äusserlich an eine Riesen-Drohne mit acht Elektromotoren, die einen Menschen auf dem Sitz in der Mitte tragen kann. Da das rund 100 Kilogramm schwere Fluggerät zur Sicherheit über einem See getestet wird, hat es statt Rädern Schwimmer ähnlich wie ein Wasserflugzeug. Das Gerät kann bis zu 40 Stundenkilometer schnell fliegen und bis zu 4,5 Meter hoch schweben.
 
Das Unternehmen will nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr mit der Auslieferung beginnen – die Verkaufsversion werde aber etwas anders aussehen als der Prototyp.
 
Uber, zu Waymos grösstem Konkurrent auf dem autonomen Fahrmarkt herangewachsen, war mit Strassentests offensiver und will seine Transportdienste in einigen Jahren auch in der Luft anbieten. Der Fahrdienst-Vermittler stellte am Dienstag Pläne für ein Netzwerk aus kompakten Fluggeräten vor, die Menschen in der Stadt befördern.
 
Die Technik soll von Partnern wie dem Helikopter-Hersteller Bell oder dem Flugzeugbauer Embraer kommen. Uber will ein Netz aus "Vertiports" betreiben, an denen die Fluggeräte senkrecht starten und landen können. Zum Jahr 2020 sind Tests in der texanischen Stadt Dallas und Dubai geplant. Das Ziel sei, drei Jahre später einen kommerziellen Betrieb aufzunehmen.
 
Airbus arbeitet auch an vergleichbaren Projekten. Und die chinesische Firma Ehang will in diesem Jahr ebenfalls in Dubai Tests mit einer Art Riesen-Drohne starten, die eine Person befördern kann. (ts/mag/sda)