Glarus wird "nü"

Grosse strategische Ziele: Nüglarus.
Die Initiative NüGlarus will den digitalen Kanton schaffen und Innovations-Cluster aufbauen. Und dann nationales Vorbild werden.
 
Eine von der Wirtschaft und Privaten getragene Initiative will die rasante digitale Entwicklung in Glarus nutzen, um den Kanton attraktiv für Startups zu machen. Umworben werden die Jungunternehmen mit dem günstigen Steuerfuss, den die Landsgemeinde soeben verabschiedete. Gleichzeitig sollen aber auch schon im Kanton ansässige Firmen Unterstützung bei den mit der Digitalisierung anstehenden wirtschaftlichen Veränderungen erhalten. Die als Verein organisierte Initiative präsentiert sich im Glarner Dialekt als "NüGlarus" mit der gleichnamigen Webseite und trumpfte zum Start nicht nur mit ersten privaten und Unternehmensmitgliedern auf, sondern auch mit konkreten technischen Projekten.
 
Die als Nonprofit-Organisation aufgegleiste Initiative, es gibt keine eigene Geschäftsstelle und alle Anfragen werden online abgewickelt, verspricht Firmen, der Verwaltung und Privaten zu helfen, Entwicklungschancen und Nischen zu nutzen. So soll bis Anfang 2018 in ganz Glarus auf die "schnellste und günstigste Datenautobahn der Alpen" zugegriffen werden können. Weiter werde man neue Startup-Dienstleistungen aufgleisen und sogenannte Co-Working-Möglichkeiten in allen grösseren Orten des Kantons realisieren. Wie Vereinsvorstand Roberto Balmer auf Anfrage erklärt, geht es konkret um Ziegelbrücke, Glarus, Schwanden, Näfels und Linthal.
 
Die schnelle Datenautobahn im Detail
Die guten Steuerkonditionen für Startups, die sich im Kanton ansiedeln wollen, werden übrigens von der Regierung festgelegt, die im Verein über ihre Wirtschaftsförderung als Beobachter vertreten ist. Balmer erklärt, dass mit der Regierung eine schnelle und unkomplizierte Abwicklung vereinbart sei, die nicht voraussetze, schon ein Unternehmen gegründet zu haben.
 
Neben der Besteuerung wirbt NüGlarus auch mit den tiefen Raumkosten, dem breiten lokalen Dienstleistungsangebot und einer guten Vernetzung in die Unternehmen vor Ort.
 
Ivan Büchi, privat im Steuerungsausschuss der Initiative engagierter Leiter des Digital Office der Glarner Kantonalbank, erklärt uns die Spezifikationen der geplanten Datenautobahn. Sie wird aus einem redundanten Netz bestehen, das die Cloud-Anbindungen mit 0,5 Millisekunden in bis zu 80 Kilometer entfernte Rechenzentren bietet und 2,5 Millisekunden in alle anderen Schweizer Datacenter liefert. Umgesetzt ist sie bereits für die Glarner Kantonalbank und wird nun von den Technischen Betrieben Glarus (TB.glarus) und der HIAG Data sukzessiver erweitert, so dass der ganze Kanton dann fit für neue, etwa Cloud-basierte Geschäftsmodelle ist.
 
Rabatte und Expansions-Pläne
NüGlarus lockt seine Mitglieder zudem mit Rabatten bei Angeboten beteiligter Unternehmen. Dabei soll es immer um Innovationsprojekte gehen. So versprechen die ersten NüGlarus-Partner bereits Sonderpreise, die beispielsweise den Telekomsektor betreffen, Räumlichkeiten für die virtuelle Zusammenarbeit, oder für den Bereich Hololens oder spezielle Drohnen. Von günstigen Preisen profitierten können aber auch Privatpersonen bei Internet, TV und Telefonie. Die Partner-Angebote werden ständig weiter ausgebaut, verspricht NüGlarus in einer Mitteilung.
 
Mit-Initiant Balmer betont, dass man in den letzten Tagen starke Unterstützung gefunden habe. Nötig sei aber die Unterstützung weiterer Glarner, Neuglarner, Heimwehglarner und Sympathisanten. "Unsere Instrumente und unser Treibstoff sind Ideen, Netzwerke und finanzielle Mittel", fügt er an. "Solange weiterhin so viele innovative Sponsoren, Partner sowie Privat- und Firmenmitglieder zu uns stossen, können wir etwas bewirken und werden uns mit der Initiative weiter engagieren".
 
Als ambitioniert darf man wohl den Plan beschreiben, die Initiative national "rasch" zum Vorbild für andere Regionen zu machen. NüGlarus schreibt jedenfalls, dass die Expansion bereits in Planung ist.

Derzeit engagieren sich in der Initiative HIAG Data, TB.glarus und Netstream als Telekom-Partner. Ausserdem ist die Hochschule für Technik Rapperswil genauso dabei wie Linklabs, IT-Dienstleister Glaronia, Co-Working-Anbieter Ungleich, der Videoproduzent BSV und der Berater ob8. (vri)