Six bringt Einheits-Software für Schweizer Bankomaten

Als BPO-Lieferant im Bankomaten-Business ist Six mit einer Standardbedien-Software gestartet, will aber künftig den gesamten ATM-Prozess adressieren.
 
Wenn es nach dem Finanzinfrastrukturbetreiber Six geht, wird dereinst auf allen Schweizer Bankomaten respektive ATMs (Automatic Teller Machine) die gleiche Bedien-Software laufen. Erstaunlicherweise basiert sie auf dem von Microsoft nur noch bis 2020 unterstützen Betriebssystem Windows 7, wie uns Six-Sprecher Jürg Schneider auf Anfrage bestätigt. Das im März angekündigte Projekt ist nun unter dem Namen "ATMfutura" mit einem Pilotprojekt auf einem Geldautomaten von NCR bei der Credit Suisse (CS) in Oerlikon an den Start gegangen.
 
Laut Mitteilung hat Six die Software im Auftrag seiner Aktionäre entwickelt, gehört der Infrastrukturlieferant doch den Schweizer Banken. Es handle sich um eine Software die Multivendor-fähig ist, also unabhängig vom Hersteller auf jedem Bankomat in der Schweiz laufen soll. Bekannt ist bereits, dass sich auch Raiffeisen und diverse Kantonalbanken an dem Projekt beteiligen werden. Demnächst werde auch ein Bankomat der UBS den Pilotbetrieb aufnehmen, heisst es weiter. Die beiden Grossbanken werden denn auch als Vorreiter vorgestellt. Wann und wie viele andere Banken folgen, konnte Six auf Anfrage nicht sagen. Beabsichtigt ist jedenfalls, dass die Software "ab 2018 auf allen in der Schweiz platzierten Geldautomaten der Banken funktionieren und die Effizienz in diesem Geschäftsfeld deutlich erhöhen" solle. Das ist allerdings noch keineswegs sicher (siehe unten).

Ablösen soll ATMfutura die heute 26 individuellen Lösungen von vier verschiedenen Herstellern im Schweizer Markt. Versprochen wird, über den gemeinsamen Standard die Zuverlässigkeit zu erhöhen und Kosten in einem Bereich zu sparen, in dem sich die Banken nicht mehr differenzieren können.
 
Zudem soll die gleiche Benutzeroberfläche und Benutzerführung auf allen Geldautomaten auch Funktionen verfügbar machen, die bisher erst teilweise bei einzelnen Banken eingesetzt werden. Konkret genannt werden unter anderem Bezüge und Einzahlungen mittels QR-Code etwa übers Smartphone, freie Kontenwahl beim Bargeldbezug, das sogenannte "Talking ATM" für Sehbehinderte und die individuelle Notenstückelung.
 
Six als ATM-BPO-Partner
Entwickelt hat Six die Software mit einem Bankomaten-Hersteller. Wer das gewesen ist, will der Six-Sprecher zwar nicht sagen, es dürfte sich aber um NCR handeln. Bei dem Unternehmen sind jedenfalls im März die Prototypen der ersten ATMfutura-Geräte gezeigt worden. Schneider bestätigt hingegen, dass man sich mit der Zentralisierung einen neuen Servicebereich erschliesse. Bekanntlich zahlen immer mehr Menschen mit der Karte oder per Handy und die Bezüge pro Geldautomat sind rückläufig. Six verspricht den Banken durch die Auslagerung dieses Prozesses (BPO) also Effizienzgewinne und will selbst von der Standardisierung, Volumenbündelung und Prozessoptimierung profitieren. Konkret angeben, wie hoch die Einsparungen bei den Banken ausfallen, will Six nicht. Hält aber fest, dass nach den Initialisierungskosten, die Betriebskosten geringer als Heute ausfallen werden.
 
Dass Six mit ATMfutura erst einen Schritt gegangen ist und dereinst auch die gesamte Logistik der Bankomaten von der Bestückung bis zur Wartung übernehmen könnte, dementiert Schneider nicht, spricht aber von Zukunftsmusik.

In der Mitteilung heisst es aber bereits, "ATMfutura entlastet die Banken in Zukunft auch bei der Überwachung und Steuerung ihrer Geldautomaten". Denn Six sei dabei ein zentrales Monitoring aufzubauen, dass die "Voraussetzung schafft, um weitere Komponenten der ATM-Wertschöpfungskette abzudecken". Dazu könne beispielsweise die Standortevaluation, die Installation, die Wartung, die Geldbefüllung oder die Entsorgung der Geräte gehören, heisst es weiter: "Das Anbieten eines Gesamtpakets in diesem Geschäftsfeld ist das eigentliche Ziel von ATMfutura".
 
Nicht alle wollen mitmachen
Interessant ist, dass die Anstrengungen von Six nicht von allen Playern im Schweizer Markt unterstützt werden. Wie die 'Luzerner Zeitung' schon im Januar schrieb, "ist die Postfinance – mit über tausend Postomaten der zweitgrösste Bancomat-Betreiber – nicht Teil des Six-Projekts". Zwar hätten sich die Banken nach einer Ausschreibung bereits vor drei Jahren für eine Software des Bankomatherstellers NCR entschieden, doch wurde NCR verpflichtet, anderen Hersteller nicht zu benachteiligen. Wer wolle, könne also die gleiche Applikation aufgrund desselben Pflichtenheftes der Six entwickeln, lässt sich NCR in dem Bericht zitieren. Und genau das soll auch geschehen. Denn laut der 'Luzerner Zeitung' will Diebold Nixdorf, direkter Konkurrent von NCR, seine Multivendor-Software an die Spezifikationen der Six anpassen und interessierten Schweizer Banken als weitere geräteunabhängige Bankomaten-Software zur Verfügung stellen.
 
Für Six sei das Vorgehen von Diebold Nixdorf ein Ärgernis, könne das Projekt doch nur dann die gewünschten Skaleneffekte und damit Einsparungen bringen, wenn sämtliche Banken die gleiche Einheits-Software nutzen. (vri)