IBMs Abschied von einer Vision – die Rückkehr zur Büroarbeit

Schon im Februar war aus den USA berichtet worden, dass IBM als einstiger Vorreiter in Sachen Homeoffice die Rückkehr zum Büroarbeitsplatz von seinen Mitarbeitern fordert. Jetzt legt das 'Wall Street Journal' (WSJ) in einem Artikel nach und berichtet von tausenden von Mitarbeitern, die in dieser Woche aufgefordert worden seien, ihre "home workspaces" zu verlassen, um künftig wieder in regionalen IBM-Büros zu arbeiten. Auch diesmal heisst es, die Betroffenen hätten 30 Tage Zeit, sich für den Umzug zu entscheiden oder müssten sonst das Unternehmen verlassen.
 
Bekanntlich kommt die Änderung der Arbeitsplatzpolitik nach 20 Quartalen mit fallenden Umsätzen in Folge. Doch laut 'WSJ' werde inzwischen auch argumentiert, dass die Büroarbeit die Zusammenarbeit verbessere und das Arbeitstempo beschleunige. Was insofern überrasche, weil IBM für sich und seine Kunden lange Zeit "the anytime, anywhere workforce" favorisiert habe. Das Blatt bringt dann Beispiele von Big-Blue-Mitarbeitern, die etwa das hauseigene Sametime mit Instant Messaging, Onlinebesprechungen, Sprach-, Video- und Datenservices nutzen. Damit soll aber nun Schluss sein, auch wenn neu lange Fahrzeiten oder ein Wohnungswechsel angesagt sind.
 
IBM wolle nicht sagen, wie viele der rund 380'000 Angestellten von der Politikänderung betroffen sind, heisst es in dem Bericht weiter. Klar sei hingegen, dass die Watson-Sparte, die Software-Entwicklung, das digitale Marketing und die Design-Division mit ihren zehntausenden Mitarbeitern adressiert werden. Gegenüber dem 'WSJ' hielt man fest, dass man jetzt bereits entsprechende Design- und digitale Marketing-Büroteams aufgebaut habe, um schneller auf Kunden und Kooperationspartner zu reagieren. Das gehe leichter, wenn man Schulter an Schulter arbeite.
 
Eine "grosse Mehrheit" habe sich bereits für dieses Arbeitsmodell entschieden, so IBM. Wie bisher hat IBM auch diesmal wieder betont, dass es sich bei dieser Politikänderung nicht um Personalsparmassnahmen handle, zumal allein in den USA gut 5000 Stellen offen und neu zu besetzen sind.
 
Auf Nachfrage bei IBM Schweiz wird die vom 'WSJ' beschriebene Änderung mehr oder weniger deutlich bestätigt. Zwar heisst es, "IBM engagiert sich für flexible Arbeitsplätze und umfassende Work-Life-Programme" und IBMler würden auch weiterhin in vielfältiger Weise arbeiten: Einige in Büros und Labors, einige an Kundenstandorten und manche arbeiten von zu Hause aus. Doch dann wird klar gestellt, dass einige Funktionen im gesamten Unternehmen auf neue Weise von Teams übernommen werden. Das beträfe Software-Designer bis hin zu Mainframe-Ingenieuren oder digitalen Vermarkter. "Die überwiegende Mehrheit der IBMer arbeitet bereits so", heisst es dazu. Dass vermehrt gemeinsam in Teams an einem Standort gearbeitet werde, sei eine natürliche Erweiterung der modernen Arbeitsweisen bei IBM.(vri)