Schweiz: Drohnen für Private ein Renner, im Business selten

Die Mambo-Drohne von Parrot. Bild: Parrot
Der Siegeszug von privaten Drohnen in der Schweiz hält an. Inzwischen dürften Schweizer Haushalte über 100'000 Drohnen verfügen, schätzt das Marktforschungs-Unternehmen GfK.
 
Mit zivilen Drohnen werden hierzulande nach Schätzungen des schweizerischen Verbandes ziviler Drohnen (SVZD) pro Jahr zwischen 200 und 400 Millionen Franken umgesetzt. In den letzten fünf bis zehn Jahren sei der Branchenumsatz um das Zehn- bis Hundertfache gestiegen, sagt SVZD-Vizepräsident Reto Büttner.
 
Wachstumsmarkt
Ein Blick auf die Verkaufszahlen von Digitec Galaxus bestätigt das rasante Wachstum. Seit 2014 hat sich der Umsatz des Unternehmens mit Drohnen versiebenfacht. Die Drohnen-Verkäufe in der Schweiz insgesamt dürften sich dabei leicht schwächer entwickelt haben, da Digitec Galaxus nach eigenen Angaben Marktanteile gewonnen hat.
 
"2016 sind die Drohnen-Verkäufe beim grössten Onlinehändler der Schweiz um knapp 90 Prozent gewachsen", stellt Digitec Galaxus-Sprecher Alex Hämmerli fest. Keine Angaben macht er zur verkauften Menge und den absoluten Umsatzzahlen.
 
2017 rechnet Digitec Galaxus hierzulande mit mindestens einer Umsatzverdoppelung. Der Zuwachs ist stark abhängig vom Wetter: "Sonnig und trocken bedeutet mehr Umsatz", bringt es Hämmerli auf den Punkt.
 
Zivile Drohnen boomen weltweit. Die Verkaufszahl dürfte 2017 global auf fast drei Millionen ansteigen, hiess es etwa Ende März am Rande der Technologiemesse CeBIT.
 
Vom Nischen- und Massenmarkt
Beim Onlinehändler sind Drohnen damit längst kein Nischenmarkt mehr. "Je nach Monat machen Drohnen bei uns zwischen einem Viertel und einem Drittel des gesamten Spielwaren-Umsatzes aus", sagt Hämmerli. 80 Prozent der Käufer seien Männer.
 
Auffallend ist die Vorliebe der Schweizer Kunden für hochwertige und hochpreisige Modelle. Besonders gut verkaufen sich Drohnen der chinesischen Hersteller Dji und Yuneec und von der französischen Firma Parrot.
 
Die Preise der Absatzrenner von Dji bewegen sich zwischen 950 und 2000 Franken. Deutlich günstiger sind die beliebtesten Drohnen von Parrot mit 150 bis 650 Franken. Der französische Hersteller ist nach Angaben des Drohnen-Marktforschungsdienstes Droneii der weltweit grösste Produzent.
 
Unter den aktuell gut 200 Modellen bei Digitec Galaxus gibt es allerdings keine hiesigen Fabrikate. "Schweizer Drohnen haben wir nicht im Sortiment, da die meisten von ihnen nicht für den Privatgebrauch entwickelt wurden", erklärt Hämmerli.
 
Im Geschäftsbereich selten
Anders als bei der Nachfrage zum privaten Gebrauch sieht es bei der kommerziellen Nutzung der kleinen Fluggeräte aus. Hier fehlt bisher der entscheidende Schub.
 
Die Mehrzahl der Firmen, die SVZD organisiert sind, machen mit Drohnen Luftaufnahmen, weiss deren Vizepräsident Reto Büttner. "Das sind meist kleinere Firmen mit weniger als fünf Beschäftigten", so Büttner.
Die Drohne von Flyability. Bild: Flyability
Der Verband zählt gut 450 Mitglieder, die Hälfte davon sind kommerziell tätig.
 
Häufiger eingesetzt werden Drohnen derzeit beim Vermessen und der Inspektion von Infrastrukturbauten wie etwa Gebäude, Brücken, Windturbinen, Hochspannungsleitungen, Eisenbahn- und Solaranlagen oder in der Landwirtschaft. "Aktuell sind die Paketdrohnen auf dem Sprungbrett zu breiten Einsatzgebieten", stellt Büttner fest.
 
Erste Versuche dazu hat die Schweizerische Post im Frühjahr 2015 gemeinsam mit der Luftfrachtdivision der Swiss und dem kalifornischen Drohnenhersteller Matternet gemacht. Inzwischen ist die Post laut ihrer Sprecherin Léa Wertheimer einen Schritt weiter. Derzeit testet die Post im Tessin Drohnen, die Laborproben in Lugano zwischen zwei Spitälern transportieren.
 
In nächster Zeit werde der Einsatz von Drohnen bei der Post aber nicht über ein Nischendasein hinausgehen. "Drohnen eignen sich primär für den Transport von Spezialsendungen. Sie werden die traditionelle Paketzustellung ergänzen, jedoch nicht ersetzen", erklärt Wertheimer.
 
Weiter fortgeschritten und auch vielfältig scheinen die Möglichkeiten von Drohnen in der Landwirtschaft. Beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hält man beispielsweise den Einsatz von Drohnen zur Rettung von Rehkitzen für sinnvoll.
 
Aktive Schweizer Drohnen-Entwickler
In der Entwicklung von spezialisierten Drohnen hat die Schweizer Drohnenindustrie einiges zu bieten. Laut dem Verband sind Sensefly und Pix4D hierzulande die führenden Firmen der Branche. Es sei ihnen gelungen, sich weltweit als Marktführer für Vermessungsanwendungen mit kleinen Drohnen zu etablieren.
 
Die beiden Spin-offs der ETH Lausanne sind heute mehrheitlich im Besitz von Parrot. Sensefly allein beschäftigt über 100 Mitarbeitende. In ausländische Hände ging 2015 auch das Zürcher ETH-Spin-off Skybotix. Es wurde vom US-Hersteller von Minikameras GoPro gekauft.
 
Laut dem SVZD halten sich Schweizer Firmen wie UMS Skeldar, ein Joint Venture zwischen UMS Aero Group und Saab, mit Sitz in Möhlin oder die St. Galler Meteomatics seit längerem gut im Markt.
 
Daneben gebe es vielversprechende Start-ups wie die Lausanner Flyability oder die Zürcher Wingtra mit einigen Dutzend Mitarbeitenden. Wingtra, ein Spin-off der ETH Zürich, entwickelt eine Drohne als Kombination aus Helikopter und Flächenflugzeug. Flyability setzt Drohnen mit einem kugelförmigen Käfig als Aufprall-Schutz ein. Seit Ende Dezember 2016 in Liquidation befindet sich hingegen die einst hochgelobte Busswiler Feinmotion. (sda/ts)