Post-Informatiker müssen sich neu bewerben

Die Post legt ihre Informatik-Organisationen zusammen. Stellenabbau. Das sagen Post und Gewerkschaft.
 
Die Schweizerische Post unter der Führung der ehemaligen BT- und IBM-Managerin Susanne Ruoff wird massiv umgebaut. Nicht nur Poststellen werden geschlossen, sondern auch die Informatik wird heftig reorganisiert.
 
So werden die drei Informatikbereiche der Post zusammengelegt, wie am Wochenende der 'Sonntagsblick' berichtete. Damit soll auch der Abbau einer noch unbekannten Anzahl Stellen einher gehen. "Insgesamt müssen 1100 Beschäftigte um ihre Arbeit bangen", schreibt der 'SoBli', dem interne Dokumente der Post vorliegen. Zudem suche der gelbe Riese nach einem neuen Informatikchef, so die Zeitung. Wer den sehr anspruchsvollen und, verglichen zu ähnlichen Posten in der Finanzindustrie eher schlecht bezahlten, Job ergattert, soll schon diesen Sommer bekannt werden.
 
"Effizienzgewinn von 10 bis 15 Prozent"
Es gehe "grundsätzlich" nicht um ein Sparprogramm, sondern um ein neues Führungsmodell, schreibt Post-Sprecherin Jacqueline Bühlmann auf Anfrage. Allerdings seien "mögliche Effizienzgewinne" ein "wichtiger Zusatzeffekt", so Bühlmann. Vergleichbare Projekte zeigten ein Potential von zehn bis fünfzehn Prozent, heisst es aus der Postzentrale. Da die Kosten in der Informatik fast nur aus Löhnen bestehen, ist die Messlatte für Stellenabbau damit gelegt.
 
Die Post will gemäss Bühlmann die Informatik aber nicht primär billiger, sondern besser machen: "Die Organisation wird schlanker, aber in die IT selbst soll mehr investiert werden. Die ICT-Funktionen der Post sollen in einer Organisationseinheit zusammengefasst werden und damit auch eine stärkere Positionierung und eine übergreifende strategische und finanzielle Steuerung erhalten," so Bühlmann.
 
IT-Mitarbeiter müssen sich neu bewerben
Noch ist vieles ungewiss. Erst "im Laufe der zweiten Jahreshälfte" will die Post detaillierte Informationen geben. Zudem sollen mit Mitarbeitenden und Sozialpartnern Gespräche geführt werden. Sicher ist aber, dass sich zwar nicht alle, aber einige IT-Mitarbeitende neu bewerben müssen, wie inside-it.ch weiss.
 
Gewerkschaft Syndicom will "Druck aufbauen"
Die Gewerkschaft Syndicom, bei der viele Postangestellte organisiert sind, kritisiert die lange Periode der Ungewissheit. "Das Vorgehen zeigt einmal mehr, wie unsensibel die Post mit Mitarbeitenden umgeht", so Gewerkschaftssekretär David Roth in einem kurzen Telefongespräch mit inside-it.ch. Syndicom wolle nun Druck aufbauen, damit Lösungen für einzelne Mitarbeitende erarbeitet werden.
 
Man befürchtet Post-intern vor allem, dass der Stellenabbau besonders ältere Informatiker betreffen wird. Dies will die Gewerkschaft verhindern.
 
Unruhe in schwierigen Zeiten
Dass es in der Post-Informatik rumort und auch einzelne Mitarbeiter entlassen worden sind, hört man nicht erst seit diesem Wochenende. Die Unruhe kommt in schwierigen Zeiten. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass "Netzwerkprobleme" bei der Schweizerischen Post zu den aussergewöhnlich langen Ausfällen bei Post und der enorm wichtigen Tochter Postfinance Anfang Mai geführt haben. (Christoph Hugenschmidt)
 
Hinweis in eigener Sache: ICT-Professionals können auf www.ictjobs.ch kostenlos ein sehr genaues Profil ihrer Qualifikationen und Berufserfahrungen hinterlegen.