Versicherer sollten sich mit KI auseinander­setzen

Der Sonar-Bericht von Swiss Re zeigt Trends auf, die Versicherer im Auge behalten sollten. Darunter smarte Maschinen, künstliche Intelligenz und Cloud-Computing.
 
Regulatorische Fragmentierung, eine Kumulierung von Risiko aufgrund von Cloud-Computing und die sich abzeichnende Haftpflicht-Gesetzgebung für künstliche Intelligenz gehören zu den wichtigsten Risiken des heute publizierten Sonar-Berichts von Swiss Re. Im Sonar-Bericht ("Systematic Observation of Notions Associated with Risk") identifiziert der Rückversicherer neue Risiken, die die Versicherungsbranche auf ihrem Radar haben sollten. Diese Emerging Risks sind noch schwer zu quantifizieren und es wird noch nicht vollständig verstanden, wie sie die Gesellschaft und die Wirtschaft beeinflussen werden, schreibt Swiss Re.
 
Kann und sollte ein Roboter haftbar sein?
Die steigende Bedeutung und auch die Fähigkeit von Robotik, künstlicher Intelligenz (AI) und Machine Learning führen zu Fragen über den sich verändernden Status von intelligenten Maschinen: Wenn diese in der Lage sind, eine wachsende Zahl menschlicher Aufgaben wahrzunehmen, wenn sie lernen, sich anpassen und letztendlich entscheiden können, sollten sie dann überhaupt noch als unbelebte Gegenstände behandelt werden? Sollte ein Roboter oder ein autonomes Auto haftbar gemacht werden? So eine weitere Frage im Sonar-Bericht.
 
Man könnte sich vorstellen, für smarte Maschinen eine neue Form der Rechtsperson einzuführen. Diese "elektronische Person" hätte spezifische Rechte und Pflichten auch in Schadens- oder Haftungsfällen. Oder sollte, so Swiss Re, in diesen Fällen der Hersteller der intelligenten Geräte haftbar gemacht werden, obwohl das Gerät selbstständig Entscheidungen fällen kann?
 
Cloud-Panne – ein perfekter Sturm?
Eine grosse Bedeutung hat laut dem Bericht auch Cloud-Computing. Die Services sind immer weiter verbreitet, sowohl bei Privatanwendern als auch unter Unternehmenskunden. In immer grösserem Umfang werden Daten in der Cloud gesammelt und Dienste dorthin verlagert. So steigt auch die Zahl der Risiken und die Möglichkeit, dass sich ein "perfekter Sturm" bildet, schreibt Swiss Re. Etwa durch einen Cyber-Angriff oder einen Ausfall des Stromnetzes.
 
Es drohe etwa ein Geschäftsunterbruch oder Datenverlust. Zudem gebe es Haftungsfragen, wenn beispielsweise private Daten offen gelegt wurden. Die Regulierungen in diesem Bereich seien Komplex und eine Vielzahl von Ungewissheiten wirkten sich auf das Geschäft der globalen Player aus.
 
Das IoT lädt zum Cyber-Angriff ein
Anfang 2018 werde es weltweit 22 Milliarden mit dem Internet verbundene Geräte geben. Die Sicherheit dieser IoT-Geräte wie Sensoren oder Kameras wird bekanntlich gerne vernachlässigt. So wächst beispielsweise die Zahl der DDoS-Angriffe, die IoT-Geräte ausnutzen. Wenn die Entwicklung so weitergehe, würden die (Kosten-)Vorteile von IoT-Investments bald von den Security-Risiken und -Kosten wettgemacht, so der Bericht. Das IoT wurde bereits im Sonar-Bericht von 2015 als "Emerging Risk" bezeichnet. Wobei Fragen rund um Ausfall- und Datensicherheit im Zentrum standen.
 
Das IoT könne auch zur Bedrohung von kritischer Infrastruktur werden, schreibt Sonar. Denn dies waren traditionell isolierte Systeme, entwickeln sich aber immer mehr in Richtung verbundene Systeme. Dies erhöhe nicht nur die Anzahl der angebundenen Geräte, sondern erleichtere auch Angriffe auf die kritische Infrastruktur. Fragen der Widerstandsfähigkeit und des Schutzes von kritischer Infrastruktur sind im Zusammenhang mit dem IoT zentral. (kjo)