Facebook zügelt WhatApp aus der IBM-Cloud weg

Das dürfte den wenigsten der weltweit rund 1,3 Milliarden User des Messaging-Services WhatsApp bewusst sein: Bisher läuft WhatsApp, trotz der Übernahme durch Facebook im Jahr 2014 immer noch auf der SoftLayer-Cloud-Plattform von IBM. Nun aber plane Facebook, den Betrieb von WhatsApp in eigene Rechenzentren zu verlegen, berichtet CNBC aufgrund der Aussagen einer "mit der Sachlage vertrauten" anonymen Quelle.
 
Facebook betreibt riesige eigene Rechenzentren und migriert übernommene Services routinemässig früher oder später auf die eigene Infrastruktur. Auch IBM dürfte es schon lange klar gewesen sein, dass man WhatsApp nicht würde halten können. Ein IBM-Sprecher bestätigte denn auch, ganz entgegen der Gepflogenheiten von "Big Blue", die Informationen von 'CNBC' zumindest indirekt: "WhatsApp war ein toller Kunde für IBMs Cloud…. Wir sind stolz auf die Rolle, die IBMs Cloud beim Erfolg von WhatsApp gespielt hat. Es ist komplett normal, dass Facebook nach Synergien in seinem Business sucht."
 
Die Ingenieure von WhatsApp hatten sich beim Launch des Services 2009 dafür entschieden, ihn auf Cloud-Infrastruktur des später von IBM übernommenen US-Unternehmens SoftLayer zu betreiben, berichtet 'CNBC'. WhatsApp habe sich von Anfang für sogenannte Bare-Metal-Server entschieden. Laut einer Quelle soll WhatsApp mittlerweile etwas über 700 High-end-Server aus der IBM-Cloud benützen, verteilt auf zwei RZs in Washington und San José. Facebook habe IBM dafür in der Vergangenheit bis zu zwei Millionen Dollar pro Monat bezahlt.
 
Diese Preisangabe scheint allerdings vergleichsweise eher tief. Snap beispielsweise, Betreiber des WhatsApp-Teilkonkurrenten Snapchat hat Anfang dieses Jahres bekannt gegeben, dass man in den nächsten fünf Jahren rund zwei Milliarden Dollar an Google und rund eine Milliarde Dollar an AWS für Cloud-Services zahlen werde. Das macht im Schnitt also rund 600 Millionen Dollar pro Jahr.
 
Trotzdem dürfte die Migration von WhatsApp aus der IBM in die Facebook-Cloud ein Riesenprojekt sein. Dies, so analysiert 'CNBC', sei wohl auch der Grund dafür, dass sich Facebook damit Zeit gelassen habe, weil man zuerst andere Grossprojekte habe abschliessen wollen, um sich auf WhatApp konzentrieren zu können. Dazu gehört die Migration von Instagram von der AWS- in die eigene Cloud oder der Aufbau des eigenen Facebook Messenger. (hjm)