VRSG-Abraxas: Das sagen die CEOs

Reto Gutmann, CEO der Abraxas und designierter CEO des fusionierten Unternehmens (rechts), und sein designierter Stellvertreter Peter Baumberger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der VRSG.
Die künftige VRSG-Abraxas will im Schweizer Gov-Markt als einziger Anbieter durchgängige Lösungen anbieten. Die CEOs Reto Gutmann und Peter Baumberger im Gespräch.
 
"Jetzt ist Innovation gefragt", so Abraxas-CEO Reto Gutmann gestern Nachmittag in einer kurzen Telefonkonferenz mit inside-channels.ch. An der Konferenz nahmen auch Peter Baumberger, seines Zeichens Vorsitzender der Geschäftsleitung von VRSG, sowie Abraxas-Kommunikationsmann Markus Kaufmann teil.
 
Die Botschaft von Gutmann und Baumberger ist klar: Die geplante Fusion der beiden IT-Dienstleister in öffentlicher Hand sei nicht aus der Not geboren, sondern folge einer klaren Business-Logik. Der Trend bei den Kunden wie Bund, Kantonen und Gemeinden gehe in Richtung von durchgängig integrierten Lösungen und Prozessen. Zusammen könnten Abraxas und VRSG genau das anbieten.
 
In der Tat ist Abraxas eher auf Lösungen für Kantone spezialisiert, während VRSG eher (aber nicht nur) im Gemeindemarkt unterwegs ist. Zusammen brächten die beiden Player mit über 800 Mitarbeitenden eine "gewaltige Kompetenz" auf den Markt. "Wir werden effizientere und durchgängige Prozesse bauen und unseren Kunden Rundum-Services anbieten können", so Gutmann. "Die Fusion ist die Antwort auf die Digitalisierung", ergänzt Baumberger. Mit Rundum-Service ist beispielsweise gemeint, dass die künftige Abraxas-VRSG Behörden auf jeder Ebene (Gemeinde, Kanton, Bund) den Betrieb von integrierten Personenregistern wird anbieten können.
 
Synergien bei Steuern und den Rechenzentren
Ausserdem wird die Fusion gewisse Synergien ermöglichen. So bauen beide Firmen Steuerlösungen, Abraxas aber eher für Kantone, VRSG für Gemeinden. Vielleicht wichtiger noch sind die möglichen Synergien beim Bau und Betrieb von Rechenzentren und Clouds. Hier wird Abraxas-VRSG nach der Fusion wohl sofort Einsparungen erzielen und die Kapazität erhöhen.
 
"Wir werden die Fachkräfte brauchen."
Stellenabbau sei übrigens "kein Treiber für die Fusion", so Baumberger. "Wir werden die Fachkräfte brauchen", versichert er. Gestern, Donnerstag-Vormittag, wurden die Mitarbeitenden von VRSG und Abraxas über die geplante Fusion informiert.
 
Die wichtigsten Aktionäre der zwei Player, nämlich die Kantone St. Gallen und Zürich für Abraxas und die Stadt St. Gallen für VRSG hätten der Fusion bereits zugestimmt. Bis 30. August sollen nun die vielen Gemeinden, die jeweils kleine Anteile an VRSG halten, über die Fusion entscheiden. Danach werden Abraxas und VRSG in einem ersten Schritt in eine Holding eingebracht. Im April 2018 sollen die beiden Player dann verschmelzen.
 
Kein Zusammenhang mit Problemprojekt
Wie wir dem Geschäftsbericht der VRSG entnommen haben, muss die St. Galler Firma 5,6 Millionen Franken zurückstellen, weil im Zürcher Steuerprojekt ZP RE04 EDBSt Verzögerungen aufgetreten sind. Dass die Rückstellungen zeitlich mit der Ankündigung der Fusion zusammentreffen, ist gemäss Baumberger ein Zufall. Richtig sei aber, dass VRSG wegen den Rückstellungen auf bestimmte Abschreibungen bei aktivierter Software verzichten musste. Er betont, dass die 5,6 Millionen Franken eine Maximalsumme sei.
 
Er widerspricht also unserer Interpretation, dass VRSG mit der Fusion "sich in die Arme von Abraxas flüchte" vehement. (hc)