Ein Jahr smarte Shuttles in Sion

Seit einem Jahr fahren die autonomen Shuttles durch das Zentrum von Sitten. Bild: Postauto
Den Bussen machten während den 4500 zurückgelegten Kilometern falsch geparkte Autos, Schnee und eine offene Heckklappe zu schaffen.
 
Ein Jahr nach der Inbetriebnahme der smarten Shuttles auf öffentlichen Strassen ziehen Postauto und die Partner des Mobility Labs positive Bilanz. Seit dem 23. Juni 2016 haben die beiden Busse über 21'500 Passagiere im Zentrum von Sitten befördert. Das Angebot entpuppte sich als Touristen-Attraktion. Wie Postauto mitteilt, lockten die autonomen Fahrzeuge zahlreiche Touristen aus dem In- und Ausland an. Auch viele Gemeinden und Verbände hätten die Gelegenheit wahrgenommen, die neue Technologie vor Ort zu testen.
 
312 Tage im Einsatz
Die Busse verkehren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde. Damit benötigen sie rund eine Viertelstunde für eine 1,5 Kilometer lange Strecke. Sie verfügen weder über Lenkrad noch Pedale. Zusammen mit den maximal elf Passagieren ist immer ein Sicherheitsbegleiter an Bord, der die Systeme überwacht und im Bedarfsfall eingreifen kann.
 
Die gelben Shuttles waren im ersten Testjahr 312 Tage im Einsatz und legten über 4500 Kilometer zurück. Der Testbetrieb wurde für zwei Wochen unterbrochen, nachdem einer der beiden Shuttles die offene Heckklappe eines geparkten Lieferwagens touchierte. Vor der erneuten Inbetriebnahme haben Postauto und der Fahrzeugkonstruktuer Navya kleine technische und organisatorische Anpassungen umgesetzt. Etwa wurde der Sicherheitsabstand für das Befahren von Kurven erhöht. Damit sollten die Fahrzeuge sensibler auf Hindernisse reagieren können.
 
Schnee ist ein Problem
Während BestMile ein Flottenmanagementsystem zur Überwachung der Fahrzeuge liefert, steuert die Navya-Software im Bus das Fahrzeug, bestimmt die Geschwindigkeit und betätigt die Bremsen.
 
Die beiden Unternehmen sammelten laut Mitteilung während des Testbetriebs Informationen über die Verfügbarkeit der Shuttles und die Funktionsweise der einzelnen Komponenten. Etwa musste die 3D-Karte mehrere Male angepasst werden. Diese dient den Shuttles als Orientierungshilfe: Sie fahren anhand dieser Karte wie auf
21'500 Passagiere haben die Busse in Sitten befördert. Bild: Postauto
virtuellen Schienen.
 
Die Ergebnisse aus dem Test wurden laufend evaluiert und auch dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) zur Verfügung gestellt. Postauto und die Partner des Mobility Labs – der Kanton Wallis, die Stadt Sitten, die ETH Lausanne und die HES-SO Valais-Wallis – leisten Pionierarbeit bei der Entwicklung und dem Betrieb von automatisierten Bussen, schreiben sie in der Mitteilung weiter.
 
Wenn die Begleiter intervenieren mussten, ging es in 80 Prozent der Fälle darum, im manuellen Modus Hindernisse – meist falsch geparkte Autos – zu umfahren. Bei starkem Schneefall übrigens, können die Busse nicht fahren.
 
Von Sion in die Welt hinaus
Im vergangenen Jahr durften die autonomen Shuttles auch im Ausland Passagiere befördern. Anlässlich des Salon EVER kurvten sie durch die Strassen von Monaco. Ausserdem wurden sie an verschiedenen Messen, wie der CeBIT in Hannover, vorgestellt. Dadurch beförderten die Busse neben dem Testbetrieb zusätzliche 20'000 Fahrgäste.
 
Der Testbetrieb ist bis Ende Oktober 2017 angesetzt. Die Partner prüfen aber, ob der Betrieb verlängert werden kann. Ausserdem beabsichtigen sie das Streckennetz in der Stadt Sitten zu vergrössern.
 
Insgesamt besitzt Postauto vier Fahrzeuge des gleichen Typs. Neben den beiden Shuttles ist je ein Fahrzeug in Bern und in Lyon stationiert. Diese beiden werden für Demonstrationszwecke auf Firmengeländen oder an Events eingesetzt. (kjo)