Ein intimer Blick in die Avaloq-Finanzen

Rating-Agentur Moody's erteilt Avaloq gute Noten mit einem "Aber".
 
Der Zürcher Bankensoftware-Hersteller und -Outsourcing-Dienstleister Avaloq ist immer wieder im Fokus der Berichterstattung und erntet in der Schweizer Presse nicht nur gute Noten. Kein Wunder: Avaloq war bis vor kurzem sehr verschwiegen und Firmengründer und -Chef Francisco Fernandez hat sich nicht nur Freunde geschaffen.
 
Doch die Zeiten haben sich geändert. Im Dezember äusserte sich die neue Nummer 2 bei Avaloq, Deputy CEO Jürg Hunziker, im Gespräch mit inside-it.ch konkret zu den Verlusten im Zusammenhang mit einem abgebrochenen Projekt in Deutschland. Die neue Offenheit bei Avaloq hat zweifellos mit dem Einstieg von Warburg Pincus als Investor und dem Ziel eines Börsengangs zu tun.
 
Diesen Frühling liess Avaloq die eigene Kreditwürdigkeit von der Agentur Moody's bewerten. Die Zusammenfassung dieser Bewertung liegt inside-it.ch vor. Moody's ist grundsätzlich positiv. Die Bewertung der Kreditwürdigkeit mit B2 wird als "stabil" bezeichnet. Moody's traut Avaloq zu, den Umsatz in den nächsten zwei Jahren zu steigern, glaubt aber, dass der Software-Hersteller zwei Jahre brauchen wird, um den Profit auf EBITDA-Stufe zu stabilisieren. Dies weil Avaloq per Ende Jahr den grossen Outsourcing-Kunden BSI verlieren wird.
 
B2 steht für "Highly Speculative", scheint aber für eine privat gehaltene Software-Firma, die Wachstum mittels Krediten finanziert, nicht ungewöhnlich. Wichtige Gründe für die Abzüge bei der Bewertung sind die hohe Konzentration auf den Schweizer Markt und eine relativ geringe Diversifikation der Kundschaft (mittelgrosse Banken.)
 
Sollte es Avaloq 2018 und 2019 schaffen, den Gewinn trotz des Kundenverlusts im Tessin zu halten oder zu steigern, würde Moody's die Bewertung verbessern, heisst es in dem 3-seitigen Papier.
 
Vorausetzung dafür wäre, dass es Avaloq gelingt, mehr Kunden für die BPO-Zentren in Deutschland und Singapur zu finden. Die mangelnden Volumen im Bereich "transaction processing" (BPO) ausserhalb der Schweiz hätten dazu geführt, dass Bereich zwar in der Schweiz an Profitabilität gewonnen habe, insgesamt aber noch "unprofitabel" sei, heisst es in dem Papier. Ausserdem müsste der wichtigste Schweizer Software-Hersteller es schaffen, den Umsatz mit BSI im Tessiner BPO-Center zu ersetzen. An diesem Ziel hält Avaloq weiterhin fest.
 
Hohe Gewinne, viel Cash
Ein Blick in das nicht-öffentliche Papier von Moody's zeigt, wie profitabel die Herstellung von Standard-Software sein kann. Der Umsatz im Bereich "Transaction Processing" stieg in den letzten fünf Jahren um 10 Prozent (pro Jahr!), der Software-Umsatz jährlich um 16 Prozent. Da alle Raiffeisen-Banken ab nächstem Jahr auf dem Kernbanken-System von Avaloq laufen sollen, wird der Software-Umsatz weiterhin steigen. Der Gewinn (auf EBITDA-Stufe) stieg jährlich um neun Prozent und der Gewinn aus dem Verkauf von Lizenzen und Wartung sogar "double digit". Die Marge habe 50 Prozent überstiegen, schreibt die Rating-Agentur.
 
Auch die Liquidität von Avaloq sei gut. Der Hersteller sitze auf einem Polster von 100 Millionen Franken. Dazu kommt ein nicht bezogener Kredit von 60 Millionen. Moody's rechnet mit einem freien Cash Flow von mindestens 30 Millionen Franken pro Jahr. (Christoph Hugenschmidt)