Superkompliziert: Die Schweizer Superbank

Das Projekt einer gemeinsamen "Superbank" ist abgeblasen. Woran scheitert's? An der Technologie jedenfalls nicht, sagen Experten zu Inside-it.ch.
 
Ganz so super ist die "Superbank"-Idee nach wie vor nicht, dies zeigt die neueste Absage von SIX an diese nicht ganz neue Idee von UBS-Chef Sergio Ermotti.
 
Dieser wollte bei SIX einen zentralen Dienstleister für die Verwaltungs- und Abwicklungsarbeiten von grossen wie kleinen Schweizer Banken ansiedeln. Diese "Superbank" ist dazu gedacht, Zahlungsverkehr, Kredit-, Wertschriften- und Dokumentenverarbeitung zentral abzuwickeln und so allen Banken ordentlich Einsparungen zu bringen.
 
Doch SIX hat zu Ermottis nun öffentlich geäussertem, grossen Ärger ihm diesem Wunsch abgeschlagen, offiziell ist das Projekt abgeblasen. Nach Ansicht von SIX ist die Idee zumindest gegenwärtig "unrealisierbar". Dies weil aus Sicht von SIX bei den Banken zu heterogene Ansprüche und Strategien vorherrschen und die unterschiedliche IT-Landschaft sei ein drittes zentrales Kriterium, bestätigt ein SIX-Sprecher auf Anfrage von inside-it.ch.
 
Die Idee sei in allen relevanten Bereichen von SIX diskutiert worden. Welche Entscheidungsgrundlagen Ermottis UBS, einer der grossen Besitzer von SIX, zur Verfügung stellte, ist unklar.
 
Klar ist, dass ein weiterer Versuch, die Superbank zum Fliegen zu bringen, gescheitert ist.
 
Gibt es relevante Skaleneffekte?
Was ist dran an "unrealisierbar"? Ein erfahrener Banken-IT-Experte auf C-Level, der nicht genannt sein will, zweifelt an den Sparmöglichkeiten. Bei den Grossbanken tendieren die Grenzkosten im Zahlungsverkehr gegen Null, glaubt er. "Ich sehe keine relevanten Skaleneffekte durch das Outsourcing." Seine Rechnung: Um Overhead und Mehrwertsteuer mit dem Outsourcing an eine Superbank zu finanzieren, müssten 20 Prozent Kosten im Zahlungsverkehr eingespart werden können. "Dies ist bei Grossbanken nicht möglich, sicher lohnt sich das nur für Kleinbanken."
 
Ein anderer, von inside-it.ch kontaktierter C-Level-Experte stimmt nur teilweise zu. "Bei vielen Themen gibt es Redundanzen, hier liegen 20 Prozent drin, wenn man sie konsequent eliminiert."
 
Der 'Tages-Anzeiger' schreibt mit Berufung auf nicht genannte Quellen, die Idee sei nicht tot. "Offenbar laufen weiterhin Projekte, die dereinst wie eine Transaktionsbank funktionieren könnten. In der Branche sind viele skeptisch, ob dies Anklang findet. Viele kleinere Banken dürften sich davor scheuen, Teile ihrer Informatik an einen Konkurrenten auszulagern und diesem ausgeliefert zu sein."
 
Ospel hat etwas Ähnliches geschafft
Einer der beiden befragten Experten glaubt daran, dass eine Superbank möglich sei. Er verweist auf die Zusammenlegung der Grossbankensysteme von UBS und Bankverein. Dort habe der damalige Chef Marcel Ospel den Auftrag gegeben, dies innert zwei Jahren umzusetzen, "koste es, was es wolle". Je rascher man für ein solches Projekt arbeite, desto besser seien die Erfolgschancen und desto rascher könne man auch Einsparungen verzeichnen. In zwei Jahren war es denn bei UBS-BV auch so weit.
 
Einig sind sich beide Befragten in einem: "Die Technologie ist das kleinste Problem." Primär geht es um den Clash von Alphatieren und die richtige Governance eines Superbank-Projekts: Diese sei sehr anspruchsvoll. Man müsse den Mut aufbringen und den Split zwischen differenzierenden und nicht-differenzierenden Services der beteiligten Banken schaffen. Zudem benötige es viel Geld und Zeit für die Superbank, so seine Einschätzung.
 
Und genau dies sei schlecht mit den Prioritäten eines Bank-CEOs in Einklang zu bringen, wenn man dessen durchschnittliche Lebensdauer berücksichtige. "Die Kritik von Ermotti an SIX ist in dem Sinne unfair", so der erfahrene Experte.
 
SIX hingegen setzt auf einen Weg, der schneller und einfacher zum avisierten Ziel führe: konkrete IT-Services, mit denen sich Banken nicht differenzieren können. Als Beispiel nennt der SIX-Sprecher das Projekt einheitlicher Bancomaten-Software oder ein geplantes Security Operations Center mit IBM. (Marcel Gamma)