EFK über DaziT: "Ein radikaler, aber richtiger Weg"

393 Millionen Franken sind für das IT-Programm namens DaziT der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) vom Nationalrat schon bewilligt. Diese wurden beim etwas holprigen Projektstart in acht Verpflichtungskredite aufgesplittet. Das Budget kann also je nach Programmfortschritten abgerufen werden, oder auch nicht.
 
Bevor viel Geld ausgegeben wurde, schaltet sich bereits die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) ein. Sie hat die "Botschaft zur Finanzierung der Modernisierung und Digitalisierung" im Entwurfsstadium analysiert. Ziel der Prüfung: Herausfinden, ob die EZV ihre ambitionierten Ziele auch erreichen kann.
 
Nun wurde der EFK-Prüfbericht publiziert. Dieser hält zusammenfassend fest, die EZV habe "einen radikalen Weg" für das Programm gewählt.
 
Dieses soll durch Informatik die Regulierungskosten merklich senken, 125 Millionen Franken im Warenverkehr einsparen. 300 Vollzeitstellen sollen ins Zoll-"Kerngeschäft" umgelagert werden können.
 
Dabei ist das Programm nicht nur teuer, sondern auch komplex, betrifft es doch über 400 unterschiedliche Applikationen, davon 80 Fachanwendungen mit laut EFK "zahlreichen Abhängigkeiten und Schnittstellen."
 
Aber es gibt auch einen Aspekt im Vorgehen zu berücksichtigen, der den bestehenden Druck von den Projektverantwortlichen lindern kann: Wirtschaft und Bürger sollen rasch erste Verbesserungen im Alltag erleben. Die Wirtschaft soll statt papiererne schon 2018 digitale Warenbegleitdokumente erhalten, Normalsterbliche eine App zur Verzollung und Abrechnung der Schweizer Mehrwertsteuer bei der Einfuhr.
 
Nicht zuletzt stellte sich die grundsätzliche Frage: Soll DaziT "nur" ein IT-Programm sein, oder eine umfassende Transformierung der EZV?
 
Anregungen zur Governance und Wiederververwendbarkeit
Zur Analyse, ob die entworfene Lösung die digitale Transformation unterstützt, benutzte die EFK ein Modell der Boston Consulting Group, das die Transformation des gesamten Business ins Zentrum rückt und nicht bloss IT-Systeme aktualisiert und harmonisiert. KPIs, Flexibilität, Wiederverwendbarkeit und starke Führerschaft spielen dabei eine zentrale Rolle, ebenso eine realistische Chancen- und Risikoabschätzung.
 
16 Punkte fielen der EFK als verbesserungswürdig auf, speziell in Governance-Aspekten. Darunter findet sich der starke Wunsch nach einer starken Projektleitung mit Erfahrung und nicht übermässig grossem Bedürfnis nach Harmonie, sondern Durchsetzungsvermögen und Beharrlichkeit.
 
Auch das Risikomanagement, den Einbezug externer Erfahrungen oder auch das Lifecycle-Management sind für die EFK ein Thema. Zudem eine aussagekräftige Leistungswertmessung, welche von der EFK immer wieder angemahnt wird. Mit dem Split in Kredittranchen ist es natürlich zentral, dass die Resultate einen messbaren Nutzen haben. Nicht zuletzt soll zukunftsfähige, aktuelle Technologie zum Einsatz kommen können.
 
Eine EFK-Anregung bleibt Papier
15 der 16 Punkte hat die EZV mindestens teilweise umgesetzt und eine neue Programmleitung eingesetzt. Einige davon müssen noch im Programm, beziehungsweise in zugehörigen Projekten verankert werden.
 
Nur ein Vorschlag bleibt ungehört: Die EFK hatte vorgeschlagen, den Ressourceneinsatz zugunsten kürzerer Projektlaufzeiten zu erhöhen.
 
Grundsätzlich ist das Fazit der EFK also positiv, die Anregungen sind angekommen und der "radikale Weg" einer gesamtheitlichen Transformation ist aus EFK-Sicht richtig. (Marcel Gamma)