Umfrage: Fintech-Services finden grössere Verbreitung

Quelle: Fintech Adoption Index 2017 Switzerland
Die Schweizer sind nicht so begeistert von Payment-Apps wie die Mexikaner. Aber immerhin, so EY.
 
"Die Ergebnisse zeigen ein stark gewachsenes Interesse der Nutzer an neuen und innovativen Finanzprodukten", dieses Fazit zieht Bernhard Schneider, Fintech-Experte bei EY Schweiz aus der neuen, hauseigenen Studie.
 
Wer nutzt welche Fintech-Produkte, warum und wie, hat EY in 20 Ländern, darunter in der Schweiz erfragt und nennt das Ergebnis "FinTech Adoption Index 2017". Da ja inzwischen alles als Fintech gelten will, wo auch nur im entferntesten Geld involviert ist, hilft es zu wissen, dass EY damit digitale Services für Geldtransfer, Zahlungen, Finanzplanung, Sparen und Investieren, Kreditaufnahme und Versicherungen meint.
 
Blenden wir also Kernbanken-Software und Bitcoin in diesem Text mal aus.
 
33 Prozent der Nutzer, so die erste Aussage, nutzen einen oder mehrere Services. Das reicht noch nicht, um eine Volksabstimmung zu gewinnen, aber sei als "initiale Nutzung durch die breite Masse" zu bewerten. Am wichtigsten im Massenmarkt seien Geldtransfer- und Zahlungslösungen, noch weniger verbreitet sind Kredite. Auch Versicherungslösungen gewinnen im Index an Boden.
 
Wer sich nun fragt, wer die ominösen Fintech-Nutzer sind, darf genau ein Mal raten (ja, 25- bis 34-jährige Digital Natives, die in dieser Phase erstmals Geld zu überweisen oder zu borgen haben). Bei der Generation 50plus, welche generell eigentlich mehr Geld hat, sinken dann die Zahlen merklich.
 
EY glaubt, dass trotz der Überalterung der Bevölkerung die Fintech-Nutzung auf 52 Prozent steigen könnte. Twint, Knip und Co zum Trotz sind es aber nicht die eigentlich als technikaffin geltenden Schweizer, welche das Wachstum global treiben, sondern Südafrikaner, Mexikaner und Singapurer. In der Schweiz machen es laut den Autoren die alteingesessenen Finanzplayer so gut, dass sie das Wachstum bei Produkten der Startups bremsen können.
 
Aktuell ist laut der Studie die Nutzung von Fintech-Services in der Schweiz auch erst bei 30 Prozent, während die Deutschen bei 35 Prozent liegen und die Chinesen bei sagenhaften 69 Prozent.
 
Schweizer mögen 24/7-Verfügbarkeit
Und weshalb nutzt ihr die Fintech-Services eigentlich, wollte EY von den Konsumenten wissen. Am stärksten zog in der Schweiz das Argument "weil diese rund um die Uhr verfügbar sind". Da verstehe mal einer die hiesigen Hipster und andere Digital Natives, welche Sonntagnacht um drei noch Geld überweisen möchten oder sich um eine neue Versicherung kümmern. In anderen Ländern ist es denn auch wichtiger, dass die Anwendung einfach zu nutzen ist und spezifische Angebote enthält.
 
Die Schweizer sind generell etwas träger als andere Länder; speziell Fintech-Services wie Sparen, Crowdfunding oder Apps zum Aktienkauf kommen bis anhin nicht zum Fliegen. Und dem BFF ("Best Friend Forever") via App Geld pumpen wollen nur zwei Prozent in der Schweiz. Das Peer-2-Peer-Lending ist im Rest der Welt bei zehn Prozent verbreitet.
 
22'000 Konsumenten aus 20 Ländern habe man befragt, so EY. Diese seien demographisch repräsentativ gewählt worden und hätten zwei oder mehr Fintech-Services in den letzten sechs Monaten genutzt.
 
Bei all dem Fintech-Hype haben die Berater von EY noch einen Tipp bereit: "Zugleich zeigt unsere Erfahrung, dass der persönliche Kontakt zwischen Kunde und Bank oder Versicherung auch weiterhin als ein wesentliches Element der Vertrauensbildung verankert bleiben muss." (mag)