Neue VRSG-Abraxas: Zustimmung und Kritik

Während der erste Kleinaktionär Zustimmung zur VRSG- und Abraxas-Fusion meldet, kommt jetzt Kritik aus der Politik.
 
Der Gemeinderat von Goldach hat bereits letzten Freitag mitgeteilt, den Zusammenschluss von VRSG und Abraxas zu unterstützen und seine VRSG-Aktien in das neue Unternehmen einzubringen.

Bekanntlich haben die wichtigsten Aktionäre der zwei Player, die Kantone St. Gallen und Zürich für Abraxas und die Stadt St. Gallen für VRSG, der Fusion ebenfalls schon zugestimmt. Bis zum 30. August sollen nun auch die anderen knapp 130 Gemeinden, die jeweils kleine Anteile an VRSG halten, über die Fusion entscheiden. Danach werden Abraxas und VRSG in einem ersten Schritt in eine Holding eingebracht. Im April 2018 sollen die beiden Player dann verschmelzen.
 
In Goldach hält man fest, dass bereits heute VRSG als wichtigster IT-Partner die gesamte Hardware liefere und einen Grossteil der Fachapplikationen betreibe. Mit Abraxas unterhalte man beispielsweise Geschäftsbeziehungen im Bereich des E-Mail-Servers oder der Telefonie, heisst es weiter.
 
Da die fusionierten Unternehmen die Bedürfnisse der Gemeinden aus einer Hand abdecken könnten, eröffne "sich ein grosses Synergiepotenzial", was "auch auf Preisvorteile hoffen" lässt, meint man in Goldach. Doch diese Einschätzung ist nicht unbestritten.
 
Branche und Politik kritisieren die Fusion
Denn der Gemeinderat von Goldach vertritt eine Position, der Fusionsskeptiker wie Abacus-CEO Claudio Hintermann deutlich widersprechen. In einem Interview in der 'Netzwoche' gab er kürzlich zu Protokoll, es wird "in Zukunft für die Kunden noch teurer. Die neue Strategie, dass man alles bei "einem" kaufen soll, wird dieser (also die fusionierte VRSG und Abraxas, Anm. inside-it.ch) Firma erlauben, die Preise zu Ungunsten der Aktionäre – also der Gemeinden – noch weiter zu erhöhen".
 
Aber nicht nur Branchen-Kenner Hintermann ist skeptisch, was die Fusion angeht. Politisch haben soeben die Grünliberalen im Zürcher Kantonsrat ihr Entsetzen über das Vorgehen der Regierung geäussert. Sie sprechen von "dieser unnötigen Fusion" und fragen, was der Kanton mit einer eigenen IT-Grossunternehmung will, ob der IT-Markt in den Augen der Regierung zu wenig konkurrenzfähig ist und nicht funktioniere und wollen zudem wissen, ob zentrale IT-Dienstleistungen nicht auf dem Markt nicht bezogen werden können.
 
Inzwischen ist dem Regierungsrat eine dringliche überparteiliche Anfrage von SP-, SVP- und GLP-Vertretern zugestellt worden, die der Fraktionserklärung der GLP vom 10. Juli angehängt ist. Sie umfasst zehn Fragen. Darin wird ebenfalls gefragt, wieso der Kanton Zürich Kernaktionär einer IT-Grossunternehmung sein soll. Zudem wird das Marktumfeld und die Strategie hinterfragt, zumal vor noch nicht langer Zeit Abraxas verkauft werden sollte. Man will wissen, was passiert, wenn Abraxas aufgrund der neuen ICT-Strategie des Kantons Leistungen entzogen werden. Weiter geht es um die Konsequenzen aus dem Schlussbericht der BDO zur Überprüfung der kantonalen IT und deren Auswirkungen auf die Fusion. Dann wird nach möglichen Risiken der Fusion, Fusionskosten und absehbare Folgekosten für den Kanton gefragt. Zudem geht es um die als überraschend bezeichnete Information über den Zusammenschluss und etwa auch um die Frage, ob schon ein konkreter Businessplan für die fusionierte Firma besteht.
 
"Fusion aus liberaler Sicht falsch"
Laut den Grünliberalen ergibt der Fusionsbeschluss des Regierungsrates jedenfalls "aus drei Gründen überhaupt keinen Sinn". Denn "aus liberaler Sicht kann niemand ein Interesse an einem kantonseigenen IT-Grossunternehmen haben und aus Sicht Risikomanagement übernimmt hier der Kanton Zürich ohne Not mannigfaltige Risiken, um der VRSG das Überleben zu sichern".
 
Als dritter Punkt wird darauf verwiesen, dass Zürich daran sei, eine neue kantonale IT-Strategie zu erarbeiten, diese aber noch nicht niedergeschrieben ist. Zu "diesem Zeitpunkt sich an einem IT-Grossunternehmen zu beteiligen, ist absurd gewählt und strategielos". Als 50-prozentiger Eigentümer der Abraxas hätte sich der Kanton mindestens sechs bis zwölf Monate Zeit ausbedingen sollen: "Das nennt man strategisch denken, lieber Regierungsrat", so die Grünliberalen.
 
Schliesslich resümiert die Partei, wäre es "nun der richtige Zeitpunkt gewesen, die Abraxas ganz in die Freiheit zu entlassen", anstatt "das Risiko zu potenzieren". (vri)