Wie man mit DNA einen Computer infizieren kann

Schon seit zum ersten Mal der Name "Virus" für ein schädliches Computerprogramm verwendet wurde, existiert bei manchen Leuten eine dumpfe Befürchtung, dass eines Tages Computerviren Menschen infizieren könnten, oder biologische Viren Computer. Dass ein Virus die Grenze zwischen der biologischen und der digitalen Welt direkt überspringen könnte, ist bei den heute verwendeten silizium-basierten IT-Technologien allerdings reine Science Fiction.
 
Ein Team der Universität Washington hat nun jedoch zeigen können, dass man synthetische DNA als Speichermedium für einen normalen, digitalen Virus verwenden kann, wie das 'Wall Street Journal' berichtet. Und dass man diese präparierte DNA auch als Angriffsvektor verwenden kann, ähnlich wie ein E-Mail oder einen USB-Stick. Dies gelingt bei Computern, die den Output von Gensequenziergeräten analysieren. Das heisst, die Angriffsziele für diese noch sehr theoretische Angriffsmethode wären eigentlich nur Genlabors. Angreifer müssten sich zudem einige biotechnologische Kenntnisse zulegen, um die Methode zu benützen. Andererseits könnten Genlabors durchaus lockende, und auf einen derartigen Hackerangriff noch völlig unvorbereitete Ziele sein.
 
DNA als Speichermedium
Das Erbmolekül DNA besteht unter anderem aus einer Kette von vier immer gleichen Teilmolekülen in unterschiedlicher Reihenfolge, den Aminosäuren Adenin (A), Cytosin (C), Guanine (G) und Thymin (T). Seit man solche DNA-Ketten zuverlässig mit einer ganz bestimmten Reihenfolge von A, C,G und T synthetisieren und danach wieder "lesen" kann, ist es auch klar, dass man DNA theoretisch als Speichermedium für digitale Daten verwenden kann. Die Nullen und Einsen werden dabei in eine bestimmte Reihenfolge von A, C, G und T übersetzt.
 
So konnte das Forscherteam seinen Virus in die DNA schreiben. Ein Sequenziergerät las dann die Reihenfolge der Aminosäuren und lieferte diese an eine Software zur Analyse der Gensequenz. Der anscheinend im Output des Sequenziergeräts enthaltene Virus konnte dann eine Schwachstelle der Software ausnützen, so dass die Forscher die Kontrolle über den Computer übernehmen konnten. Wie genau die DNA-Sequenz in einen Output verwandelt wird, der von einer Analysesoftware als ausführbarer Code interpretiert wird, wird im 'WSJ'-Artikel aber nicht erwähnt. Das Forscherteam will diese Woche an einem Security-Symposium in Vancouver weitere Details bekannt geben. (hjm)