Kryptowährungen, ICOs und Smart Contracts

Virtuelle Währungen eröffnen neue – wenn auch risikoreiche – Wege für Anleger und Geldgeber.
 
Die Kurse gegen den US-Dollar für Bitcoin, Ether, LiteCoin und andere virtuelle Währungen steigen mit atemberaubender Geschwindigkeit. Das erhöht das Interesse an virtuellen Währungen als Geldanlage. Schliesslich lockt die Aussicht auf Spekulationsgewinne. Für die grosse Mehrheit der Anleger sind virtuelle Währungen aber zu kompliziert. Zudem ist auch bei virtuellen Währungen Diversifikation gefragt, was das Ganze noch komplizierter macht.
 
Das eröffnet Geschäftsmöglichkeiten für sogenannte Crypto Funds. Solche Anlagevehikel kaufen einen Mix von virtuellen Währungen und bieten institutionellen Investoren Anteilscheine an. So sind Anlagen in virtuelle Währungen auf dem traditionellen Finanzmarkt handelbar und lassen sich einem Anlageportfolio beimischen. Reine Kryptogeld-ETFs gibt es noch keine, nur ETFs mit beigemischter indirekter Kryptowährungskomponente.
 
Daneben gibt es Finanzinstrumente, wie strukturierte Produkte und Optionen, die eine Spekulation mit Kryptowährungen ermöglichen und keinen direkten Erwerb voraussetzen. "Privatkunden sollen vor einem finanziellen Engagement auf die Risiken hingewiesen werden", warnt Adriano B. Lucatelli, Dozent an der Universität Zürich und Gründer des digitalen Vermögensverwalters Descartes Finance. "Bitcoins und andere Kryptowährungen sind sehr volatil und bergen das Risiko eines sehr hohen Verlusts. Es sollen nur Kunden investieren, die das Produkt und die Mechanik kennen und einen Verlust tragen können."
 
Virtuelle Währungen sind – wie der Name schon sagt – rein virtuell. Dies im Gegensatz zu Realwährungen, die es sowohl in analoger wie auch in digitaler Form gibt. Der Kauf und Verkauf von Beträgen in virtuellen Währungen erfolgt entweder gegen anderes virtuelles oder gegen reales Geld. Virtuelle Währungen sind über spezielle Wechselstuben handelbar. Sowohl virtuelle als auch reale Währungen können als Kryptowährung ausgestaltet werden, dem steht technisch nichts im Weg und ist auch nicht von der Nutzung einer Blockchain-Technologie abhängig.
 
Initial Coin Offerings
Für die Produkt- und Firmenentwicklung braucht es Geld. Es gibt unterschiedliche Wege, dieses Geld zu beschaffen. Nun eröffnen virtuelle Währungen, Blockchain-Technologien und Smart Contracts neue Möglichkeiten: Alles kann mit den Geldgebern direkt online abgewickelt werden.
 
Das Zielpublikum ist meist nicht auf die traditionellen institutionellen Finanzgeber beschränkt. Die Allgemeinheit – bestehend aus privaten, geschäftlichen und institutionellen Investoren – ist ein grösseres Zielpublikum und die Aussichten auf eine erfolgreiche Finanzierung sind entsprechend höher. Manche Anbieter preisen ihr Initial Coin Offering (ICO) wegen des Zielpublikums als Crowdsale Token Launch an.
 
Bei einem ICO werden in einem formellen Verfahren Tokens verkauft. Tokens sind Coins, die als Proxy für eine Beteiligung oder ein anderes Recht wie Nutzung einer Dienstleistung oder Anspruch auf die Lieferung eines Produkts stehen. Der Vorgang spielt sich auf einer Blockchain ab und wird durch einen Smart Contract gesteuert. Bezahlt wird mit einer Kryptowährung, meist Ether, Bitcoin Cash und LiteCoin. Finanzierungen über einen ICO können einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen.
 
ICOs befinden sich allerdings nicht in einem rechtsfreien Raum. Ist ein Token ein Proxy für ein Wertpapier, so greifen in jedem Land die jeweiligen Regelungen für das öffentliche Angebot von Wertpapieren. Entscheidend ist, für was der Token steht. Die restlichen Bedingungen regeln das öffentliche Angebot, der Smart Contract, das Recht des Landes des Veranstalters des ICOs, das Recht des Landes des Anbieters der Token und das Recht des Landes der potentiellen Käufer der Token.
 
ICOs werden auch Auswirkungen auf das Geschäftsmodel der Risikokapitalisten haben. Spiros Margaris, ein renommierter FinTech-Spezialist und Venture Capitalist, sieht bereits die Vorteile, die sich ergeben können: "Mit der steigenden Popularität der digitalen Währungen werden ICOs und ähnliche Konstrukte an Bedeutung gewinnen. Das klassische Modell wird weiter bestehen bleiben, doch werden sich VCs zusätzlich auch ICOs zu Nutzen machen, um Investitionen zu tätigen. Wir sind noch ganz am Anfang der Krypto-Revolution."
 
Security ist auch bei Kryptowährungen und Smart Conctracts massgeblich
Bei allem, was mit IT zu tun hat, spielt Sicherheit eine massgebliche Rolle. Das gilt auch für Kryptowährungen und Smart Conctracts. Angriffspunkte finden sich in der gesamten Aufbewahrungs- und Transaktionskette. Bei den Smart Contracts kommen noch die Orakel und fehlerhafter Vertragscode hinzu. Bei den Orakeln handelt es sich um die Schnittstellen für Daten, die sich nicht auf derselben Blockchain wie der Smart Contract befinden. Im Gegensatz zu öffentlich zugänglichen Angeboten ist die Angriffsfläche bei privaten Blockchains minimiert. Jede Schnittstelle nach aussen und jede Verknüpfung mit Umsystemen erhöht aber auch da die Angriffsfläche.
 
Für Einzelbereiche gibt es Speziallösungen. Cold Storage ermöglicht die Offline-Aufbewahrung von Wallets. Für Smart Contracts gibt es Tools zur formalen Verifizierung des Codes. Diese Tools funktionieren aber jeweils nur mit einer Plattform, vorwiegend mit Ethereum, und sind regelmässig auf eine Vertragsentwicklungsumgebung beschränkt.
 
Bunt gemischtes Publikum an der Konferenz Crypto '17
"Blockchaintechnologie, Smart Contracts und Cryptowährungen bieten neue Möglichkeiten im Bereich der Digitalisierung, der Effizienzsteigerung und der Kostensenkung", so Rino Borini, Studiengangleiter CAS Digital Finance der ZHAW und Mitorganisator der Crypto-Konferenz.
 
Die Entwicklung und Produktisierung der technischen Infrastruktur schreitet schnell voran. "An der Finance 2.0/Crypto-'17-Konferenz gehen wir auf die Möglichkeiten und das Disruptionspotenzial dieser Technologien ein und zeigen spezifische Lösungsansätze für Teilbereiche auf. Wie in den beiden Vorjahren erwarten wir eine bunt gemischte Teilnehmerschaft bestehend aus Finanzspezialisten, IT-Spezialisten, Juristen und Manager", sagt Borini. (Christoph Jaggi)
 
(Interessenbindung: inside-it.ch ist Medienpartner der Finance 2.0-Konferenz, zu welcher der Crypto-'17-Event gehört.)