Roboter- und AI-Startups wollen tödliche Roboter verbieten

Elon Musk und viele andere - darunter auch Schweizer - möchten die Büchse der Pandora zuschweissen, bevor sie geöffnet werden kann.
 
116 Roboterexperten aus 26 Ländern haben einen Offenen Brief an die UNO geschrieben und fordern darin, zumindest implizit, ein Verbot von mit tödlichen Waffensystemen ausgerüsteten, autonomen Robotern. Der Anlass für den Brief ist die International Joint Conference on Artificial Intelligence (IJCAI), die heute in Melbourne startet.
 
Die prominentesten Unterzeichner sind Elon Musk, der CEO von Tesla und SpaceX, sowie Mustafa Suleymann, der Chef von Googles KI-Bereich. Daneben findet man hautsächlich die Chefs und Cheftechniker von kleineren Unternehmen und Startups, die im Bereich Robotik und künstliche Intelligenz arbeiten. Schweizer Unternehmen sind vertreten durch Timothy Llewellyn von nViso, Francesco Montada von K-Team sowie Jürgen Schmidhuber, Faustino Gomez, Jan Koutník, Jonathan Masci und Bas Steunebrink von Nnaisense. Organisiert wurde das Ganze durch Professor Toby Walsh von der University of South Wales.
 
Bei der Uno schickt sich gerade eine neu geschaffene Expertengruppe an zu diskutieren, ob und wie man tödliche autonome Waffensysteme, oft also Killerroboter genannt, in die "Konvention über gewisse konventionelle Waffen" aufnehmen sollte. Darin sind Verbote und Restriktionen für die Entwicklung von nicht-nuklearen Waffen, zum Beispiel Chemiewaffen, Minen oder Lasern festgehalten. Die erste Sitzung dieser Expertengruppe, die heute hätte stattfinden sollen, wurde allerdings gerade abgesagt und auf November verschoben, anscheinend, weil einige Staaten ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber der UNO noch nicht nachgekommen sind.
 
Die Militärs in vielen Ländern der Welt arbeiten gegenwärtig mit Hochdruck an Robotern für den Einsatz in Kampfgebieten - manche davon auch für den offensiven Einsatz. Dieses Wettrüsten, heisst es im offenen Brief, sollte möglichst schnell unterbunden werden. Autonome Waffen hätten das Potential eine "dritte Revolution der Kriegsführung" auszulösen (nach Schiesspulver und Atomwaffen, Anm. der Redaktion). Konflikte könnten dadurch in Grössenordnungen eskalieren und in Geschwindigkeiten ablaufen, die Menschen nicht mehr verstehen. Und es bleibe nicht mehr viel Zeit, zu handeln. Wenn die Büchse der Pandora einmal offen sei, werde es viel schwieriger, sie wieder zu schliessen. Man bitte die Teilnehmer an den Gesprächen daher, einen Weg zu finden, um uns alle vor diesen Gefahren zu schützen.
 
In der begleitenden Pressemitteilung reden die Urheber dann doch konkrete davon, dass sie ein Verbot des Einsatzes solcher Waffen fordern.
 
Konkrete Pläne vorhanden
Die Abwesenheit von Vertretern von weiteren Grossunternehmen neben Google und Tesla unter den Unterzeichnern des offenen Briefes ist wohl kein Zufall. Denn "Lethal Autonomous Weapons", wie sie auf englisch heissen, werden gegenwärtig vor allem von Grossunternehmen und klassischen Rüstungsbetreiben entwickelt, zumindest, soweit solche Pläne bekannt sind.
Samsung beispielsweise stellt nicht nur explosive Handys her, sondern beispeilsweise auch die roboterisierte Maschinenkanone SGR-A1. Sie soll, zumindest laut glaubwürdigen Berichten, in der Lage sein, auch autonom Ziele zu erfassen und zu beschiessen. Einige Exemplare wurden an der Grenze zu Nordkorea bereits installiert.
 
Für Grossbritannien entwickelt BAE Systems eine Drone, die mit Luft-Luft- und Luft-Boden-Waffen ausgerüstet sein und voll autonom agieren können soll. Obwohl die bereits 2013 einen ersten Testflug absolviert hat, soll sie allerdings erst 2030 einsatzbereit sein. Ähnliche Zeitpläne gelten für ein autonomes Kriegsschiff sowie ein autonomes U-Boot, das Boeing für die USA entwickelt. (Hans Jörg Maron)