Infosys: Putsch der alten Männer

Dramatische Machtkämpfe beim indischen IT-Dienstleister Infosys nach dem Abgang von Vishal Sikka. Vier Verwaltungsräte verlassen die Firma, die Gründer sind zurück an der Macht.
 
Beim indischen IT-Dienstleister Infosys, der auch in der Schweiz viele Grossfirmen mit Software und Services versorgt, spielen sich dramatische Szenen ab. Vier Verwaltungsräte, darunter der vor einer Woche mit bitteren Worten zurückgetretene CEO Vishal Sikka, sind aus dem VR zurückgetreten. Neuer Präsident des Aufsichtsgremiums ist der 62-jährige Nandan Nilekani. Er war bis 2007 CEO von Infosys und verliess das Unternehmen 2009. In einer "hastig einberufenen" ('Bloomberg') Telefonkonferenz sagte er, er wolle die Firma wieder auf den richtigen Pfad bringen. Er bleibe so lange wie nötig und arbeite so viel wie nötig. Seine Berufung wird als Sieg der Gründergeneration rund um den 71-jährigen N.R. Narayana Murthy angesehen.
 
Seine Aufgaben sind vielfältig: Er muss nach dem Abgang von Sikka einen neuen CEO finden, den Verwaltungsrat neu zusammensetzen, die Aktionäre beruhigen und sicherstellen, dass nicht zu viele Fachleute und Top-Manager gehen. Diesen Aspekt betont etwa der Bloomberg-Kolumnist Andy Mukherjee. Er weist daraufhin, dass Infosys eine wesentlich höhere Fluktuationsrate als etwa Konkurrent TCS (Tata Consultancy Services) hat. Der Aktienkurs von Infosys ist in den Tagen nach Sikkas Abgang markant gesunken.
 
Sikka ging, nachdem er während Monaten von Firmengründer Murthy kritisiert worden war. Murthy selbst war es aber gewesen, der den Techstar Sikka einst von SAP geholt hatte. Murthy hatte unter anderem eine Übernahme von 2015 kritisiert. Die übernommene israelische Firma war angeblich böswillig zu hoch bewertet worden. Auch passte dem Gründer, der in einem anderen Blog-Eintrag als "old-world labor arbitrageur" bezeichnet wird, Sikkas Lebensstil zwischen Silicon Valley und Bangalore nicht. Und die Gründer, die nun wieder die Macht übernommen haben, hinterfragten öffentlich Sikkas (hohes) Gehalt.
 
Umgekehrt machte diese Woche der (unterdessen ehemalige) Verwaltungsrat von Infosys Murthy für den Abgang Sikkas und deren Folgen ebenfalls öffentlich verantwortlich.
 
Nicht nur beim "IT-Elefanten" Infosys knirscht es im Gebälk. Im Oktober 2016 hiefte sich Firmenpatriarch Ratan Tata zurück an die Spitze des gigantischen Konzerns Tata Sons. Sein Nachfolger, Cyrus Mistry, wurde unter viel Getöse entfernt. (hc)