Avaloq, Finnova, Swisscom, Inventx, Incore …: Wer gewinnt? Wer nicht?

Wenig rapportierte Wechselgelüste bei der Kernbanken-Lösung.
Das neue "Handout Swiss Banking 2017" zeigt, wie sich die Märkte Core-Banking-Lösungen, BPO und IT-Outsourcing doch ein bisschen ändern.
 
Ein bisschen was tut sich, wenn auch nichts Weltbewegendes im Markt für Banken-Kernlösungen in der Schweiz, das zeigt das "Handout Swiss Banking 2017". Doch er ist plusminus stabil, ob man sich die Anteile nach Anzahl Banken anschaut, nach Grösse oder nach Nationalität der Banken.

Finnova gewinnt ein bisschen bei den mittleren und kleineren Kunden aus der Schweiz, Avaloq verliert ein halbes Prozent bei den kleineren (weniger als 500 Mitarbeitende), aber bleibt unangefochten Nummer zwei, beziehungsweise bei den grösseren Nummer eins.
 
Dahinter folgen SunGard, Olympic, Temenos und die Eigenentwicklungen. Auch die Hypi Lenzburg hält sich mit Finstar stabil im Markt.
 
Negativ verändert hat sich die Anzahl neuer Abschlüsse bei Bankenlösungen: Waren 2015 und 2016 noch mehrere Wechsel zu verzeichnen, so hielt man dieses Jahr bislang an der bisherigen Lösung fest, statt einen (teuren) Wechsel zu avisieren. Nur ein Ereignis ist zu verbuchen: Da der BPO-Anbieter Incore in 2017 zwei Banken für sich gewann – Bank von Roll und Arner Bank –, wechselten diese damit auch auf die Finnova-Core-Banking-Plattform.
 
Reine Outsourcing-Deals statt Beteiligungskonstrukte
Rund drei Viertel der untersuchten Banken in der Schweiz haben mindestens einen Teil ihrer Informatik ausgelagert. 86 Prozent der kleineren haben outgesourct, etwas mehr als die Hälfte der grösseren.
 
Dabei, so der Report, ersetzen reine Outsourcing-Deals die Beteiligungskonstrukte. Ausgelagert werden damit primär RZ-Services und 2nd-Level-Aufgaben beim Application Management.
 
Das Outsourcing von Druck und Versand betreibt nur rund die Hälfte der Banken, dasselbe gilt für Workplaces. Ein bisschen grösser wird der Outsourcing-Kuchen nur dank kleineren Instituten. Von IT-Outsourcing-Entscheidungen profitierten 2017 nur Finnova, Inventx, Swisscom und Econis. Avaloq und Avaloq Sourcing Switzerland haben vor mehr als einem Jahr den letzten Neuauftrag gefeiert. Entsprechend verliert Avaloq Sourcing Switzerland wie auch IBM und DXC (ex-HPE, ex-CSC) leicht Marktanteile. Und auch Swisscom kann wegen der Verluste nicht zufrieden sein, bleibt aber klar führend vor Inventx.
 
BPO: Arizon
Der BPO-Markt 2017.
ist die Nummer zwei
"Der Anteil der Banken mit BPO-Erfahrungen bleibt dieses Jahr unverändert und ist nach wie vor kleiner als der Anteil der Banken mit IT-Outsourcing-Erfahrungen", so das Fazit. Rund die Hälfte der kleineren wie der grösseren betreiben BPO, primär geht es um den Zahlungsverkehr und Wertschriftenabwicklung. Und die Regionalbanken sind speziell oft BPO-Kunden.
 
Arizon gilt für die Autoren nun erstmals als vollwertiger BPO-Anbieter, weil das Joint-Venture von Avaloq und Raiffeisen mit Notenstein La Roche Privatbank einen ersten Neukunden für die Wertschriftenabwicklung gefunden hat. Das bedeutet Rang zwei im BPO-Markt gewichtet nach Anzahl Mitarbeitenden der Banken.
 
Ebenso gewonnen hat Incore die beiden oben genannten Finanzinstitute, sonst war im Prinzip Ruhe. Mit 49.7 Prozent wird klar am häufigsten an Swisscom ausgelagert.
 
Doch im Prinzip ist vor allem strategisch Bewegung im Markt, so die Studie. Es sei "derzeit ein Trend bei den Anbietern feststellbar, vertikale Serviceangebote zu bündeln und an Core-Banking-Systeme anzukoppeln."
 
Die Datenbasis der Studie ist recht umfassend: Von 257 untersuchten Banken ist bei 210 die Kernbankenlösung klar. Im IT-Outsourcing konnten 238 Banken thematisiert werden, inklusive 33, welche die die IT vollständig selbstständig betreiben.
 
Der Bericht endet im Juli 2017. Es bleibt also noch ein theoretisches Potential für grössere Verwerfungen. Der detaillierte 138 Seiten-Bericht "Handout Swiss Banking 2017" zeigt auch weitere Auswertungen und kann bei Active Sourcing bestellt werden. (mag)