Armee mobilisiert per SMS und Instant Messenger mit Swisscom

Die Schweizer Armee ist aktuell offenbar nicht mehr so rasch und flexibel mobilisierbar wie im Kalten Krieg. Dies will das VBS mit einer Reform zur Weiterentwicklung der Armee (WEA) ändern.
 
Ab dem 1. Januar 2018 soll das Bereitschaftssystem der Armee "grundlegend verbessert" sein, so ein VBS-Prospekt. Ein Element ist die technologische "Aufrüstung", damit die Mobilmachung auch klappt. In Krisen schliesst dies auch ein, Milizsoldaten zu kontaktieren, die so genannten "Milizformationen mit erhöhter Bereitschaft" (MmhB).
 
Die Mobilisierung kann über unterschiedliche Kanäle geschehen, das System der Schweizer Armee heisst eAlarm Emergency. Nun wurde der Zuschlag für den "Systemvertrag eAlarm Emergency VBS II" freihändig erteilt. Diesen erhielt Swisscom für 5'357'700 Franken.
 
Freihändig? "Es geht um eine Vertragsverlängerung", so bestätigt ein Armasuisse-Sprecher auf Anfrage von inside-it.ch, denn die Armee nutzt bereits eine marktübliche Swisscom-Lösung.
 
Laut der Simap-Publikation ist im Zuschlag enthalten, rund 60'000 MmhB-Soldaten zusätzlich zu alarmieren. Aufgeführt werden Optionen bis 2025 und im Umfang von einer Million Franken für allfällige weitere "Teilnehmer". Weitere Präzisierungen wurden nicht publiziert.
 
Die von der Armee genutzte Lösung hat laut Firmen-Prospekt einen Passwortschutz (optional mit 2-Weg-Authentifizierung), verschlüsselte Verbindung (SSL), inklusive Intrusion Detection. Man kann via Handy kommunizieren (SMS, SMSprio, Voice, VoicePrio-GSM), via Festnetztelefon (Voice analog, ISDN, VoIP), Pager (Pagernetz Swissphone), E-Mail, Instant Messaging, Fax (analog, ISDN) und dies in der Schweiz wie ins Ausland.
 
Die Swisscom verspricht eine Verfügbarkeit "bis maximal 99,99 Prozent". Das hiesse eine Stunde jährlich Downtime.
 
Die Armee sei daran, die nötigen Daten wie Handynummern und E-Mail-Adressen zu sammeln, vermeldete kürzlich die 'NZZ'. (mag)