Genesis vs. Generationenprojekt

Der in der Broschüre vorgestellte Zeitplan des Innovationsparks Zürich wird aufgrund "planungsrechtlicher Einschränkungen" nicht einzuhalten sein. Grafik: Switzerland Innovation
Zwei Schweizer Blockchain-Hubs sind geplant: Der eine in Zug, der andere in Zürich. Wo die Projekte aktuell stehen.
 
Das erste Buch Mose, auch bekannt unter dem Namen Genesis, beginnt mit der Schöpfung der Welt: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde". Genesis ist aber nicht nur das erste Buch der Bibel, sondern neuerdings auch ein Coworking-Space in der Stadt Zug. Am Anfang schufen also die Initianten, nämlich die Investoren von Lakeside Partners, die Smart-Contract-Spezialisten von Blockhaus und das Crypto Team des Rechtsdienstleisters MME, die Crypto Valley Labs, eben jenen Coworking-Raum. Hier sollen dereinst 30 internationale Blockchain-Startups ein Zuhause finden, was zugleich der Schöpfungsakt für eine dezentralisierte Startup-Welt – ein globales Ökosystem – sein soll.
 
Der Blockchain-Hub soll im vierten Quartal 2017 seine Pforten öffnen. Unterstützung erhält das Projekt von seinen auf Blockchain spezialisierten Gründungsmitgliedern: SingularDTV, Bancor, Melonport und Etherisc. Neben dem zusätzlich registrierten Cardano Lab hätte man auch schon viele Pre-Commitments zu verzeichnen, sagt Patrick Schilz, Principal bei Lakeside Partners, auf Anfrage von inside-it.ch. Es hätten sich auch bereits lokale Firmen für das Lab angemeldet und die drei Gewinner der Blockchain Competition würden einziehen, schreiben die Initianten in einer Mitteilung.
 
Einzigartig seien das Token-basierte Zahlungssystem und die globale Vision. Das heisst einerseits: Die Raummiete sowie Dienstleistungen könnten mittels der Blockchain-basierten Crypto Valley Labs Token bezahlt werden. Andererseits: Man kann auf der Website des Crypto Valley Labs abstimmen, wohin sich die Zuger Blockchain-Welt ausdehnen soll. Grosse Standorte für den 2018 bis 2019 zu errichtenden Coworking-Space stehen virtuell zur Auswahl: Nach Zug will man nach London, Paris, Hong Kong, New York, Tokyo oder eine andere Weltmetropole.

Crypto Valley Labs, das "weltweite Zuhause für Blockchain", so eine Eigenbezeichnung, wirbt aber auch für den Standort Zug: Globale Startups würden sich aufgrund des Ökosystems bestehend aus Juristen, Investoren und Logistikdienstleistern sowie einem stabilen Rechtssystem, attraktiven Steuerbedingungen und vereinfachten Behördengängen für die Schweizer Kleinstadt entscheiden, kann man auf der Website lesen.
 
Der Innovationspark in Dübendorf ausgebremst
Alleine sind die Weltenschöpfer aus Zug mit ihrer Idee nicht: So ist etwa auf dem Gelände des Flugplatzes Dübendorf unter anderem ein Blockchain-Hub geplant. Dieser soll dereinst im Innovationspark Zürich in der "Enabling-Technologie"-Abteilung einziehen. Unter dem Namen "Trust Square: Blockchain Swiss made" soll ein gesamtschweizerisches Blockchain Forschungs- und Innovationszentrum mit internationaler Ausstrahlungskraft aufgebaut werden, versprechen die Initianten.
 
Auch hier wird entsprechend nicht gekleckert, sondern geklotzt: Ab Sommer 2017 sollten laut Website im selbst deklarierten "Generationenprojekt" bis 2020 stufenweise rund 70 Hektar für "hoch entwickelte Technologie- und Branchencluster sowie Unternehmen mit globalen Führungspositionen" zur Verfügung gestellt werden.
 
Die Umsetzung ist aber derzeit ausgebremst, ein offizieller Eröffnungstermin noch nicht bekannt: Auf Anfrage von inside-it.ch sagt Geschäftsführer René Kalt, dass es derzeit "planungsrechtliche Einschränkungen" gebe. Es steht noch eine Volksabstimmung aus; zwischenzeitlich biete man möglicherweise Fläche an einem anderen Ort.
 
Getragen wird das Unterfangen von der Stiftung Innovationspark Zürich, die 2015 vom Kanton Zürich, der ETH Zürich sowie der ZKB gegründet wurde. Der Innovationspark ist Teil der nationalen Initiative Switzerland Innovation, die in der ganzen Schweiz fünf Standorte zählt.
 
Konkurrenten und/oder Partner?
"Wir sehen den Innovationspark Zürich nicht als Konkurrenz", sagt Patrick Schilz. Man habe vermutlich eine etwas andere Zielgruppe im Blick: Startups, die bereits weiter gediehen sind. Man ziele hier durchaus auf international tätige Blockchain-Unternehmen, wie etwa auch die Ansiedelung von Etherisc unterstreicht. Man könne sich durchaus vorstellen, dass Jungunternehmen nach einer Phase in Dübendorf nach Zug wechseln. Mit den Partnern im Rücken sei man gut monetarisiert, um ihnen etwas zu bieten.
 
In Dübendorf sind die Kriterien etwas anders gelagert: Wer sich hier einmieten will, muss unter anderem mit einer ortsansässigen Wissensinstitution zusammenarbeiten. Es handelt sich also eher um einen Forschungsstandort und darum, dass Startups sich in der Early Stage entwickeln können. Auch René Kalt sagt darum, dass man das Crypto Valley Lab nicht als Konkurrenten sehe. Eine Partnerschaft gibt es indes auch nicht – für beides ist es wohl angesichts des unter anderem rechtlichen Stands des Dübendorfer Projekts auch noch etwas früh. (ts)