Kaspersky gerät in USA immer mehr unter Druck

Die grosse US-Elektronikartikel-Kette Best Buy streicht Kaspersky-Produkte aus ihren über 1000 Filialen.
 
Best Buy, vergleichbar mit Media Markt, bestätigt dies, aber kommentiert nicht, warum man diesen Entscheid fällt. Kommerzielle Gründe wären normal. Aber für Kaspersky ist in den USA seit einigen Monaten nicht mehr viel normal.
 
Der Bann durch Best Buy könnte die neueste Eskalations-Stufe eines Konflikts sein, der nun auch Private zu erreichen scheint: Seit einiger Zeit verdächtigen immer mehr US-Behörden den russischen Security-Anbieter, mit den russischen Behörden zusammenzuarbeiten.
 
Erst war es ein Komitee des US-Kongresses, das Behörden warnte, es drohten "schändliche Aktivitäten gegen die Vereinigten Staaten". Inzwischen hat der Verteidigungsausschuss des US-Senats einen Gesetzesentwurf erarbeitet, der den Einsatz von Kaspersky-Produkten im Verteidigungsministerium verbieten würde. Anfangs Juli dann strich die US-Beschaffungsbehörde General Services Administration (GSA) Kaspersky von der Liste behördlich zugelassener IT-Lösungen. Mitte August wurde via 'Cyberscoop' bekannt, dass das FBI seit Monaten Grossfirmen und Betreiber von kritischen Infrastrukturen und vor Kaspersky-Lösungen warnt.
 
Kaspersky selbst bestreitet die Vorwürfe energisch. Der Gründer, Eugene Kaspersky, bot den US-Behörden den Quellcode der Lösungen zur Prüfung an. Doch diese Offerte wurde bislang nicht angenommen.
 
Fakten wollten oder konnten die US-Behörden keine vorlegen. Entsprechend sagt Kaspersky selbst: "Die einzige Schlussfolgerung scheint, dass Kaspersky Lab, ein privates Unternehmen, in einem geopolitischen Kampf gefangen ist und ungerecht behandelt wird, obwohl das Unternehmen nie geholfen hat, noch je einer Regierung in der Welt bei Cyberspionage oder anderen offensive Cyber-Aktivitäten helfen wird."
 
Deutsches BSI hält Kaspersky für zuverlässig
Gegenüber der renommierten 'Süddeutschen Zeitung' sagte das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), man halte Kasperky für einen zuverlässigen Partner und lobt die "seit Jahren andauernden engen Beziehungen mit Antivirusherstellern im Allgemeinen und mit Kaspersky im Speziellen." Das BSI gilt übrigens als speziell streng in Sachen Security-Anforderungen für Behörden-Lösungen.
 
Ähnlichen Vorwürfen wie Kaspersky sieht sich seit Jahren auch der chinesische Huawei-Konzern immer wieder ausgesetzt. Beweise für die Anschuldigungen fehlen auch hier.
 
Es gelte grundsätzlich, so sagen Security-Fachleute zu inside-it.ch immer wieder: Ein wirklich sicheres Produkt ist sicher, unabhängig vom Land des Herstellers. Kein Hersteller, ob aus Russland oder China, könne es sich kommerziell leisten, mit den eigenen Regierungen zusammenzuarbeiten, um die Sicherheit zu kompromittieren.
 
Beziehungsweise seien, wenn schon, auch behördlich zugelassene US-Produkte zu diskutieren, denn deren Security-Produkte und -Implementierungen seien nicht perfekt. "Es gibt viele Regierungsbehörden anderer Länder, denen die Qualität und Sicherheit amerikanischer Produkte aus durchaus verständlichen Gründen nicht genügt", so einer von ihnen. (Marcel Gamma)