Gewerkschaft will arbeitsrechtliche Lücken für Crowdworker schliessen

Laut Syndicom gibt es so viele digitale Freelancer in der Schweiz, dass Plattform-Zertifizierung und neues Arbeitsrecht dringend seien.
 
18,2 Prozent der in der Schweiz wohnhaften und zwischen 16- und 70-Jährigen sind Crowdworker, dies ergibt eine neue Studie der Gewerkschaft Syndicom. Der Term meint die Berufstätigen, die als Freelancer durch oder auf einer Online-Plattform bezahlte Auftragsarbeit finden. Diese so genannte "Gig-Economy" ist grösser, als die Gewerkschaft vermutet hätte, so die Medienmitteilung. In der Schweiz gebe es auch mehr wöchentliches und monatliches Crowdworking als beispielsweise in Grossbritannien oder Deutschland. Die hiesige Crowdworking-Hochburg ist aber nicht Zürich oder Genf, sondern das Tessin.
 
Die meisten (73,9 Prozent) verdienen weniger als die Hälfte ihres Einkommens durch digitale Kanäle. Immerhin 12,5 Prozent aber haben die "Gig-Economy" als einzige Einnahmequelle, das wären 135'000 Personen in der Schweiz, rechnen die Studienautoren hoch.
 
Nun hat es schon immer Freelancer gegeben, aber 66 Prozent der Crowdworker haben Jobs, die erst durch die Digitalisierung möglich wurden, sei dies [email protected], Uber-Fahrer oder als Online-Reseller irgendwelcher Produkte.
 
Drei Viertel der Crowdworker führten zumindest teilweise Aufträge in hoch qualifizierten Berufen wie Software-Entwicklung oder Design aus.
 
Über 90 Prozent all dieser Personen, und hier kommt das gewerkschaftliche Interesse zum Tragen, erhalten keine oder aus Syndicom-Sicht ungenügende Sozialleistungen und Pensionen. Und sie tragen sämtliche Risiken selbst, beziehungsweise müssen diese einkalkulieren.
 
"Zertifizierungen und kollektive Arbeitsrechte dringend"
Angesichts der schieren Grösse der "Gig-Economy" hält die Gewerkschaft sozialpolitische Massnahmen für sehr dringlich.
 
Es brauche Zertifizierungen für Crowdwork-Plattformen, die belegen, dass Schwarzarbeit unmöglich ist und die Arbeitsrechte gewahrt bleiben. Wer Aufträge für Schweizer Unternehmen erledigt, soll
Wie ist ihr Erwerbsstatus? Stichprobe alle Crowdworker (Screenshot Syndicom)
zudem nach lokalen und Branchen-Benchmarks bezahlt werden. Und man müsse die Fragen rund um das geistige Eigentum klären.
 
Nicht zuletzt will sich die Gewerkschaft für die Freelancer-Verträge in die Bresche werfen können und verhindern, dass Festangestellte durch Crowdworker ersetzt werden. Gemeint sind hier wohl primär "grosse Konzerne, die immer mehr Arbeiten an eine Crowd auslagern, um Fixkosten und soziale Verpflichtungen zu reduzieren". Direkt angesprochen wurde von Syndicom beispielsweise die Partnerschaft Mila-Swisscom, die "bei den Technikern von Swisscom verständlicherweise Ängste auslöst".
 
Es sind dies die Schweizer Resultate einer Internetumfrage der Universität von Hertfordshire und Ipsos MORI in Verbindung mit der Foundation for European Progressive Studies (FEPS), UNI Europa und der Schweizer Gewerkschaft Syndicom. Aus der Schweiz haben 2001 Teilnehmer an der Umfrage (PDF) mitgemacht. (mag)