"Vendor-Lock-in": Berner Feuerwehr kann Vertrag mit Polizei verlängern

An der Murtenstrasse 98 nahe der Autobahn betreibt die Stadt Bern eine Feuerwehralarm- und Einsatzleitzentrale. Damit bei einem Anruf auf Telefon 118 alles rund (und schnell) läuft, darf die Feuerwehr die Informatikinfrastruktur der Kantonspolizei Bern (KAPO) nutzen. Nicht gratis natürlich, sondern gegen Geld.
 
Das umfasst den technischen Betrieb und Unterhalt der der Feuerwehreinsatzleitzentrale inklusive WAN, LAN undsoweiter. Dann die Sicherstellung der systembedingten Schnittstellen und die KAPO betreibt auch die eigene, spezifische IT-Alarmierungsplattform namens AVANTI, welche die städtische Feuerwehr nutzen darf. Darüber läuft alles: Polycom, Telefonie, GPS, e-Alarm oder Fax. Und diese Plattform ermöglicht die Vernetzung der Datenbanken, die Einsatzübergabe, aber auch die operative Zusammenarbeit im Ereignisfall.
 
Seit 2007 wurden für all dies jährlich 970'188 Franken fällig. Diese Zeiten sind nun vorbei. Künftig soll dies die Stadt 1,464 Millionen Franken jedes Jahr kosten, dies während der avisierten Vertragsdauer von 2018 bis 2021.
 
Den erklecklich wirkenden Aufpreis rechnet der Verpflichtungskreditantrag vor. Primär wurde seit dem Initialvertrag Infrastruktur beschafft, die nun in den neuen Vertrag integriert wird. Ein Teil fällt im Zuge des Neubaus des Stützpunkts Forsthaus West an.
 
Welche wäre: Es gibt 14 Arbeitsplätze mit Notebooks zusätzlich, dies kostet 43'820 Franken jährlich.
 
340'000 Franken fallen für die seit 2014 laufende Modernisierung der installierten Gebäudesteuerung, der internen Alarmierung und der Alarmierungsarbeitsplätze an. Darunter fallen die Polycom-Integration in einem neuen Stützpunkt, 131 iPhones und 17 iPads sowie Lizenzkosten etcetera.
 
Neue Einsatz-Tablets und Software-Anpassungen, konkret ein Mannschafts-Planungstool, schlagen mit 110'750 Franken pro Jahr zusätzlich zu Buche.
 
Das Outsourcing sei nach wie vor besser, da man alle IT-Leistungen aus einer Hand erhalte, die Kantonspolizei biete auch Support und die Zuständigkeiten seien klar, argumentiert der Antrag.
 
"Risiken eines Systemwechsels sind nicht absehbar"
Ein Ausstieg sei technologisch kompliziert und teuer, die Stadt müsste zwei unabhängige Netzwerke im Haus betreiben und "der Datenzugriff und die Datenverwaltung für den täglichen Gebrauch wären extrem aufwendig". Zudem ist die Feuerwehr technologisch nun schon so tief im Einsatzleitsystem "AVANTI" (ELS) verhängt, dass ein Ausstieg sich nicht lohne.
 
Man könne nur mit KAPO-Geräten auf das ELS zugreifen, müsste also Dutzende zusätzliche, dedizierte PCs zukaufen, was für den Datenaustausch suboptimal wäre und auch noch Platzprobleme zur Folge hätte.
 
Konklusion: "Die Risiken eines Systemwechsels bei einer Migration sind zum heutigen Zeitpunkt nicht absehbar und finanziell schwer abzuschätzen", also abzulehnen. Die Verlängerung des aktuellen Vertrags sei in jeder Hinsicht die beste Lösung.
 
Der Stadtberner Gemeinderat hat der Erneuerung, beziehungsweise Verlängerung des Vertrags, die total 5,856 Millionen Franken kostet, zugestimmt.
 
Wer sich gefragt hat, ob SAP auch zu den Mehrkosten beitrage, dem sei gesagt: Nein, der SAP-Zugriff für die Feuerwehr läuft über die Informatikdienste der Stadt Bern, was explizit erwähnt wird. (mag)