Sunrise bringt einen ID-Checker fürs eigene Business

Die Online-Authentifizierung, die im Banking schon läuft, lanciert Sunrise nun für die Telecom-Branche. Andere Industrien sollen folgen.
 
Wenn es nach Sunrise geht, lassen sich künftig Bestellungen, Abos, Nummern- und Namenswechsel und einiges mehr jederzeit und überall online, via App per Smartphone abwickeln. Was unter dem Stichwort "digitales Onboarding" beispielsweise Swisscom oder Post fürs anspruchsvollere Banking seit längerem umgesetzt haben, macht Sunrise jetzt in ganz ähnlicher Weise dem eigenen Business verfügbar.
 
Konkret geht es um den sogenannten Sunrise ID Checker, mit dem die bisherige Identifikation für Einkäufe und Anpassungen automatisiert und digitalisiert wird. Während bei der Konkurrenz etwa Technik von Web IDSolution (Post und Swisscom) respektive IDnow (Intrum, UBS) zum Einsatz kommt, setzt Sunrise auf Technik der Zürcher PXL Vision. Das kürzlich aus der Dacuda heraus entstandene neunköpfige Unternehmen mit seinen zusätzlichen elf externen Mitarbeitern arbeitete schon zu Dacuda-Zeiten als Technologielieferant für Sunrise, erklärt uns Mitgründer und Chief Business Officer Karim Nemr auf Anfrage.
 
Nemr betont besonders die Wichtigkeit der Gesichtserkennung. Sie setzt die Betriebssysteme ab dem iPhone 4s und bei anderen Smartphones ab Android 5.0 voraus. Denn um Fälschungen auszuschliessen, muss die Auflösungs- und Videoqualität so gut sein, dass sie Bewegt- von Standbildern unterscheidet, wie er ausführt.
 
Die Praxis
Praktisch läuft der neue Prozess dann wie folgt ab: Bei einer Online-Bestellung erhält man per E-Mail einen QR-Code. Mit dem Smartphone hat man den QR-Code zu scannen, zudem die Vorder- und Rückseite des Ausweises einzuscannen beziehungsweise mit dem Smartphone abzufotografieren, ein Video-Selfie zu erstellen und auf dem Smartphone mit Stift oder Finger zu unterschreiben. Die gültigen Vertragsdokumente sollen sich dann umgehend im MySunrise-Kundenkonto finden.
 
Das eigentlich neue liegt laut Sunrise darin, dass mit den Komponenten Ausweis-Scan, Gesichtserkennung, digitale Unterschrift und Dokumenten-Scan praktisch alle Prozesse im Verkauf eines Unternehmens digitalisiert werden. Wobei mit dem Sunrise ID Checker im Gegensatz beispielsweise zu den Banking-Lösungen der digitale Vertragsabschluss- und Identifikationsprozess jederzeit, also auch ausserhalb der Bürozeiten, und überall durchgeführt werden kann, streicht Sunrise-Pressersprecher Rolf Siebold gegenüber inside-channels.ch heraus.
 
Pilotprojekt läuft – Geschäftsmodell ist noch offen
Zwar komme der Prozess nun erstmals bei einem Telecom-Anbieter zur Anwendung, doch soll er sich auch für andere Branchen eignen, betont Siebold. Wie die künftigen Geschäftsmodelle aussehen werden, ob die Lösung etwa via PXL Vision oder Sunrise oder gemeinsam vermarket wird, sei derzeit noch ungeklärt.
 
Aber vorerst gibt es auch die App noch nicht auf dem freien Markt. Denn zunächst wird der ID-Checker in sechs Sunrise Centern in Zürich, Rapperswil und Basel getestet. Dabei muss man nach wie vor in den Shops persönlich anwesend sein, während der Sunrise-Berater aber schon das neue Angebot verwendet. Man wolle in dieser Pilotphase Kundenreaktionen einfangen, heisst es, um den ID-Checker optimieren zu können.
 
Voraussichtlich ab dem vierten Quartal 2017 soll dann jeder die App aufs eigene Smartphone laden können. Warten wir also ab, ob sich dann die für Vertragsabschlüsse derzeit noch zwingend nötige physische Anwesenheit im Shop erübrigt. (vri)
 
(Dieser Artikel wurde am 15.9. aufgrund eines Leserhinweises bezüglich WebID und IDNow geändert.)