Industrie: Für Digitalisierung fehlt Geld

Informatik und Digitalisierung waren die zentralen Themen am gestrigen Swissmechanics Business Day in Luzern. Und in der achtseitigen Beilage der gestrigen Ausgabe der 'Handelszeitung' zum Thema Industrie 2025 geht es fast ausschliesslich nur um Informatik, respektive Industrie 4.0.
 
Doch die Investitionen in die Digitalisierung stellen viele kleine Schweizer Zulieferer der Maschinen- Elektro- und Metallindustrie (MEM) vor Probleme. Business Day war die KMU-Finanzierung denn auch eines der heissen Eisen.
 
Die Schweiz ist ein KMU-Land. 99,5 Prozent der Firmen in der verarbeitenden Industrie gehören zur Kategorie der kleinen und mittleren Unternehmen mit weniger als 250 Angestellten. Es sind jene Firmen, die vom Frankenschock besonders hart getroffen wurden, weil es für sie - anders als für grössere Unternehmen - schwieriger ist, die Produktion ins Ausland auszulagern.
 
Die Digitalisiserung ist für sie Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist die Automatisierung eine Chance, um die Produktionskosten zu drücken und im internationalen Vergleich wieder konkurrenzfähig zu werden. Andererseits erfordert eben diese Digitalisierung hohe Investitionen - und genau das ist für viele Kleine der Branche ein Problem.
 
Laut einer Umfrage des KMU-Verbands Swissmechanic bei seinen Mitgliederfirmen fehlen rund einem Drittel der Unternehmen die finanziellen Mittel um in die Digitalisierung zu investieren. Ebenfalls knapp ein Drittel bewertete die aktuellen Konditionen der Geschäftsbanken für Firmenkredite als schlecht oder sehr schlecht.
 
Swissmechanic vertritt rund 1400 Mitgliederfirmen in der MEM-Industrie, viele davon sind Zulieferfirmen. Insgesamt beschäftigen sie 70'000 Angestellte
 
Pfister nimmt Politik in Pflicht
"Die fehlenden finanziellen Ressourcen gehören für das Gewerbe zu den grössten Herausforderungen auf dem Weg zur Digitalisierung", sagte am Donnerstag CVP-Präsident Gerhard Pfister, neben FDP-Ständerat Ruedi Noser prominentester Redner am Business Day von Swissmechanic in Luzern.
 
Die KMU seien von der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken am stärksten betroffen. Diese würden Kredite mehrheitlich für Unternehmen im Dienstleistungssektor und für Startups im öffentlichen Sektor vergeben. "Wir kriegen das Geld nicht dahin, wo es benötigt wird - zu den KMU", sagte Pfister. Dabei gebe es bei den Pensionskassen und Versicherungen einen Anlagenotstand. Pfister brachte in diesem Zusammenhang die Idee eines KMU-Fonds aufs Tapet, ein Instrument, das in vielen europäischen Ländern bereits etabliert sei. "Wir müssen die etablierten Schweizer KMU sehr viel stärker fördern".
 
Noser fordert Eigenverantwortung
Kein Gehör für Pfisters politische Vorschläge zeigte FDP-Ständerat und Unternehmer Ruedi Noser. "Wir haben nur eins getan in den letzten zehn Jahren – den Banken das Kreditwesen verteuert." Es sei idiotisch, wenn man jene, die Risiken eingingen, aus dem Geschäft dränge. "Wir belegen die Banken mit immer höheren Eigenmittelanforderungen, gleichzeitig wollen wir KMU-Fonds oder Bürgschaftsgesellschaften fördern", kritisierte Noser.
 
Der Unternehmer hielt auch nicht mit Kritik an die eigenen Reihen zurück und forderte die Anwesenden im Saal zu mehr Eigenverantwortung auf. "Eine Firma sind wir erst dann, wenn wir mehrere Kunden haben, kein Kunde einen grösseren Umsatzanteil als 20 Prozent hat und mindestens einer von ihnen aus dem Ausland kommt", sagte Noser provokativ. "Wenn wir nur einen Kunden haben sind wir keine Firma, sondern eine verlängerte Werkbank" (sda / hc)