Ex-Google-Mitarbeiter­innen klagen wegen Lohndiskriminierung

Drei ehemalige Angestellte haben gestern Klage gegen Google eingereicht. In der Beschwerde heisst es, die Firma würde Frauen für ähnliche Arbeit systematisch schlechter bezahlen als Männer. Der leitende Anwalt der Klage, die im Namen der drei ehemaligen Google-Frauen Kelly Ellis, Holly Pease und Kelli Wisuri eingereicht wurde, beantragt, dass der Fall als Sammelklage erhoben wird, wie unter anderem 'CNet' berichtet.
 
"Google hat seine weiblichen Angestellten diskriminiert und macht dies weiterhin, indem der Konzern den weiblichen Angestellten trotz ähnlicher Erfahrung, Eignung und Verpflichtungen weniger Lohn bezahlt als den männlichen", heisst es in der Beschwerde, die 'The Register' online gestellt hat (PDF). Frauen würden zudem weniger gefördert, seltener für eine Beförderung berücksichtigt und Laufbahnen mit geringeren Aufstiegschancen und schlechteren Löhnen gedrängt. Die Klägerinnen schreiben weiter, dass dem Konzern diese Probleme schon seit langem bekannt wären, er sie aber nicht behoben hätte. Dies hätte den weiblichen Beschäftigten Schaden zugefügt.
 
Die am San Francisco Superior Court eingereichte Klage bezieht sich auf den Bundesstaat Kalifornien. Alleine in Mountain View beschäftigt Google 21'000 Mitarbeitende. Daneben gibt es sechs weiter Niederlassungen im US-Bundesstaat. Laut Beschwerdeschrift verletzte Google zahlreiche kalifornische Gesetzte, darunter den Equal Pay Act, Bestimmungen des kalifornischen Arbeitsgesetzes und des Unlawful and Unfair Practices Acts.
 
In einem Statement schreibt Google gegenüber 'The Register', dass man den "zentralen Vorwürfen der Klage widerspreche". "Job Level und Beförderungen werden durch strenge Einstellungs- und Beförderungs-Ausschüsse festgelegt und müssen mehrstufige Überprüfungen durchlaufen, inklusive der Sicherstellung, dass die Entscheidungen nicht auf geschlechtsspezifischen Vorurteilen beruhen", zitiert 'The Register' den Google-Sprecher weiter.
 
Das US-Arbeitsministerium hat vor der aktuellen Klage bereits eine Untersuchung eingeleitet, um festzustellen, ob beim Konzern Lohndiskriminierung herrscht. Der Internetkonzern steht zudem in Kritik, nachdem ein – mittlerweile gefeuerter – Google-Ingenieur in einem "Manifest" argumentiert hatte, dass eine geschlechtsspezifische Kluft nicht ausschliesslich auf Sexismus zurückgeführt werden könne sondern auf "biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen". Der darauf folgende Aufschrei ist Teil eines grösseren Diskurses: immer wieder häufen sich Berichte über Sexismus im Silicon Valley, zuletzt etwa von der ehemaligen Uber-Mitarbeiterin Susan J. Fowler, deren Kritik zum Rücktritt von Mitgründer Travis Kalanick als CEO führte. (kjo)