Will sich Google mit (faulem) Kompromiss der EU-Mega-Strafe entziehen?

Das seit 2010 gegen Google laufende Kartellverfahren der EU, das im Juni eine Rekordstrafe von 2,4 Milliarden Euro zur Folge hatte, geht in die nächste Runde. Zwar habe der Konzern inzwischen ein neues Kompromiss-Angebot vorgelegt, wie die Nachrichtenagentur 'Reuters' und das 'Wall Street Journal' (WSJ) schreiben. Aber der Vorschlag ähnele demjenigen, den Google schon vor Jahren dem damaligen EU-Kartellchef Joaquín Almunia gemacht habe und damit damals unter Druck von Beschwerdeführern und Politikern gescheitert war, so das 'WSJ'.
 
Nun plane Google mit dem Kompromiss, ähnlich wie früher, eine Auktion einzuführen, bei der der Konzern gemeinsam mit den Konkurrenten um die prominenten Werbeplätze bietet. Dabei würde Google selbst den Grundpreis bestimmen. Konkurrenten müssten somit mehr bieten, um Zugang zu den Werbeplätzen zu bekommen. Laut dem Bericht sind solche Auktionen mittlerweile durchaus marktüblich. Denn beim so genannten "programmatic advertising" bieten mehrere Marktteilnehmer in einem automatisierten Verfahren um die Platzierung ihrer Werbung auf Websites. Die Auktionen benötigen dabei nur wenige Millisekunden und können noch während des Ladevorgangs einer Website ablaufen. Dennoch haben sich bereits erste Konkurrenten gemeldet, die sich damit nicht zufrieden geben wollen und die klare Trennung von allgemeiner und Shopping-Suche einfordern.
 
Wie die EU den Vorschlag von Google bewertet ist aber noch unbekannt. Details liegen nicht vor und man weiss nur, dass die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager den Eingang eines solchen Vorschlags bestätigt hat. Dass die Konkurrenten bereits ihre Unzufriedenheit angemeldet haben, war laut 'Reuters' möglich, weil Google den Vorschlag im Vorfeld mehreren Konkurrenten unterbreitet habe. Der Konzern sei bei ihnen aber durchwegs auf Ablehnung gestossen. Auch Mitarbeiter der EU-Kommission hätten sich enttäuscht gezeigt. Zitiert wird die britische Preisvergleichs-Plattform Foundem mit der Aussage: "Solange Google nicht bereit ist, das Geschäft der allgemeinen und der Shopping-Suche aufzusplitten, wäre die Aufnahme von Konkurrenten in eine bestehende oder neue Werbeauktion nur eine neue Marktbarriere".
 
Noch ist unklar, was die EU-Kartellwächter zu dem Vorschlag sagen. Klar ist hingegen, dass bis zum 28. September ein ausreichendes Angebot zum Stoppen der wettbewerbswidrigen Praktiken vorliegen muss. Ab dann drohen, so 'Reuters' weiter, Google respektive dem Mutterhaus Alphabet weitere Strafen von bis zu fünf Prozent seines durchschnittlichen täglichen weltweiten Umsatzes. Das sind immerhin satte rund 12 Millionen Dollar pro Tag bis eine Lösung gefunden ist. (vri)