Im Reisswolf: Babycams

Kolumnist Peter Wolf zwischen hilfreichen Funktionen und dummen Ratschlägen.
 
Im Moment teste ich eine Babycam, die zwar sensationelle Funktionalitäten bietet, aber auch dumme Ratschläge von sich gibt.
 
Normalerweise wird man benachrichtigt, wenn das überwachte Objekt sich bewegt oder Geräusche von sich gibt. So weit, so gut.
 
In der Regel erhält man dann also eine Push-Notification in der App und/oder eine Mail mit dem Betreff "Arlo hat soeben eine Bewegung erkannt" und einem Link, um ein Video der Bewegung anschauen zu können. Auch das ist in Ordnung, schliesslich will man ja benachrichtigt werden, wenn etwas läuft, und am Schluss der Überwachungsperiode schaltet man den Geräusch- oder Bewegungsalarm auf einigermassen komplizierte Art wieder aus.
 
Trotzdem verschickt die Kamera munter weiter Mails und verrät mir unter dem Betreff "Ihre Arlo-Batterien sind müde", dass das Babyphone nur noch 20 Prozent Energie habe.
 
In Bezug auf alle anderen Wifi-Arlo-Webcams ist dies ein sehr praktischer Service, weil diese Cams komplett kabellos sind und bis zu sechs Monate lang mit einer handelsüblichen Batterie laufen können.
 
In der Babycam jedoch ist ein Akku eingebaut, der nicht sehr lange hält (rund drei Stunden im Nachtbetrieb, sieben Stunden tagsüber) und der jeweilen per Handyladekabel wieder aufgeladen wird. Verwendet man nun die Babycam nicht jeden Tag, lädt man die Babycam auch nicht jeden Tag und es entlädt sich ihr Akku jeden Tag ein bisschen, bis er dann den Hilferuf absetzt: "Es ist an der Zeit, die Batterien bei folgender Kamera zu ersetzen: Babyphone Arlo 20 Prozent".
 
Eine knappe halbe Stunde später kommt dann der nächste Hilferuf: "Babyphone Arlo: zehn Prozent. Es ist zwar noch etwas Energie übrig, aber wir würden Ihnen empfehlen, so bald wie möglich neue Batterien einzusetzen, damit Sie die Kamera beruhigt weiterverwenden können."
 
Diesem Ratschlag sollte man jedoch keinesfalls Folge leisten, denn auch die Webseite des Arlo-Supports findet das keine gute Idee. Unter dem Titel "Kann ich den Akku meiner Arlo Baby Kamera austauschen?", verwahrt sich der Hersteller gegen derartige Eingriffe vehement: "Öffnen Sie das Akkufach nicht, und versuchen Sie nicht, den Akku auszutauschen. Wenn Sie das Akkufach öffnen, kann dies zu Fehlfunktionen der Kamera führen, und wenn Sie den Arlo Baby Akku durch einen Akku des falschen Typs ersetzen, besteht Explosionsgefahr."
 
Knapp 20 Minuten später jammert die Kamera dann schon wieder per Mail, klagt, dass sie nurmehr zwei Prozent Akkuleistung habe und versucht einen im Mailtext zu explosiven Dummheiten zu verführen: "(...) wir würden Ihnen empfehlen, so bald wie möglich neue Batterien einzusetzen, damit Sie die Kamera beruhigt weiterverwenden können." (Peter Wolf)
 
Peter Wolf (52) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-foresight im Swisscom-Geschäftsbereich Banking und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen – unter anderem für inside-it.ch.