Strauchelt IBMs Wunderkind Watson?

Schon länger testet der Schweizer Rückversicherer Swiss Re den Einsatz der IBM-Watson-Technologie. Unter anderem sollte Watson bei der Auswertung riesiger Mengen unstrukturierter Daten helfen. Glaubt man aber der deutschen 'Wirtschafts Woche' wurde das Projekt nun beendet oder reduziert. Bei Munich Re zeichne sich ein ähnliches Bild. Aus den Kreisen der beiden Rückversicherer heisse es, Watson habe keinen Mehrwert gebracht, so der Bericht. Ausserdem gebe es inzwischen alternative Anbieter, die ähnliche Lösungen günstiger anbieten würden.
 
"Keine Änderung in unserer Zusammenarbeit"
Auf Anfrage von inside-it.ch dementieren die Beteiligten den Bericht. "Es gibt keine Änderung in unserer Zusammenarbeit mit IBM", so der Schweizer Rückversicherer. "Swiss Re und IBM sind im Oktober 2015 eine strategische Partnerschaft eingegangen mit dem Ziel, das Potenzial von Cognitive Computing in der (Rück-) Versicherungsindustrie zu evaluieren", schreibt das Unternehmen.
 
Von Seiten IBM tönt es ähnlich. "Wir möchten darauf hinweisen, dass es keine Änderungen an unserer Zusammenarbeit mit Swiss Re zum Einsatz von Watson zur verbesserten Nutzung der Daten der Swiss Re gibt", so eine Sprecherin.
 
Basis der seit 2015 bestehenden Zusammenarbeit sei ein gemeinsames Kompetenzzentrum für Cognitive Computing, betonen beide Unternehmen. "Wir haben ein breites Spektrum von Anwendungsfällen bearbeitet, von der Analyse von Verträgen über die Automatisierung des Underwriting-Prozesses bis hin zum Support des internen Service Desks", so Swiss Re weiter. Über 20 Anwendungsbereiche habe der Rückversicherer gemeinsam mit IBM erkundet und über ein Dutzend Projekte seien gestartet worden. "Heute sind bereits etliche dieser Lösungen produktiv", schliesst der Rückversicherer.
 
Gefragt nach Munich Re schreibt IBM, dass weder IBM Deutschland noch die IBM Corporation jemals einen Vertrag zu Watson mit der Munich Re abgeschlossen hätten. "Wir haben jedoch eine gut funktionierende Geschäftsbeziehung mit der Munich Re, die wir an dieser Stelle nicht weiter kommentieren werden", so Big Blue.
 
'Golem' schreibt, die Watson-Projekte bei Munich Re seien abgebrochen worden. Grund dafür seien mitunter die hohen Kosten gewesen. Auch die Tatsache, dass man Daten in die Cloud habe verschieben müssen, habe zu Vorbehalten geführt. Zudem habe der deutsche Konzern für Leistungen bezahlt, die IBM nicht erbracht hätte und für Funktionalitäten, die es gar nicht gebe, so der Bericht mit Berufung auf Insider.
 
IBM gibt keine Zahlen zu Watson bekannt
Ob IBM mit dem Verkauf von Watson-Technologie Geld verdient, ist unklar. Der Konzern legt die Zahlen nicht offen.
 
Die Software wird in unterschiedlichen Bereichen getestet. Etwa agiert Watson als Arzt bei einem deutschen Klinikbetreiber, als Personalvermittler bei Capgemini oder als Anlageberater bei der US-Grossbank Citigroup. Als IBM 2015 ankündigte, Swiss Re wolle mit Watson arbeiten, teilte das US-Unternehmen mit, dass 'Big Blue' es damit erstmals geschafft habe, mit der Watson-basierten Technologie ein Projekt in der Versicherungsbranche zu ergattern. (kjo)