Bundesgericht: Lange arbeitsloser Informatiker ist nicht mehr vermittelbar

Wie lange gilt ein Informatiker als Informatiker, wenn er arbeitslos oder zum IV-Bezüger geworden ist? Wie lange ist er vermittelbar? Das Bundesgericht gibt in einem neuen Urteil eine Antwort auf diese Fragen, so die 'Aargauer Zeitung'.
 
Der Fall: Im Jahr 2002 verlor ein "Electronic Commerce Development Coordinator" mit "Schulabschluss als EDV-Instruktor" seine Stelle aus gesundheitlichen Gründen und landete dann bei der IV. Er erhielt eine volle IV-Rente.
 
Zuvor hatte er "mehrere Jahre im EDV-Bereich als Instruktor, Consultant und Koordinator im Aussendienst gearbeitet. Letztgenannte Tätigkeit könne als die angestammte angesehen werden", so das Bundesgericht im entsprechenden Urteil.
 
Seit 2002 hat der heute 52-jährige Aargauer also nicht mehr als Informatiker gearbeitet. Ab 2013 und bis 2015 dann gab die IV mehrere Gutachten in Auftrag, welche den Gesundheitszustand des Aargauers überprüften. Fazit: Die Gesundheit des Mannes habe sich wesentlich verbessert, er sei nun wieder 80-prozentig arbeitsfähig. Die Rente wurde ganz gestrichen.
 
Der Informatiker wehrte sich dagegen bis vor Bundesgericht. Und erhielt zumindest teilweise Recht: "Der Beschwerdeführer hat letztmals im Mai 2001 in seiner angestammten Tätigkeit gearbeitet", so das Urteil des obersten Schweizer Gerichts. "Mit Blick auf den technischen Fortschritt in der IT-Branche ist nicht davon auszugehen, dass er ein ähnliches Einkommen wird erzielen können wie vor Eintreten des Gesundheitsschadens." Das damalige Einkommen hatte 8'262,80 Franken im Monat betragen (plus der Dreizehnte).
 
Zu 44 Prozent sei der Informatiker aktuell arbeitsunfähig, man könne die Rente also nicht ganz streichen. Eine Reduktion auf eine Viertelsrente sei zulässig.
 
Die IV-Stelle Aargau muss die Gerichtskosten berappen, der Kläger erhält eine Entschädigung. (mag)