Bund stärkt den Einfluss der Wirtschaft bei den höheren Fachschulen

Ein zufriedener Geschäftsführer von ICT Berufsbildung Schweiz erklärt die Folgen der Revision des MiVo-HF, welche den Fachkräftemangel mildern soll. Doch es gibt auch Warner.
 
Bekanntlich gilt im Schweizer Bildungssystem, dass jeder Abschluss die Möglichkeit zu einer Weiterbildung bietet. Neben den Universitäten und Fachhochschulen bieten die höheren Fachschulen (HF) im sogenannten Tertär-B-Sektor entsprechende Studienabschlüsse an.
 
Der Bundesrat respektive das eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) hat nun die Verordnung über "Mindestvorschriften für die Anerkennung von Bildungsgängen und Nachdiplomstudien an höheren Fachschulen" (MiVo-HF) total revidiert. Diese tritt am 1. November 2017 in Kraft, heisst es in einer Mitteilung. Verstanden wird die Revision beim Bund als "Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs".
 
Für Jörg Aebischer, Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Schweiz, war diese Revision längst überfällig. Wie er zu inside-it.ch sagt, sei es zentral darum gegangen, die Rolle der HF und der Wirtschaft in den Ausbildungsgängen zu klären.
 
Man habe erreicht, dass diese stärker auf Arbeitsmarkt ausgerichtet würden, weil der Bund den Einfluss der OdA (Organisationen der Arbeitswelt) auf die Rahmenlehrpläne gestärkt habe. Damit erfülle sich eine schon lange geäusserte Forderung, so Aebischer. Nun müsse es darum gehen, möglichst rasch die Rahmenlehrpläne anzuschauen und auf den neusten Stand zu bringen. Das sei seit Jahren überfällig.
 
Schon in der Vernehmlassung hatte der Verband auch die zeitliche Begrenzung der Anerkennung der Rahmenlehrpläne begrüsst, sich für eine verbesserte Struktur und die Präzisierung der Prozesse der MiVo-HF ausgesprochen.
 
Gemischte Gefühle bei HF-Verband
Nach den Aussagen aus Sicht der ICT-Berufsbildung verwundert es wenig, wenn Urs Gassmann, Geschäftsführer von ODEC, dem Schweizer Verband der diplomierten HF sämtlicher Fachrichtungen, eine Gegenposition einnimmt. Gassmann hat gemischte Gefühle, wie er gegenüber inside-it.ch erklärt. Gerade die Stärkung der OdA könne sich problematisch auswirken. Denn es gäbe starke und schwache OdA, sagt er. Gleichzeitig verweist er aber darauf, dass die OdA der ICT-Branche zu den starken gehöre. Bei anderen sehe es aber anders aus.
 
Deshalb hätte er sich gerade bei den Rahmenlehrplänen gewünscht, dass die ODEC als gleichberechtigter Partner eingebunden worden wäre. Doch jetzt sei erst einmal abzuwarten, was es bedeutet, wenn die OdA künftig stärker in die Pflicht genommen werden und gezwungen sind, Verantwortung zu übernehmen.
 
Für zentral hält Gassmann übrigens die Definierung des Termins der Überprüfung der Rahmenpläne. Diese erfolgt nun alle sieben Jahre. Das sei der wichtigste Schritt, den die Revision gebracht habe. Bisher habe es diesen Rahmen nicht gegeben, obwohl er beim Tempo der Entwicklung der Berufsfelder unbedingt nötig sei.
 
Die Revision im Kern
Adressiert und von ICT-Berufsbildung Schweiz mitgetragen werden mit der Revision laut WBF drei Kernpunkte. Erstens sollen neu die Rollen und Zuständigkeiten der verschiedenen Akteure – Bund, Kantone, OdA und Bildungsanbieter – über eine neue Struktur der MiVo-HF klarer strukturiert worden sein. Hier seien neu die Anforderungen an die verschiedenen Akteure übersichtlicher dargestellt worden. Gleichzeitig wurden Schritte für die Genehmigung von Rahmenlehrplänen sowie die Anerkennung von Bildungsgängen und Nachdiplomstudien präzisiert. So wird, was bisher in der MiVo-HF und in ihren Anhängen stand, neu in den Rahmenlehrplänen geregelt. Das soll "eine passgenauere Definition der Anforderungen des Arbeitsmarktes an die Bildungsgänge" erlauben.

Dann will man als zweiten Punkt die Arbeitsmarktorientierung an sich erhöhen. Das sei durch den stärkeren Einbezug der OdA bei der Erarbeitung der Rahmenlehrpläne erreicht worden, schreibt das WBF. Konkret muss auch bei geringfügigen Änderungen der Rahmenlehrplan neu genehmigt werden, was zudem eine Überprüfung der Anerkennung der betroffenen Bildungsgänge auslöst, wie es heisst.
 
Das Ziel: Die Steuerungsmöglichkeit der OdA bei den Bildungsgängen sicherstellen.
 
Ausserdem müsse spätestens sieben Jahre nach der Genehmigung eines Rahmenlehrplans, dieser von der Trägerschaft auf seine Aktualität überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Diese Massnahme habe zur Folge, dass die Kantone in ihrer Aufsichtsfunktion entlastet werden und es werde gewährleistet, dass die Bildungsgänge in den verschiedenen Kantonen gleich behandelt werden.
 
Als dritten Punkt der Revision wird vom Bund auf die Neugestaltung des Anhangs der MiVo-HF verwiesen, ebenso auf die klaren Vorgaben bezüglich der Genehmigung von Rahmenlehrplänen. Dies vereinfache die Prozesse: So sei demnächst für die Anpassung der MiVo-HF keine Vernehmlassung mehr nötig, sondern nur eine Konsultation des Rahmenlehrplans unter Einbezug der Branche, der Kantone und interessierter Kreise. Das Ziel sei es, dass man neue Angebote rascher entwickeln könne. (vri)