Serial Entrepreneur Dominik Grolimund experimentiert mit ICO-Alternative

Dominik Grolimund (Foto: zvg)
Heute verschenkt er Coins und falls sein Startup Refind Gewinn macht, kauft er sie zurück.
 
Dominik Grolimund hat als einer von sehr wenigen Schweizern bereits drei Tech-Startups aufgebaut und erfolgreich verkauft: die CRM-Software Caleido, den Speicherdienst Wuala und die Job-Matching-Lösung Silp.
 
Nun geht Grolimund mit seinem vierten Startup Refind "public". Aber er verkauft seinen Social-Bookmarking-Service nicht an einen Konzern, und er sucht auch nicht mit einem normalen ICO Geld.
 
Er verschenkt eine Milliarde Coins an frühe User von Refind. Diese Coins wird er von den Beschenkten zurückkaufen und zwar mit dem Gewinn, den er mit Refind zu erzielen hofft.
 
"ICOs sind sehr riskant; viele Startups kommen so zwar zu Geld, aber sind noch weit von einem marktreifen Produkt, geschweige denn von Wachstum entfernt", erklärt Grolimund inside-it.ch. "Wir gehen einen anderen Weg: wir verschenken Coins und kaufen sie später mit unserem Gewinn zurück. Das ist das erste token-basierte Referral-und-Buyback-Programm und stellt – falls es funktioniert – eine Alternative zu ICOs dar, nach dem Motto: Millionen von Usern statt Millionen von Dollars."
 
Offen ist noch, welche Coins man erhalten wird, vermutlich wird es ein Token sein, der auf dem ERC20-Standard basiert, so die Website refind.com.
 
Das Konzept des Programms ist heute schon klar: Sobald Refind Gewinn erzielt, wird zehn Prozent des Gewinns benutzt (quartalsweise oder jährlich), um Coins zum dann aktuellen Marktpreis zurückzukaufen. Zurückgekaufte Coins werden jeweils vernichtet, das heisst, das Angebot nimmt ab. Das macht Refind solange, bis 99 Prozent der Coins zurückgekauft und vernichtet sind. Angebot und Nachfrage wird den Preis bestimmen, und zwar bereits bevor Refind Gewinn erzielt.
 
Der ETH-Abgänger hat die Aktion als Katalysator angelegt und belohnt jene, die früh beitreten, damit Refind möglichst rasch eine kritische Grösse erreichen kann. Und diese wiederum ist für Grolimund geschäftsrelevant: Refind wird nur dann ein Geschäftserfolg, wenn es Millionen von Benutzern findet. Zehn Millionen User ist das erste Ziel. Und dann soll Refind auch Geld verdienen, entweder mit "targeted ads" (à la Facebook und Google) oder im Freemium-Modell, wie es Dropbox oder Slack haben. Für User werde Refind gratis bleiben.
 
Refind stellt eine eigene Relevanz-Definition in den Mittelpunkt und will Inhalte mit längerer Halbwertszeit identifizieren. Es gehe nicht um den News- oder Unterhaltungswert wie üblich im Web. Grolimund sieht diese Relevanz als komplementär zu journalistischen News, Social Networks wie Facebook und Suchmaschinen wie Google. Der Hauptnutzen ist das Entdecken individuell relevanter Inhalte im Web, so das Angebot. Die Relevanz soll sich aus dem Verhalten der Community ergeben, den persönlichen Interessen, und der neuen Metrik, welche dem Algorithmus zugrunde liegt.
 
Eine Art Social-Bookmarking-Service also, aber mit menschlicher und Algorithmus-Intelligenz verknüpft und damit möglicherweise cleverer als del.icio.us oder andere Pioniere des Genres.
 
Grolimund hat den Algorithmus zusammen mit dem PhD-Informatiker Florian Hanke entwickelt und Refind bis anhin nur via Einladung zugänglich gemacht. Nun soll die Community exponentiell wachsen. Statt Werbegeld auszugeben künftige Einnahmen verschenken? "Es ist ein Experiment", so Grolimund. (Marcel Gamma)