Dynamics Nav lebt im Projekt Tenerife weiter

Neuerungen bei Dynamics CRM, der Nachfolger von Dynamics Nav und Akzeptanz von Cloud-Lösungen – das waren die zentralen Themen des Influencer Briefings von Microsoft Deutschland. Inside-channels.ch war dabei.
 
Zwei Produktankündigungen gab es auf dem Influencer Briefing: Microsoft Dynamics Relationship Insights als Update von Microsoft Dynamics CRM und ein Nachfolger von Dynamics Nav unter dem Codenamen "Tenerife".
 
Bei Dynamics Relationship Insights ist das Alleinstellungsmerkmal die integrierte Business-Intelligence-Funktionalität, wie René Grebenstein, Technology Solutions Professional bei Microsoft Deutschland berichtet. Auf Basis von Cortana Intelligence sammle die Lösung Zusatzinformationen zu einem Verkaufskontakt und gebe dem Mitarbeiter Handlungsempfehlungen in Form von sogenannten Action Cards. Diese würden beispielsweise einen Anruf bei einem Kunden empfehlen. Cortana Intelligence untersuche dazu das Mailpostfach und auch frühere Transaktionen, die der Kunde im Webshop getätigt hat. Daraus würden Schlüsselwerte generiert, welche die Wahrscheinlichkeit eines Verkaufs zeigen. "Der Einsatzbereich von Kundenbetreuung und Service hat sich deutlich erweitert", berichtet Grebenstein. "Bei Dynamics Relationship Insights bilden wir das ab, indem wir über die Common Data Services andere Microsoft-Produkte wie Office 365 und Microsoft Flow anbinden."
 
Common Data Services verknüpfen Microsoft-Produkte
Common Data Services ist ein Middleware-Stack, der Microsoft-Produkte miteinander verbindet. Bei Dynamics Relationship Insights lassen sich damit beispielsweise die integrierten Berichte um eine ausführliche Variante mit Excel erweitern. Darüber hinaus können die Anwender über Power BI ein externes Berichtswesen anbinden.
 
Ein weiteres Feature der Microsoft-Dynamics-Produktreihe nennt sich Power Apps. Es handelt sich dabei um einfache Anwendungen, die auf Basis der Metadaten Funktionen ausführen. Grebenstein nennt als Beispiel eine Power App auf einem Mobiltelefon, über die ein Lagermitarbeiter in Dynamics 365 Finance and Operations eine Nachbestellung anstossen kann, wenn ein Artikel zur Neige geht. Derartige Anwendungen könnten Mitarbeiter aus der Fachabteilung über das Power Apps Studio selbst erstellen.
 
Projekt Tenerife ergänzt Dynamics 365
Die zweite Produktankündigung betrifft den Nachfolger von Dynamics Nav, der im Frühjahr 2018 erscheinen soll. Die Lösung mit dem Codenamen Tenerife ergänzt die Produktreihe Dynamics 365. Während das frühere Dynamics Ax seit Jahresanfang unter Dynamics Finance and Operations firmiert, soll Tenerife das frühere Dynamics Nav weiterführen.
 
Beide Lösungen werden sowohl aus der Cloud als auch On Premise angeboten. Die Weiterentwicklung findet zunächst in der Cloud statt und wird dann nach und nach den On-Premise-Versionen zuteil.
 
Tenerife schafft für Partner die Möglichkeit, über Common Data Services andere Microsoft-Komponenten anzubinden und das Ganze als End-to-End-Lösung zu verkaufen", erläutert Thomas Kombrecht, Senior Product Marketing Manager für Microsoft Dynamics bei Microsoft Deutschland. Als anzubindende Funktionsbausteine seien beispielsweise der Contact Manager von Office 365 oder auch eine Invoicing-App denkbar. Eine andere Alternative seien Bausteine aus Dynamics CRM.
 
Technisch gesehen lassen sich auch Produkte anderer Hersteller über Common Data Services mit Microsoft Dynamics verknüpfen. Welche Lizenzbedingungen dafür gelten, ist bislang allerdings unklar. Ebenfalls unklar ist es, ob bei Tenerife hinsichtlich der maximalen Anzahl der Benutzer eingeschränkt ist.
 
Deutsche Treuhänder-Cloud dient als Türöffner
Das dritte Thema auf dem Influencer Briefing war die Cloud: "Wir sehen bei Microsoft Dynamics generell ein starkes Wachstum", berichtet Frank Naujoks, Lead für Dynamics Ax bei Microsoft Deutschland. "Bei Neuinstallationen wird die Cloud stärker nachgefragt als die On-Premise-Variante." Weltweit kommt Dynamics 365 laut Naujoks aktuell auf mehr als 150 laufende Installationen und rund 500 Projekte in der Umsetzung. Regionale Zahlen gibt Microsoft nicht bekannt.
 
"Ein grosser Türöffner für das Cloud-Geschäft ist die Microsoft Deutschland Cloud", berichtet Christian Geckeis, Head of Partner Development bei Microsoft Deutschland. Diese speziell abgesicherte Cloud-Variante helfe dabei, dass Unternehmen ihre Bedenken in Sachen Sicherheit und Datenschutz abbauen und Vertrauen zur Cloud gewinnen. Die Deutschland Cloud betreibt Microsoft seit dem vergangenen Jahr zusammen mit dem Partner T-Systems im Rahmen eines Datentreuhänder-Modells. Microsoft-Mitarbeiter haben dabei nur solange Zugriff auf die Daten, wie es der Kunde explizit zulässt. Nicht autorisierte Zugriffe von Geheimdiensten sollen ausgeschlossen sein.
 
Das erhöhte Schutzniveau erkaufen sich die Kunden mit einem Aufschlag in Höhe von 25 Prozent auf die Preise der Azure Cloud. Für Unternehmen mit einem besonderen Anspruch an Datenschutz oder beispielsweise für Automobilzulieferer, die aus vertraglichen Gründen ihre IT-Systeme nicht in der Public Cloud betreiben dürfen, ist die Microsoft Deutschland Cloud eine der wenigen Möglichkeiten, dem Inhouse-Betrieb zu entkommen.
 
Andererseits berichtet Geckeis von ersten Unternehmen, die von der Microsoft Deutschland Cloud in die Azure Cloud wechseln, um den Preisaufschlag zu sparen.
 
"Hohe Cloud-Nachfrage auch aus dem Public Sector"
Martin Drude, Leiter der Arbeitsgruppe Dynamics Ax bei der Microsoft-Anwendervereinigung mbuf und Head of Group IT and Organization beim Textilmaschinenhersteller Trützschler, hatte im Mai berichtet, dass produzierende Unternehmen ihre IT-Systeme nur selten in die Cloud schieben, weil ihnen die Verfügbarkeit der Systeme, beispielsweise zur Produktionssteuerung, extrem wichtig ist.
 
Naujoks beobachtet keine derartigen Bedenken: "Wir verzeichnen aus allen Branchen eine hohe Cloud-Nachfrage, selbst aus dem als sehr zurückhaltend eingeschätzten Public Sector. Wenn ein Unternehmen bestimmte Systemteile im eigenen Rechenzentrum betreiben möchte, ist das bei uns im Rahmen der Hybrid-Cloud problemlos möglich." (Jürgen Frisch)