Axpo wirft sich in die lukrative Schlacht um Polydata

Axpo gründet gemeinsam mit WZ-Systems eine Tochterfirma für sichere Datenkommunikation. Im Visier: Das Milliardenbusiness mit Polydata.
 
Der Stromriese Axpo betreibt neben vielem anderem ein sicheres und leistungsfähiges Glasfasernetz. Axpo benützt dieses Netz, um auch in Krisenfällen kommunizieren und den Netzbetrieb steuern zu können. Nun bringt Axpo das Netz in eine neue Tochterfirma ein. Die Tochter, Axpo WZ-Systems, wird zu 80 Prozent dem Badener Stromkonzern gehören.
 
WZ-Systems ist beileibe auch kein unbekannter Player im Bereich sicherer Funkkontakt "Polycom". So baut und betreibt WZ unter anderem die Polycom-Netze für den Bund und verschiedene Kantone. WZ-Systems setzt für seine sicheren Datennetze mindestens teilweise auf die Kommunikationsstruktur von Axpo.
 
Kampf um die Polydata-Millionen
Mit der neuen Axpo-Tochter steigt jetzt ein neuer Player in den potentiell riesigen Markt für den Bau der sicheren Funknetze für Datenübertragung, Polydata, ein. Denn verschiedene Blaulicht-Organisationen wollen ein eigenes, sicheres Mobilfunknetz für Daten aufbauen. Das Projekt wird analog zum Blaufunknetz Polycom "Polydata" genannt.
 
Polycom baut auf proprietäre (französische) Technologie auf. Die Aufrüstung des Polycom-Sprachnetzes kostet bis 2030 rund eine halbe Milliarde Franken. Der Auftrag musste freihändig, also ohne Ausschreibung, vergeben werden.
 
Bei Polydata ist allerdings noch nicht entschieden, auf welche Technologie man setzen wird. Es stehen verschiedene Varianten zur Verfügung. WZ-Systems war bisher zu klein, um alleine für den Bau und Betrieb des Polydata-Netzes geradestehen zu können.
 
Nun allerdings hat die neue Firma mit Axpo die finanzielle Kraft, zudem ein bestehendes Glasfasernetz sowie auch das Know-how, um ganz gross im Spiel um die Polydata-Millionen mitzuspielen.
 
Zudem haben sich Axpo wie auch WZ-Systems mit Sunrise verbündet und bieten heute schon zusammen unter dem Label BLUnet eine Lösung für sichere, mobile Datenkommunikation an.
 
Worum es beim geplanten Spin-off und Merger mit WZ-Systems geht, verrät ein Satz in der Pressemitteilung: "Für die Axpo WZ-Systems AG werden nun weitere Märkte zugänglich, die Axpo bisher aufgrund des hohen Initialaufwands und WZ-Systems in Ermangelung eines starken Partners allein nicht erschliessen konnten."
 
Axpo wird 26 Mitarbeitende in die neue Tochter, Axpo WZ-Systems, im aargauischen Lupfig einbringen. Insgesamt wird die neue Firma rund 60 Mitarbeitende haben, heisst es in einer Mitteilung.
 
Die Polydata-Story
Noch sind die Plattform-Entscheide im Millionenprojekt Polydata nicht gefallen. Wir haben im März 2017 die Situation und die verschiedenen Player mit ihren Lösungen und den Millionenmarkt analysiert. Lesen Sie hier unseren zweiteiligen Artikel: Polydata – proprietäre versus Standard-Technologie (Teil 2) und Polycom: Gutes Vorbild für ein sicheres Datennetz? (Christoph Hugenschmidt)

Unser Kommentar:

Als die Funkspezialisten der WZ-Systems im letzten Jahr unter dem Namen "BLUnet" ein System auf neuster LTE-Mobilfunktechnologie an Grossanlässen testete, wurde das nur am Rande wahrgenommen. Das Unternehmen musste sich belächeln lassen.
 
Dabei konnte WZ-Systems mit Sunrise und der Axpo als Partner zeigen, dass die künftige sichere Datenübertragung für die Blaulichtorganisationen der Schweiz (Polydata) auf dem öffentlichen Netz abgewickelt werden kann. Viel günstiger würde die Datenübertragung ausfallen, als die seinerzeit auf proprietärer Technik aufgebaute, Milliarden teure sichere Sprachübertragung für die Blaulichtorganisationen (Polycom).
 
Derzeit laufen bekanntlich die Planungen beim Bund für Polydata. Die Unterstützerbasis der Variante, auch Polydata mit proprietärer Technik zu bauen, bröckelt. Auch Swisscom hat im letzten Frühjahr erklärt, nun mit einer Public-Safety-LTE genannten Lösung die Möglichkeiten von BLUnet bieten zu können.
 
Damit stand der David WZ-Systems dem Goliath Swisscom respektive dessen Tochter Swisscom Broadcast gegenüber. Mit dem neuen Unternehmen sieht die Situation nun ganz anders aus. Offensichtlich hat man sich bei der Axpo in der Praxis davon überzeugen können, welche Potentiale in BLUnet schlummern. Mit der Axpo steht nun ein Konzern hinter BLUnet.
 
Abzuwarten bleibt nun erst einmal, wie die Politik entscheiden wird. Klar ist jedenfalls, dass BLUnet, beziehungsweise Public-Safety-LTE, diskutiert werden müssen. Rein proprietäre Technik wie einst bei Polycom wird sicher keine Chance mehr haben.
 
Offen ist allerdings eine ganz andere Frage: Was geschieht mit der 30-köpfigen Innovations-Schmiede aus Lupfig? Können die Teams um den Gründer und einstigen Alleininhaber Rainer Zürcher auch dann ihre Aufbruchsmentalität bewahren, wenn im nächsten Sommer noch einmal so viele Kollegen vom Konzern Axpo bei ihnen einziehen? (Volker Richert)