Wie gehen Agile und Innovation im Mobile Business zusammen?

Das Wie und Was in Agile Innovation für Next Generation Mobile Business auf einen Blick.
Eine Studie der Universität St. Gallen untersucht digitale Projekte aus neun Grossfirmen. Hier einige Resultate im Vorfeld des St. Gallen Mobile Business Forum.
 
Wie werden heutzutage Innovationen im Digital Age gestaltet – was ist heute schon neu im Vergleich zu vor fünf Jahren, und welche neuen Prinzipien sind wo erfolgreich? "Mit agiler Innovation zu Next Generation Mobile Business" ist das Thema des sechsten St. Gallen Mobile Business Forum der Universität St. Gallen (IWI-HSG).
 
Im Hinblick auf den Anlass arbeitet das Team unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Back an einer Praxis-Studie, welche digitale Innovationsprojekte von den neun Grossunternehmen ABB, Audi, Bühler, BSH, Post, SBB, Schindler, Siemens und Zumtobel, untersucht.
 
Im Mittelpunkt stehen das "Wie" und das "Was" von digitalen Innovationsprojekten:
 
1) Rolle des Innovationsteams – wer kommt wann ins Spiel?
 
2) Umgang mit externen Partnern – blosses Auftragsverhältnis oder Co-Innovation?
 
3) Was beeinflusst die Übergabe eines Projektes im Innovationsteam im Brutkasten an die Business Unit positiv?
 
4) Einflüsse zur Definition der Innovations-Governance und Kultur: Welche Rolle spielt das Management?
 
5) Was sind Use Cases und aktuelle Projekte für Augmented Worker in Grossunternehmen (Augmented Reality, Mixed Reality, Internet der Dinge etc.)?
 
Erste Resultate der Studie nachfolgend und im Voraus veröffentlicht (weitere Details zur Publikation siehe Schluss des Textes).
 
Das Wie – Gestaltung von Innovationsprojekten
Das "Wie" definieren die Studienautorinnen, Prof. Dr. Andrea Back und Vanessa Guggisberg, als die Art und Weise wie heutzutage Innovationsprojekte aufgesetzt und gestaltet werden. Sie stellen fest, dass vor allem iteratives und kundenzentriertes Arbeiten bei den untersuchten Grossunternehmen grossgeschrieben wird.
 
Dies offensichtlich als Antwort darauf, dass Projekte mit mehrjähriger Dauer heute nicht mehr als zeitgemäss betrachtet werden.
 
Die vollständige Studie fokussiert vor allem darauf, wie Agile Methoden aus der Softwareentwicklung, Design-Logiken und Start-up-Methoden in aktuelle Innovationsprojekte einbezogen werden.
 
Das Was – kleine, inkrementelle Teilschritte führen zum Ergebnis
Das "Was" sind die neuen Dienstleistungen als Ergebnis (Produkt oder Dienstleistung) des "Wie" und die daraus resultierenden Zwischenschritte während der Entwicklung. Beispiele davon sind das Arbeiten mit "Proof of Concepts" oder sogenannten Minimal-Produkten (Minimal Viable Product, MVP). Dabei im Zentrum stehen innovative Lösungen für den "Augmented (Field-)Worker" – ein Mitarbeiter, dessen menschliche Fähigkeiten durch die Verwendung von neuen (mobilen) Informationstechnologien nicht nur unterstützt, sondern sogar erweitert werden. Details s. Grafik oben.
 
Wechselbeziehung zwischen dem Was und Wie
Erste Studienresultate zeigen vor allem, dass eine starke Wechselbeziehung zwischen der Art, wie neue digitale Dienstleistungen gestaltet werden ("Wie"), der Dienstleistungsinnovation selbst ("Was") und der Arbeitsprozessgestaltung für den Augmented Worker besteht (s. Grafik 2).
 
Wieso innovative Projekte nicht mehr mit dem Business Plan beginnen sollten
Innovative Lösungen sind immer von Unsicherheiten geprägt. Wird die Dienstleistung überhaupt nachgefragt? Wen genau sprechen wir damit an und wie gross ist unser Markt? Ein Business Plan hat bis anhin am Anfang eines Projektes zur Definition von Leistungs(-paketen), Dauer und Ressourcenaufwand gut funktioniert und beantwortete all
Wechselbeziehung zwischen dem Was und Wie beim Augmented Worker.
diese Fragen.
 
Hingegen zeigt sich bei vielen Projekten mit einem digitalen Layer, dass einige Faktoren von Unsicherheit geprägt sind, so dass der Business Plan zu Beginn entweder zu generisch ausfällt oder sich das Projektteam damit schon für Details festlegen muss, die aber eigentlich vorerst nur geschätzt werden können. Damit aber der Business Plan nicht wie eine graue Wolke schon zu Beginn über dem Projekt(-team) liegt, brechen viele Firmen die Lösung in kleine Teilschritte herunter. Was das genau heisst, dies zeigt das Beispiel der SBB.
 
Iteration Zero führt zum Pitch bei der SBB – Ein Business Plan kommt erst später
Die SBB hat das Konzept von "Iteration Zero" – der Weg von der Produktidee zum initialen Backlog – eingeführt. Der "initiale Backlog" ist ein Begriff aus Scrum, und stellt in diesem Falle eine Auflistung der Anforderungen an das Projekt dar. Mit einem Iteration-Zero-Workshop definiert die SBB also, wer im Projektteam dabei ist, und wo, und in welchem Rhythmus gearbeitet wird. Darüber hinaus dient ein solcher Workshop zur Ausarbeitung der Produktvision, von Personas, Story-Maps und Customer-Journey, woraus iterativ die Vision des MVPs, Epics und User Stories abgeleitet werden können.
 
Zentral dabei ist das Vorgehen. Das Team schreibt also noch keinen Business Plan im Iteration Zero, sondern viel mehr am eigentlichen "Pitch", um ein erstes Innovationsbudget vom Steering Committee für die Prototypen-Phase einzuholen.
 
Erste Resultate der Studie zeigen ausserdem, dass ein solcher Pitch den initialen Business Plan bei digitalen Innovationsprojekten ersetzt. Ein Business Plan wird dann erst relevant, wenn sich aus dem Proof of Concept ein Minimal Viable Product abzeichnet, also zwei bis drei Prototyp-Iterationen später mit genaueren Vorstellungen zu Dienstleistungsprodukt und Kunden.
 
Gestaltung erfolgreicher Zusammenarbeit in Innovationsprojekten
Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Aspekt des "Wie" von Innovationsprojekten ist die Gestaltung erfolgreicher Zusammenarbeit. So sagen zum Beispiel 75 Prozent der Unternehmen, die Anwesenheit und der Einbezug von Nutzern im Projektteam sei wichtig. Nur wenn die eigentlichen Endnutzer im Team vertreten sind, kann auch die erwünschte Nutzerzentrierung verfolgt werden und können die Interessen zur Sprache kommen.
 
Zwei Drittel der Unternehmen bezeichnen ausserdem die physische Nähe des Projektteams als wichtig. Dies vor allem während den intensiven "Sprint-Phasen", bei welchen innerhalb einer zeitlich begrenzten Phase an vordefinierten, inkrementellen Aufgabenpaketen gearbeitet wird. Um einen gewissen Rhythmus und die gewünschte Geschwindigkeit aufbauen zu können, ist die physische Anwesenheit des Projektteams erforderlich.
 
Damit zusammenhängend diskutieren die Studienautorinnen auch die räumliche Umgebung. Während es einerseits Unternehmen gibt, bei denen ein Innovationsteam in einen Brutkasten ausserhalb des Unternehmens (sogenannte Innovation Labs) geschickt wird, gibt es andererseits auch Fälle, in denen gerade die Nähe zu bestehenden Business Units gefragt ist und somit "Team Spaces" innerhalb der Unternehmensräumlichkeiten gesucht werden.
 
Vergünstigte Tickets für das Mobile Business Forum in Zürich
Dies sind nur einige der neuen Innovationsprinzipien und Methoden für das digitale Zeitalter, die in den Studienresultaten diskutiert werden. Weitere werden am 7. November 2017 im Swisscom Business Campus in einer Keynote präsentiert.
 
Das Mobile Business Forum wird vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen organisiert.
 
Wir offerieren zehn Tickets ("first come, first served!") für Teilnehmende aus Anwenderfirmen zum halben Preis von 350 Franken (Kostenbeitrag). Dies mit dem Code "Inside-IT Friend" (eintragen bei Rechnungsadresse) – bis spätestens 3.11.2017. Es sind nur noch begrenzt Tickets im Angebot.
 
Weitere Infos und das Anmeldeformular finden sich hier. (Vanessa Guggisberg)
 
Interessenbindung: inside-it.ch ist Medienpartner des Mobile Business Forum.