Swisscom wird zum Cloud-Gemischtwaren­laden

Bisschen AWS gefällig? Unsere eigene Swisscom-Cloud? Azure? Viele viele Managed Services dazu? Haben wir alles.

Swisscom hat an einer Pressekonferenz heute Morgen offiziell angekündigt, was wir schon berichtet haben: Neben Cloud-Services die auf eigener lokaler Infrastruktur basieren, wie der erst vor einem Monat lancierten Enterprise Service Cloud, will der grösste Schweizer Telco seinen Kunden in Zukunft als Reseller auch "fremde" Cloud-Angebote verkaufen. Swisscom verkauft also nicht nur die eigene Plattform, sondern neu auch konkurrierende Plattformen. Gegenwärtig Microsofts Azure-Plattform und Amazon Web Services (AWS).

"Mit reiner Infrastruktur können wir uns auf Dauer nicht über Wasser halten," begründete dies Reto Fuchs, Head of Cloud Consulting & Enabling. Swisscom müsse sich auf Mehrwertservices konzentrieren und Kunden eine "komplette Begleitung auf ihrem Weg in die Cloud" anbieten können. Deshalb müssten auch Hyperscaler ein Teil der "Overall Swisscom Cloud Story" werden – also das, was wir im Titel, gar nicht despektierlich gemeint, einen Cloud-Gemischtwarenladen nennen.

 
Das Ziel, irgendwann auch als Cloud-Broker beziehungsweise -Consulter zu agieren, habe Swisscom schon seit Jahren gehabt, so Fuchs. Der Beschluss, dies konkret anzupacken, sei aber erst in diesem Februar gefallen. Der Aufbau des Amazon-Teams habe im Juni begonnen, gegenwärtig umfasse es zehn AWS-zertifizierte Spezialisten.

Mit Microsoft, betonte Nadia Rahim, Program und Marketing Manager Azure bei Swisscom, pflege man schon eine jahrelange Partnerschaft. Als grösster Schweizer Microsoft-Partner beschäftige Swisscom daher bereits 250 Microsoft Certified Professionals. Die Zahl der Azure-Experten liege gegenwärtig im zweistelligen Bereich.

Als Cloud-Consulter auch für globale Hyperscaler begibt sich Swisscom einerseits in Konkurrenz zu internationalen Dienstleistern wie Rackspace oder Accenture. Für diese ist Swisscom eher der kleine, lokale Konkurrent. Hierzulande ist allerdings natürlich Swisscom der Riese, und bereits existierende lokale Anbieter auf dem noch jungen Markt für Cloud-Consulting-Services, oder solche, die mit diesem Markt leibäugeln, werden damit leben müssen, dass sie einen neuen, grossen Konkurrenten haben. (Hans Jörg Maron)

Bildstrecke: Was Swisscom plant
Anfänglich bietet Swisscom sowohl im Azure- als auch im AWS-Bereich ein gleich strukturiertes Angebot an Professional Services an. (siehe Seite zwei dieser Bildstrecke)

Das ist aber nur der Anfang, denn im nächsten Jahr soll das Serviceangebot sowohl für AWS als auch Azure noch deutlich ausgebaut werden, vor allem auch im Bereich Managed Services. Mehr dazu auf den Seiten drei und vier der Bildstrecke.

Neuer Managed Workplace
Angekündigt wurde von Swisscom auch ein neuer Managed Workplace. Mehr dazu auf den Seiten fünf und sechs der Bildstrecke.

Das Angebot an Professional Services der Swisscom ist anfänglich sowohl für Azure als auch AWS gleich strukturiert. Es umfasst einen laut Swisscom Plattform-neutralen Einführungsworkshop ("Starter Kit") für 9900 Franken. Dazu kommen Servicepakete für Lösungsdesign, Migration und Integration sowie Services zu Spezialthemen.

Die Roadmap für AWS-Services von Swisscom bis Ende 2018. Vor allem den Bereich Managed Services will Swisscom noch deutlich ausbauen.

Dies gilt auch für die Azure-Services, wobei hier weitere Managed-Service-Angebote in Absprache mit Microsoft definiert werden sollen.

Das modulare Workplace-as-a-Service-Angebot, so wie es vorerst angeboten wird. Es kostet ab 39 Franken pro Monat und Nutzer. Der Vertrieb erfolgt durch Swisscom direkt, Partner sind nicht eingebunden.

 
Der Kern des neuen, Azure basierten Workplace-as-a-Service-Angebots von Swisscom ist der auf diesem Slide nur unscheinbar auftauchende "Swisscom Butler". Diese Software soll einerseits beim Onboarding von Geräten helfen, wenn Anwender ein neues Endgerät in Betrieb nehmen oder einen eigenen Computer im Unternehmensnetz verwenden wollen. Der "Butler" überprüft die Sicherheitseinstellung der Geräte und richtet sie, inklusive Installation von Software, Templates, Schriften und so weiter so ein, dass sie sofort benützt werden können, sagte Product Owner Sebastian Zolg. Der Butler soll als eine Art digitaler Assistent auch benützt werden können, um für den Nutzer einfach Informationen aus Wissensdatenbanken zu finden, beispielsweise wer im Unternehmen sich auf einem bestimmten Gebiet besonders gut auskennt.

Der neue Workplace-as-a-Service soll im Laufe der Zeit um viele weitere Optionen ausgebaut werden, darunter auch branchenspezifische Pakete. Ein Zeitplan dafür, wann diese erhältlich werden könnten, war aber heute Morgen noch nicht zu erfahren. (Hans Jörg Maron)