Mensch-Maschine-Kommunikation an der EPFL erleben

Bild: EPFL
Mit einem Ausstellungprojekt namens "Mental Work" verspricht die Lausanner ETH im hauseigenen ArtLab die anstehende kognitive Revolution erlebbar zu machen.
 
Ab dem 27. Oktober und bis zum 11. Februar 2018 widmet sich eine als kunstwissenschaftlich deklarierte Ausstellung an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) dem Arbeiten der Zukunft. Im Zentrum steht der Kontrast von der einstigen technischen Revolution zur nun anstehenden kognitiven Revolution, wie die Macher schreiben. Was Maschinen in den Fabriken sind, werde in der künftigen sogenannten "Mental Work Factory" zur Arbeit in Form von Gedanken.
 
"In der Mental Work Factory fordern wir die Arbeiter auf, mit Maschinen zu arbeiten, die nur ihre Hirnkraft nutzen", erklärt Mental-Work-Mitgründer und Chief Business Officer Michael Mitchell. Habe die industrielle Revolution die Hände des Menschen durch Maschinen ersetzt, bestehe nun die Chance, dass das Gehirn des Menschen durch intelligente Maschinen ersetzt werde. In der Ausstellung würde gezeigt, wie menschliche Intelligenz via Gehirn-Computer-Schnittstellen in den Mittelpunkt der Technik gelange.
 
Besucher werden im ArtLab – es versteht sich als Laboratorium für Ausstellungsexperimente – die Möglichkeit haben, Maschinen über Gedanken zu steuern, so die EPFL. Nötig sei dazu lediglich eine gewisse Konzentration. Konkret erhält der Besucher einen mit Elektroden vollgestopften Helm. Er muss sich dann vorstellen seine beiden Hände zu schliessen – natürlich ohne sie real zu schliessen – oder einfach die Hände zu entspannen. Laut EPFL muss das etwa 15 Minuten lang geübt werden. Dann können Algorithmen die beiden Muster, geschlossene Hände und entspannte Hände, erkennen. Anschliessend können diese Gedanken dann als Befehle via Computer zum Betrieb einer Maschine verwendet werden.
 
Bei den verchromten Maschinen handelt es sich laut Mitteilung um Science-Fiction-Interpretationen historischer "Zugräder", die über verschiedene bewegliche Teile verfügen. Entworfen hat sie der amerikanische Künstler, Philosoph und ebenfalls Mitgründer von Mental Work, Jonathon Keats. Gebaut wurden sie von EPFL-Technikern gemeinsam mit Industriepartnern aus der Region Lausanne.
 
Von Mustern lernen
Zentral für das Projekt ist die Arbeit von José Millán. Der Neuroengineer
Bild: EPFL
an der EPFL gehört auch zu den Projekt-Mitgründern und will mit der Ausstellung eine gesellschaftliche Debatte anstossen. Denn er ist überzeugt, dass die kognitive Revolution in den unterschiedlichsten Formen kommen wird.

Bisher kenne man das "brain machine interface" meist von Robotersystemen, die der Absicht eines Subjekts folgen. Dabei kämen Systeme zum Einsatz, über die die elektrische Aktivität des Gehirns erkannt, decodiert und für die beabsichtigte Aufgabe entschlüsselt wird. Bekannte Anwendungsszenarien sind hier etwa die Unterstützung körperbehinderter Menschen. Konkret geschehe das über das Modulieren von Gehirnwellen.
 
Zwar sei die Entschlüsselung von Absichten eines Subjekts aufgrund des organisierten Abfeuerns von Neuronen im Gehirn schon möglich. Allerdings sei die Art und Weise, wie das Gehirn diese Informationen verarbeitet, noch lange nicht verstanden, so der Forscher. Gedanken würden unterschiedliche Muster elektrischer Aktivität provozieren und laute Signale aussenden. Millán hat nun auf der Basis dieses "Rauschens" Algorithmen entwickelt, mit denen sich die Muster erkennen lassen. In der Ausstellung spielen sie eine wichtige Rolle. Und die Besucher liefern ihm gleichsam als Teilnehmer an der kognitiven Revolution weitere Daten, um die Algorithmen zu verfeinern. Alle in der Ausstellung gewonnen Daten sollen nämlich anonymisiert der wissenschaftlichen Community verfügbar gemacht werden und damit die Analyse der Gehirnwellen ausbauen helfen.
 
Wer die Ausstellung besuchen will, muss sich vorab hier registrieren. (vri)